mehrere Kinder

Kinder in Heimen und Pflegefamilien

Hilde von Balluseck

16.01.2010 Kommentare (0)

Von den Kindern, die im Heim untergebracht sind, erhalten 60 Prozent Transferleistungen vom Staat. Der Anteil der einkommensschwachen Familien ist also höher als im Durchschnitt der Bevölkerung. Von den 14.500 Kindern, die in Pflegefamilien neu aufgenommen wurden, erhielten sogar 75 Prozent Transferleistungen. Anlass für die Aufnahme in einer Pflegefamilie ist immer, dass das Wohl des Kindes in der eigenen Familie gefährdet ist, häufig durch Gewalt und Vernachlässigung.

Hingegen ist der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund bei diesen Angeboten des Jugendamtes gringfügig niedriger als ihr Anteil in der Bevölkerung.

So weit die trockenen Zahlen des Statistischen Bundesamtes (ausführlich dazu: http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Presse/pm/2010/01/PD10__005__225,templateId=renderPrint.psml.)

Was sagen diese Zahlen? Es können hier nur Hypothesen aufgestellt werden, die überprüft werden müssten.

  • Armut stellt ein erhöhtes Risiko für das Kindeswohl dar. Zum Einen ist es die Armut selbst, die Probleme in den Familien verursacht. Zum Anderen geraten Eltern häufig in Apathie und Aggression, wenn sie sich selbst nichts mehr zutrauen. Dann sind auch die Kinder häufig gefährdet.
  • Wenn arme Eltern Probleme mit ihren Kindern haben, stehen keine kompensatorischen Möglichkeiten zur Verfügung wie ein Kindermädchen oder ein Internat. Die Überrepräsentation der Armen sollte uns nicht dazu verführen, der Mittelschicht generell die Erziehungskompetenz zuzusprechen.
  • Denn immerhin 40 Prozent der Kinder, die in Heimen untergebracht sind, stammen aus Familien, die keine Transferleistungen erhalten. Das heißt, dass alle Eltern in ihrer Erziehungskompetenz gestärkt werden müssten.
  • Dass Kinder mit Migrationshintergrund nicht häufiger, sondern eher ein wenig seltener als die deutschstämmigen ins Heim oder in Pflegefamiien kommen, deutet nicht unbedingt darauf, dass Eltern mit Migrationshintergrund ihre Erziehungsprobleme besser bewältigen. Eher ist zu vermuten, dass die Distanz zu den deutschen Ämtern häufiger verhindert, dass sie ihre Erziehungskompetenz in Frage stellen lassen.
  • Es ist zu vermuten, dass in Familien mit Migrationshintergrund der Zusammenhalt noch besser funktioniert - was nicht unbedingt dem Kindeswohl dient, sondern dem Bild, das die Familie nach außen vermittelt.

Wie gesagt: Um aus diesen Hypothesen Behauptungen zu machen, müsste man in die Fachliteratur gehen bzw. Forschung betreiben.

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