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zwei U3 Kinder

Kinder unter drei - eine Herausforderung. Berichte aus der Krippe

Barbara Leitner

03.12.2013 Kommentare (9)

Am 1. August 2013 trat der Rechtsanspruch auf einen öffentlichen Kinderbetreuungsplatz für Eltern mit Kindern ab einem Jahr in Kraft. 780 000 Ein-, Zwei und Dreijährige sollen nun in Kitas, Krippen und der Kindertagespflege gebildet, erzogen und betreut werden. Unter welchen Bedingungen das geschieht, wie der Betreuungsschlüssel aussieht, wie Erzieherinnen und Tagesmütter tatsächlich auf die Bedürfnisse der Jüngsten eingehen können – Kommunalpolitiker scheuen sich nicht, das laut zu sagen – steht nicht im Mittelpunkt. Es geht um die Zahlen und darum, mögliche Klagen zu vermeiden.

Barbara Leitner befragte drei Frauen, die den Alltag in den Spielräumen Bethanien in Berlin-Kreuzberg mit den Mädchen und Jungen gestalten. Sie erzählen, wie sie die Arbeit mit Kindern unter drei Jahren erleben. Wir übernehmen den Beitrag mit freundlicher Genehmigung der Autorin und der Redaktion von Betrifft Kinder.

Dagmar 

Ich arbeite seit vier Jahren mit Kindern unter drei Jahren und kann sagen: Das ist genau meine Zielgruppe. Morgens komme ich zur Tür herein, und von Null auf Hundert nehmen mich die Kinder in Anspruch. Zum einen körperlich. Viele müssen noch getragen und gehoben werden, weil sie erst dabei sind, laufen zu lernen. Vor allem aber psychisch. Dabei ist ungeheure Präsenz gefragt.

Ich versuche, meine Arbeit nicht als Belastung zu sehen, sondern als einen Teil meines Lebens. Die Zeit mit den Mädchen und Jungen gestalte ich so, dass auch ich zufrieden bin. Deshalb bin ich nicht so schnell erschöpft und müde. Ich achte auf körperliche Fitness, treibe Sport, esse gesund und schlafe ausreichend. Dadurch braucht dieser fordernde Alltag meine Substanz nicht auf. Das ist notwendig, denn ständig muss ich ein großer, voller Akku sein, um die kleinen Akkus der Mädchen und Jungen wieder aufzuladen.

Eingewöhnung 
Gerade die Eingewöhnung braucht viel Energie. Du machst etwas, das die Kleinen nicht wollen. Sie wollen nicht in der Kita bleiben. Nicht in dieser Altersphase, in der sie gerade verstanden haben: Mama, Papa, ich. Familie. Wir gehören zusammen.

Das heißt, ich muss sie auffangen und ihnen das Gefühl geben, dass es trotzdem gut ist. Den Eltern muss ich helfen, ihren Kindern das Gefühl zu geben: Es ist richtig, was wir tun. Du bist hier gut aufgehoben.  

Wenn ein Kind angekommen ist und die Räume kennt, entdeckt es plötzlich: Ich bin ja nicht allein. Da sind noch andere Kinder. Wie komme ich in Kontakt mit dem Mädchen, das ich jeden Tag sehe?

Diese ersten Schritte der Sozialisierung gehen meist ruppig über die Bühne. Die Kleinen wissen noch nicht, wie man das macht. Da gibt es für mich jede Menge zu beobachten und zu begleiten: Welche Strategien wählen die Kinder? Wie gehen sie mit Rückschlägen um?

Ich merke, wie aufmerksam sie mir zuhören, wenn ich sie unterstütze, miteinander in Kontakt zu kommen. Sie sind wie Schwämme, die alles aufsaugen, wenn die Atmosphäre stimmt.

Drei Kinder pro Erzieherin

In meiner Kita habe ich gute Bedingungen. In der Regel betreue ich gemeinsam mit einer Praktikantin und einer Auszubildenden oder einer anderen Kollegin neun Kinder. Ohne diesen guten Personalschlüssel könnte ich nicht so offen mit den Kindern umgehen. Innerlich kann ich mir immer sagen: Halt, stopp! Ein Kind rennt vor dem Mittagsschlaf ja nicht im Raum herum, um mich zu ärgern. Offensichtlich braucht es Aufmerksamkeit, die es nicht anders einfordern kann. Vermutlich ist es emotional gerade nicht in der Lage, auf meine Bitte einzugehen, sich schlafen zu legen oder ruhig weiter zu spielen. Alles deutet darauf hin, dass der Gefühlsakku des Kindes leer ist und es mehr Sicherheit braucht, um sich auf den Rhythmus der Gruppe einzulassen.

