Löwenmut

Kinder nachhaltig stärken mit Familie Löwenmut

Niklas Salmon

27.07.2022 Kommentare (0)

Ein Modellprojekt des Dachverbandes Gemeindepsychiatrie zur präventiven und nachhaltigen Resilienzförderung von Vorschulkindern durch Netzwerkarbeit

Logo Familie Löwenmut

Nicht erst, aber durch die Corona Pandemie verstärkt und beschleunigt, nehmen Pädagog:innen, Erzieher:innen und Mitarbeitende in Kitas den wachsenden Druck auf Kinder und deren Familien deutlich wahr. Der Kitabetrieb wurde in dieser Zeit in seinen Grundsätzen von Offenheit und Transparenz, einer Willkommenskultur für die Eltern und Familien, vielfach zu so etwas wie einer „Blackbox“. Die Kinder wurden von den Eltern vor der Kita abgegeben und dort wieder abgeholt, die Kitas mussten vorrübergehend schließen, Eltern mussten sich neben ihrer Arbeit und sonstigen Verpflichtungen zuhause mit ihren Kindern beschäftigen, sogar Außenaktivitäten, wie der Spielplatzbesuch war eine Zeit lang nicht mehr möglich. Mitarbeitende in Kitas haben in dieser Zeit versucht Online-Angebote zu schaffen oder die Familien anderweitig, kreativ zu unterstützten, haben aber vor allem den Druck gespürt, der in diesen Familien immer mehr zunahm.  

Um mit diesem Druck und den Herausforderungen der Krise umgehen zu können braucht es Resilienz, die Fähigkeit ebene solche Krisen zu bewältigen und auf Herausforderung und Veränderung im Leben gestärkt reagieren zu können. Für die Entwicklung von Kindern ist es wichtig, dass Sie von klein auf Unterstützung bei der Bewältigung verschiedenster Lebenssituationen erhalten um möglichst unversehrt und ohne längerfristige Konsequenzen auch schwierige Situationen zu meistern. Daher haben die letzten zwei Jahre erneut gezeigt, wie wichtig es ist Kinder, Familien und Kitas nicht nur in Krisenzeiten, sondern unbedingt auch präventiv zu unterstützen. Die Belastungen für Familien und Kinder können ganz unterschiedlich sein. Auch vor der Pandemie war das Familienleben nicht sorgenfrei, besonders auch für Familien und Kinder mit psychisch erkrankten Eltern. Mit der nötigen Unterstützung können Kitas hier für Entlastung sorgen und dabei die angespannte Lage nachhaltig nutzen. »Gerade für Kinder, die mit besonderen Belastungen aufwachsen, ist resilienzfördernde Unterstützung wichtig. Die dazu gehörende Stärkung der Erziehungskompetenzen der Eltern und Erziehenden wird sehr förderlich für die Entwicklung dieser Kinder sein«, so Dr. med. Christof Sturm, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie. 

Resilienzförderung von Vorschulkindern in Kitas

Um den Herausforderungen zu begegnen, wurde Familie Löwenmut entwickelt. »Resilienz bei Kindern baut auf grundlegende und verlässliche Beziehungen auf.« erläutert Prof. Albert Lenz, der seit über zwanzig Jahren zu Resilienz forscht und publiziert. Der Dachverband Gemeindepsychiatrie hat daher zusammen mit Prof. Lenz und einem Wissenschaftsteam der Katholischen Hochschule NRW in Paderborn ein ganzheitliches Präventionsprojekt für Vorschulkinder in Kitas entwickelt. Ein sogenannter Dreiklang aus Kita-, Eltern- und Netzwerkarbeit bereitet hierfür das Fundament. Kern des Projekts ist ein resilienzförderndes 10-Wochen Programms in den Kitas, in denen geschulte Erzieher:innen selbstständig die Kinder mit altersgerechten Übungen und Materialien fördern. Die Erzieher:innen wurden vorab durch eine eigens entwickelte Schulungsreihe vom Dachverband Gemeindepsychiatrie und weitere Expertinnen und Experten umfassend vorbereitet. Hierzu gehören beispielsweise Schulungen zur Gesprächsführung mit schwierigen Partnern oder zum Aufbau und der Nutzung von Netzwerken. Querschnittsthemen dabei sind Prävention und Nachhaltigkeit. Die Kinder sollen lernen in Zukunft selbstständig von ihrer gestärkten Resilienz Gebrauch zu machen, um auch steinigeren Passagen des Lebens gekonnt begegnen zu können. »Wir Erzieherinnen und Erzieher fördern die Kinder in unserer Kita in den Bereichen Motorik, Kreativität, soziale Kompetenzen, Sprache und in vielen anderen Bereichen, mit dem Ziel aus ihnen selbstständige, gesunde, fröhliche, zufriedene Menschen zu machen. Deshalb ist es für mich so besonders wichtig, sie in ihrer Resilienz zu fördern, um sie für die ›Schwierigen Phasen des Lebens‹ zu stärken, damit sie um Hilfe bitten, Gefühle erkennen und äußern können. Quasi ein ›starkes inneres Immunsystem‹ aufbauen«, erläutert Tobias Spolert, Erzieher in der Kita 50 Freunde, Köln. Zusätzlich zu der Arbeit mit den Kindern bilden die Erzieher:innen den Kontaktpunkt zu den Eltern. Sie sprechen mit ihnen über das Thema Resilienz und können sowohl im privaten Einzelgespräch als auch in Form von Elternabenden über das Programm und die Entwicklung berichten. Die Eltern werden zu dem über einen Newsletter und eine Website in das Programm eingebunden. So erhalten sie Tipps für verschiedene Lebenslagen und Hinweise auf Spiele und Übungen die sie gemeinsam mit den Kindern zu Hause durchführen können. Neben den geschulten Erzieher:innen stehen dem Programm die sogenannten Netzwerker:innen bei. »Die Netzwerkarbeit ist eine der besonderen Kompetenzen gemeindepsychiatrischer Organisationen. Dieses Know-how soll den Kitas und ihren Fachkräften in diesem Projekt zur Verfügung gestellt werden. Es geht darum, ›auffällig unauffällige‹ Kinder in den Kitas zu entdecken, mit ihren Eltern ins Gespräch zu kommen und die Eltern zu stärken, zu unterstützen und ihnen, falls nötig, passgenaue Hilfen gemeindepsychiatrischer Netzwerke zukommen zu lassen.« sagt Projektleiter Thomas Pirsig. Das dreijährige, durch die Stiftung Wohlfahrtspflege geförderte Modellprojekt wird in den vier Regionen Köln, Duisburg, Paderborn und Solingen in jeweils vier Kitas durchgeführt. Gerade wurde der zweite Durchgang des 10-Wochen Programms in den Kitas abgeschlossen. 