Da wir nur wenige Kinder betreuen, kann ich oder eine meiner Kolleginnen in der Regel unmittelbar auf das Kind und seine Not eingehen. Wir sind nicht so eingespannt, dass keine Abweichungen möglich sind.

Die Macht der Erwachsenen

Dennoch entstehen Situationen, in denen auch ich streng Nein sage oder schimpfe, denn bei uns sind mehr Leute als bei Mama und Papa zu Hause. Wir brauchen Regeln, damit es uns allen gut geht und niemand verletzt wird.

Beispielsweise erlaube ich nicht, dass Holzspielsachen durch die Luft fliegen. Manchmal spreche ich ein „Machtwort“, wenn ein Kind vergisst, dass wir keine Spielsachen mit zum Essen nehmen. Das stört unsere Ruhe bei Tisch.

Ich finde, konsequentes Handeln hilft den Kindern. Das verlangt aber, mit der Macht, die ich als Erwachsene gegenüber Kindern habe, behutsam umzugehen. Ich erschrecke mitunter, wenn ich merke, wie sehr uns Kinder dieses Alters ausgeliefert sind. Sie können eben noch nicht verbal kommunizieren und sind auch pflegerisch auf uns angewiesen. Bin ich achtsam und achtungsvoll mit den Kindern, geben sie mir das durch ihr Verhalten zurück.

Ich glaube, das ist der Grund, warum mich diese Altersgruppe so anspricht. Ich bin mit dem Herzen ganz bei den Kindern und tue mein Bestes, ebenso offen zu sein wie sie. Mit meinen Worten, mit Mimik, Gestik, langsamen Bewegungen und in ruhiger Stimmlage teile ich ihnen mit: Ihr seid willkommen. Ich bin für euch da.

Unmittelbar nach meiner Erzieherinnen-Ausbildung hätte ich das nicht gekonnt. Ich arbeitete lange in einem anderen Job, bekam selbst ein Kind. Mit Mitte 40 bin ich jetzt entspannter. Mich macht nichts mehr so leicht kirre, und ich kann Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden. Außerdem sind wir ein kleines Team und füreinander da. Jederzeit kann ich aus der Gruppe gehen und zur pädagogischen Leiterin sagen: „Hier gibt es ein Problem. Ich brauche Unterstützung.“ Manchmal hilft es bereits, kurz etwas abzuladen. Das macht den Kopf wieder frei für die Kinder.  

Ich sehe es so: In der Krippe fängt die institutionelle Bildung und Betreuung der Kinder an. Geht alles gut, endet der Weg mit dem Abitur. Der Start in der Krippe beeinflusst die Bildungsbiografie ein Leben lang.

Ich möchte, dass die Kleinen emotional so sicher sind, dass sie sich zutrauen, in die nächste Altersstufe zu wechseln. Sie sollen selbstbewusst und freudig zu uns kommen können, sich beruhigt von den Eltern verabschieden. Sind sie voller Freude, ist ihr Geist und Körper offen, sie können aufnehmen und lernen.

Yvonne

Ich bin seit sechs Jahren Erzieherin. Zunächst arbeitete ich im Elementarbereich, danach zwei Jahre mit Krippenkindern. Mit Entsetzen denke ich an diese Zeit zurück.

Zunächst führte ich allein eine Gruppe mit acht Kindern. Das jüngste Kind war ein Jahr und zwei Monate alt, das älteste war zweieinhalb Jahre. Bevor ich aufhörte, sollten es zehn Kinder werden. Ich sollte ihre Bezugsperson sein und hatte keine Ahnung, wie ich ihnen gerecht werden könnte.

Ab in den Babystuhl!

Morgens 8 Uhr fing ich an. Meine erste Aufgabe war, das Frühstück vorzubereiten. Um diese Zeit kamen auch die Kinder. Wenn eins weinte und sich nicht von der Mutter trennen konnte, gab es keinen Spielraum, denn schon kam das nächste. Die Kinder mussten selbst mit ihrem Kummer klarkommen. Wir setzten sie an den Tisch. Sie kriegten ihre Brote und sollten aufessen. Das war so.

Wenn du in eine Gruppe wechselst, nimmst du die herrschenden Regeln an. Ich hatte keine Erfahrungen mit den Jüngsten und sagte mir: Okay, mache ich.