»Wir finden es sehr angenehm, dass wir unsere Netzwerkerin im Hintergrund wissen, dass sie für uns ansprechbar ist. Da ist jemand den können wir jederzeit um Hilfe bitte und die Person ist auch den Eltern bekannt. Dadurch ist die Hemmschwelle geringer. Wir können also die Eltern bei Bedarf an eine bekannte Person weiterleiten. « erläutert Frau Kierdorf, Erzieherin an einer teilnehmenden Kita aus Solingen. Die Präsenz und Expertise der Netzwerker:innen wird von den Erzieher:innen als sehr entlastend und hilfreich für den Alltag in den Kitas beschrieben. 

Positive Ergebnisse der Wissenschaft

Die wissenschaftliche Begleitforschung des Katholischen Hochschule NRW in Paderborn hat ebenfalls erste positive Zwischenergebnisse vorgelegt. Die Erzieher:innen fühlen sich durch die umfangreiche Schulung zu Theorie und Praxis der Resilienzförderung deutlich befähigt mit den Kindern und Eltern in diesem Bereich zu arbeiten. Die Erzieher:innen geben an, positive Entwicklungen bei den Kindern in Bezug auf sozial-emotionale Kompetenzen, oppositionell-aggressives Verhalten, Unaufmerksamkeit und Hyperaktivität vs. Spielausdauer und emotionale Auffälligkeiten im Verlauf des Programms beobachtet zu haben. Diese Ergebnisse zeigen, dass das Programm in den Kitas Wirkung zeigt und die Berichte von Erzieherinnen und Erziehern untermauern diese Annahme. »Die Kinder haben eine ganz hohe Motivation und sind auch stolz, dass sie bei Familie Löwenmut dabei sind und mitmachen.« berichtet Maria Kierdorf. » Die Kinder schreien begeistert ´Wir haben wieder Löwenmut, wenn ein neuer Teil des Programms ansteht und ein Vater berichtete vor kurzem, er nehme seine Tochter deutlich selbstbewusster und mutiger war. Diesen Eindruck können wir Erzieherinnen und Erzieher bei vielen Kindern bestätigen.« führt sie aus.  

Familien Löwenmut blickt in die Zukunft

Die Kita ist häufig die erste öffentliche Stelle, an der Familien ›auflaufen‹. Daher besteht hier die größte Möglichkeit, sie zu unterstützen, Auffälligkeiten wahrzunehmen und ihnen zu begegnen sowie die familiäre Resilienz zu fördern. Unsere Netzwerkenden sind dafür prädestiniert, in Zusammenarbeit mit den Erzieher:innen diese Aufgabe zu übernehmen und gleichzeitig die Erzieher:innen zu entlasten. Im Prinzip entspricht diese Rolle derjenigen von Schulsozialarbeiter:innen, nur dass noch früher angesetzt wird und genau das präventiv und effektiv sehr sinnvoll ist.« sagt die stellvertretende Projektleiterin Beate Pinkert. Angespornt und bestätigt durch die positive Resonanz der Erzieher:innen, Eltern und der Wissenschaft werden momentan verschiedene Möglichkeiten ausgelotet wie das Projekt ein dauerhaftes Regelangebot in Kitas werden kann und somit dem Wunsch der Erzieher:innen und der Organisationen der Gemeindepsychiatrie nachzukommen, einen Ansatz zu etablieren welcher zur Förderung von Resilenz von Kindern und Familien und zur Unterstützung der Kitas beiträgt. »Die Zukunftsfähigkeit des Modells ›Familie Löwenmut‹ liegt darin, dass es sich in besonders schwierigen   Zeiten   bewährt   und   seine   Wirkung   entfalten konnte«, resümiert Projektleiter Thomas Pirsig.

Bildnachweise:
Titelbild: Tobias Spolert, Kita 50 Freunde, Köln Foto: Thomas Pirsig
Löwenköpfe Foto: Bianca Otto, Kita Leitung, Kita Dorp, Solingen
 
Kontakt:

Thomas Pirsig, Projektleitung 
E-Mail: pirsig@psychiatrie.de 
Telefon: 0171 6803171

Beate Pinkert, stellv. Projektleitung 
E-Mail: beate.pinkert@psychiatrie.de

Website: https://www.familie-loewenmut.de

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