Zu den Regeln in dieser Gruppe gehörte auch, dass die Kinder, die ihre Brote unter den Tisch geworfen oder nicht aufgegessen hatten, in den Babystuhl kamen. „Du bleibst so lang sitzen, bist du aufgegessen hast“, hieß es. Anfangs fand ich das nicht gut. Irgendwann dachte ich nicht mehr darüber nach. Der Druck, der Stress, mit allem klarzukommen… 

So geht es durch den Tag. Nach dem Essen musst du alle Kinder waschen. Passt du einen Moment lang nicht auf, sind die Kinder klitschnass, und du musst sie komplett umziehen. Meist bist du allein. Nur mittags, zum Essen und zum Windeln, kommt jemand zu Hilfe.

Gingen wir in den Garten, saßen die Kinder vorher ewig in einer langen Reihe und versuchten mühsam, ihre Schuhe anzuziehen. Schafften sie es nicht allein, mussten sie drin bleiben und zugucken, wie die anderen draußen spielen. Ich dachte, anders sei es nicht machbar…

Bald steckte ich so in dieser Spirale, dass ich nur noch Massenabfertigung betrieb. Ich passte auf, dass alle zu essen haben, dass sich niemand verletzt, jeder eine frische Windel anhat, und versuchte, das Chaos bewältigte. Zu der eigentlichen pädagogischen Arbeit kam ich nicht. Bei so vielen Kindern war das mit zwei Leuten auch schwierig. Deswegen arbeiteten wir sehr strukturiert. Den Kindern Freiräume für selbstbestimmtes Lernen zu lassen – das hätte nicht funktioniert. Es hieß: „Jetzt wird aufgeräumt! Jetzt ziehen sich alle an! Jetzt geht ihr auf den Topf!“ Immer klare Ansagen.

Ratschläge statt Verständnis  

Als das neunte Kind in meine Gruppe kam, sagte ich im Team, dass ich das nicht schaffe. Die Kolleginnen taten erstaunt: „Wie bitte? In meiner Gruppe sind zehn Kinder.“ Oder sie sagten: „Du musst das so und so machen“, und empfahlen mir rigide Methoden.

Ich sprach mit meiner Chefin. Das einzige, was ich von ihr hörte, war: „So ist der Personalschlüssel. Die Kinder haben so und so viel Stunden. So rechnet sich das.“ Und fertig.

Es gab auch eine Kita-Fachberaterin. Sie monierte, dass die Babystühle nicht angemessen seien, und schaute dem Treiben hilflos zu.

Zwar gab es einen Springer für das Team, aber wenn ich auf diese Unterstützung baute und einen Ausflug plante, damit es mal einen Höhepunkt für die Kinder gibt, stand ich am Ende doch allein da. Irgendwas war dazwischen gekommen, und ich musste sehen, dass ich wenigstens die Aufsicht führe.

Mir wurde alles zu viel. Meine Freude an Beruf war weg. Immer mehr kam ich mir wie im IKEA-Spielparadies vor. Dabei wollte ich Bildungsarbeit leisten.

Resignation

Ich begann, an mir selbst zu zweifeln: Warum schaffen es die anderen, ich aber nicht? Mir lagen die Kinder und ihre Familien doch am Herzen. Ich merkte, wie sehr die Eltern die Krippe brauchen, um arbeiten gehen zu können, dachte auch über einzelne Kinder nach und wie ich ihnen gerecht werden könnte. Zwei Tage lang schaffte ich es, mich zusammenzureißen, und raffte mich auf, um einen schönen Tag für die Kinder zu gestalten. Aber irgendwann war auch das vorbei...

Die ganze Zeit über hatte ich Schlafstörungen. Nach der Arbeit hatte ich zu nichts mehr Lust, zog mich aus dem Freundeskreis zurück und ging so früh wie möglich ins Bett. Wenn ich morgens aufstand, kam ich mir vor, als hätte ich die Nacht durchgemacht. Auf dem Weg zur Arbeit wurde mir schlecht. Ich dachte: Was wird mich wohl heute erwarten? Wieder war ein Kind einzugewöhnen. Bat ich eine Kollegin um Hilfe, hörte ich: Nein.

Das war ein richtiger Teufelskreis. Und an wen lässt man es aus? An den Kindern. Da musste nur die kleinste Kleinigkeit passieren: Hans-Peter kippte seinen Becher mit Wasser um. Nicht schlimm, kann man wegwischen. Ich aber schrie los… 

Ich zog mich immer mehr zurück. Gingen die Kinder nach dem Frühstück alle gewaschen zum Freispiel, überließ ich sie immer mehr sich selbst. Zwar überlegte ich, ob ich ihnen dies oder jenes anbieten könnte, schob es aber vor mir her. Zu bestimmten Zeiten, also vorm Essen und vor der Mittagsruhe, gab ich Gas. Insgesamt aber versuchte ich, den Tag halbwegs zu überstehen.

Kamen Kinder nachmittags im Garten zu mir und fragten nach einem Auto oder Roller aus dem Schuppen, dachte ich: Das alles später wieder einräumen? Nein. Irgendwann war ich so in dieser Maschinerie drin, dass ich vor mir selbst erschrak.

Eine Kleinigkeit brachte das Fass zum Überlaufen. Ich wollte eine Überstunde abbummeln und bat, eher gehen zu dürfen. Abgelehnt. Da brach alles in mir zusammen. Ich ging zum Arzt. Er schrieb mich krank: Burnout mit 26 Jahren.

Michaela

Ich arbeite in einem kleinen, selbst organisierten Verein, der seit 40 Jahren eine Kita für 40 Kinder betreibt. Zunächst betreuten wir nur Kinder von drei bis dreizehn Jahren.

2005 wurden die Horte in Berlin an die Schulen verlagert. Das war die Zeit der Personal-Überhänge. Erzieherinnen wurden damals nicht überall dringend gesucht. Deshalb entschieden wir, zwei Krippengruppen zu gründen und auch Kinder unter drei Jahren aufzunehmen. Wir wollten die Horterzieherinnen weiter beschäftigen und dachten: Erzieherinnen mit ihrer Breitbandausbildung können alles.

Dann passierte etwas Unerwartetes: Die Horterzieherinnen wurden der Reihe nach krank, richtig schlimm. Sie hatten massive psychische Probleme, die sich auch körperlich auswirkten, und eine nach der anderen fiel aus. Ein Schock für uns.

Wurzeln und Flügel

Arbeitet man mit Krippenkindern, braucht man engen Kontakt zu den Eltern. Schließlich müssen sie darauf vertrauen, dass wir gut für ihre Kinder sorgen, während sie auf Arbeit sind. Sie müssen sicher sein, dass sie die wichtigsten Bezugspersonen für ihre Kinder bleiben.

Für diese Befindlichkeiten hatten die Horterzieherinnen damals wenig Verständnis. Sie konnten sich nicht in Eltern einfühlen, denen es schwer fiel, ihre Babys in die Obhut fremder Leute zu geben. Im Gegenteil: Sie setzten noch eins drauf, indem sie davon ausgingen, dass sie als Erzieherinnen das bessere Knowhow haben. 

Jeder kennt den Spruch von den Wurzeln und Flügeln, die ein Kind braucht. In der Krippe geht es vor allem um die Wurzeln. Die Kleinen brauchen viel Zuwendung und im Vergleich mit Schulkindern eine ganz andere Bindungsqualität. Das wussten und spürten die Kolleginnen nicht. Sie wollten sich um die Flügel kümmern. Wie sie es mit acht-, neun- und zehnjährigen Hortkindern gewohnt waren, planten sie Aktivitäten in der Stadt, redeten von Erziehung zur Selbstständigkeit und ahnten nicht, wie unpassend das für die Altersgruppe der Jüngsten war. Ganz abgesehen davon, dass man wissen muss, wie man wie Kinder in die Krippe eingewöhnt.

Für uns war es wirklich höchste Zeit, uns gründlich mit dem Thema „Kinder unter drei Jahren“ auseinanderzusetzen.

Die Nestgruppe

Damals entschieden wir, nur noch eine kleine Nestgruppe einzurichten. In diese Gruppe nehmen wir das ganze Jahr über Kinder auf, nicht nur im Sommer, wenn die Großen in die Schule kommen. Wir sorgen dafür, dass wir immer ausreichend Kinder haben, aber nur wenige in dieser Gruppe sind. Sie sollen dort in Ruhe ankommen. Erst wenn sie selbst den Impuls verspüren, bei den Großen im Bewegungsraum zu sein oder mit ihnen zu singen, wechseln sie in die nächste Gruppe. Dadurch entsteht eine natürliche Bewegung in unserem Haus.

Wir wissen, dass die Belastung für die Kolleginnen in der Nestgruppe groß ist: eingewöhnen, Sicherheit geben, das Weinen der Kinder aushalten, viele Gespräche mit den Eltern führen. Deshalb arbeiten bei uns in der Regel drei Erwachsene mit neun Kindern. Dieser Personalschlüssel wird durch die Zuwendungen vom Senat allerdings nicht gegenfinanziert.

Wir  meinen: Eins zu sechs, wie in Berlin und etlichen Bundesländern üblich, das geht nicht in dieser Altersgruppe. Unter diesen Bedingungen kann keine Erzieherinnen eine Bindung aufbauen, die es ermöglicht, wirklich gute Bildungsarbeit zu leisten. Darüber sind wir uns im Team einig. Deshalb organisierten wir das Gesamtteam so, dass das Nest immer komplett besetzt ist. In den anderen Bereichen ruckelt es sich so zusammen, dass es immer noch möglich ist, dort gute Arbeit zu leisten. Dass sich diese Konzentration lohnt, merken wir: Die Mädchen und Jungen kommen ausgeglichen in die Elementargruppe, wenn der Einstieg in der Krippe stimmt. 

Schutz und Geborgenheit

Wenn ich höre, dass vielerorts Gruppen vollgestopft werden, vermute ich, dass alle unglücklich sind. Wie viel Energie, Emotionalität und Echtheit nötig ist, um mit den Kleinen in Kontakt zu kommen, das wird oft unterschätzt.

Keine meiner Kolleginnen arbeitet 39 Stunden, und das würde auch niemand freiwillig tun. Gerade bei den ganz kleinen Kindern ist man nach einigen Stunden vollkommen ausgelutscht. Kommt eine Erzieherin an ihre Grenze, kann sie rausgehen und Pause machen. Eine Kollegin springt ein. Sagt jemand: „Ich muss eine Weile im Elementarbereich arbeiten“, finden wir eine Kollegin, die in die Krippe geht.

Im Plenum reden wir jede Woche über unsere Beziehungen zu den Kindern. Unser Vertrauensverhältnis ist so, dass man eingestehen kann, was einem schwer fällt oder dass man den Zugang zu einem Kind verloren hat. Ich finde, das muss einfach sein. Als Leiterin achte ich genau darauf, wie es meinen Kolleginnen geht und wo sie Unterstützung brauchen. Merke ich, sie sind gestresst oder ein Kind lässt sich nicht beruhigen, bin ich da. Mitunter hilft eine kurze Entlastung, den Blick neu auszurichten und im Austausch miteinander wieder Kraft zu tanken oder herauszufinden, warum ein Kind weint und was es brauchen könnte.

Wir nehmen uns selbst ernst. Dadurch können wir auch die Kinder ernst nehmen.

Ihre Meinung ist gefragt!

Wir freuen uns über Kommentare.

Kommentare (9)

  • Sarah ewert:
    24.04.2017 um 13:54 Uhr

    Ich bin auch erzieherin und überlege von den elementarbereich in die krippe zu wechseln.ich habe mittlerweile selbst einen sohn und bin sensibler was die Lautstärke angeht,geworden.ich stelle es mir in der krippe ruhiger vor,da die gruppengrosse geringer ist.gibt es weitere vorteile?was spricht dafür zu wechseln?welche kompetenzen werden im krippenbereich erwartet?

    Antworten

  • Lisa Jares:
    24.04.2017 um 16:33 Uhr

    Guten Tag Frau Ewert,
    die Lautstärke ist nicht das Kriterium, welches Sie leiten sollte bei der Wahl Ihres Arbeitsortes. Den die Lautstärke hängt eng damit zusammen, wie das Angebot für Kinder gestaltet ist. Hier ist eine lesenswerte Expertise, die über die Voraussetzungen von U3 Fachkräften aufklärt: http://www.weiterbildungsinitiative.de/uploads/media/vonBehr.pdf
    Mit freundlichen Grüßen
    L. Jares

    Antworten

  • Sarah Ewert:
    27.04.2017 um 21:56 Uhr

    Vielen Dank erstmal für Ihren hilfreichen Beitrag:-)
    Wie gesagt,seitdem ich aus der Elternzeit zurück bin,hat sich meine Berufmotivation völlig verändert. Ich suche eher die Ruhe und fühle mich zum Teil auch überfordert.Ich überlege nun soziale Arbeit über ein Fernstudium zu studieren (ich habe gute Noten,Fachabitur und 4 Jahre Berufserfahrung); um dieser Lautstärke und dem pflegerischen Anteil zu entgehen.
    Ich weiß da gerade nicht mehr weiter...ich bin emotional so mit meinem Sohn zugangen,dass ich gefühlt nicht noch die Kraft und lust habe, mich um andere Krippenkinder zu kümmern.Ich versuche da ehrlich zu mir selbst zu sein und fühle mich diesen kleinen Wesen verantwortlich.Denke wohl,dass die Krippe nichts für mich ist.
    Hinzu kommt,dass ich ein kommunikativer Mensch bin und mir wohl das Gespräch fehlen würde.Ich muss mich da wohl beruflich neu orientieren müssen?!

    Antworten

    1. Lisa Jares:
      01.05.2017 um 18:06 Uhr

      Hallo Frau Ebert,
      es ist gut, dass Sie ehrlich zu sich selbst sind.
      Vielleicht ist es für Sie ja auch eine Idee sich in Richtung Schulkinder sprich Offene Ganztagsschule, Hort etc. je nach dem in welchem Bundesland Sie leben, zu orientieren.
      Ein Studium der Sozialen Arbeit eröffnet Ihnen natürlich nochmal ganz andere vielfältige Möglichkeiten auch in Bezug auf andere Zielgruppen als (Kleinst-)Kinder.
      Viel Erfolg und mit besten Grüßen
      L. Jares

      Antworten

  • Sabine Schmaeske:
    05.05.2017 um 15:09 Uhr

    Hallo. Ich bin 55, gelernte Krippenerzieherin (DDR-Abschluss), habe aber nur wenige Jahre im Beruf gearbeitet, obwohl es mein Traumberuf war. Aus gesundheitlichen Gründen (die heute gottseidank nicht mehr relevant sind) bin ich vor der Wende in die kaufmännische Schiene gewechselt und im öffentlichen Dienst als Sachbearbeiterin gelandet. Nun, durch viele verschiedene private und berufliche Faktoren habe ich nun die Chance genutzt und werde mich wieder als Erzieherin für Krippe bewerben bzw. habe ich schon (nächste Woche 6 Vorstellungsgespräche). Ich habe die Teilanerkennung für Krippe vom Ministerium in Kiel bereits erhalten. Ich liebe Kinder und freue mich schon drauf. Aber , was muss ich bei der pädagogischen Arbeit mit den Kleinen besonders beachten? Denn die heutige Arbeit mit den Kleinen ist natürlich auf keinen Fall mit der damals zu vergleichen. Natürlich hatten wir auch Beschäftigungszeiten mit Fingerspielen, Musik, Bauklötzchen sortieren und, und, und... Die Expertise, welche Sie Frau Ewert empfehlen, habe ich mir natürlcih auch schon heruntergeladen. Sie ist schonmal sehr hilfreich. Aber vielleicht haben Sie noch einen Tip. Liebe Grüße Sabine Schmaeske

    Antworten

    1. Fischer P.:
      15.05.2018 um 14:00 Uhr

      Hallo liebe Sabine, ich bin 53 und mein Lebenslauf ähnelt deinem/ Ihrem sehr - ich würde mich gern privat über deine/ Ihre Erfahrungen austauschen.... Ich würde mich sehr freuen, wenn wir das hinbekommen könnten!

      Neugierige Grüße
      Petra Fischer

      Antworten

  • Lisa Jares:
    07.05.2017 um 15:32 Uhr

    Guten Tag Frau Schmaeske,
    schön, dass Sie nach so vielen Jahren zurück in den Beruf der Krippenerzieherin gefunden haben. Zentral in der Arbeit mit den U3 Kindern ist die Beziehungsarbeit (dazu auch hier nochmal ein Beitrag: http://www.kindergartenpaedagogik.de/2301.html) verbunden mit dem Thema Eingewöhnung. Daneben ist nicht nur die Beziehungsgestaltung zum Kind bedeutsam, sondern insbesondere auch zu den Eltern, dass heißt mit dem Thema Elternarbeit (Stichwort: Erziehungspartnerschaft) sollten Sie sich auch nochmal intensiv auseinandersetzen. Hierzu ein Text von Herrn Textor: http://www.kindergartenpaedagogik.de/2084.html
    Viel Erfolg und mit besten Grüßen
    L. Jares

    Antworten

    1. Sabine Schmaeske:
      10.05.2017 um 18:09 Uhr

      Hallo Frau Jares. Herzlichen Dank für die tollen Tips. Da ich heute eine Zusage nach dem Vorstellungsgespräch bekam, werden sie mir sehr hilfreich sein. Danke und viele Grüße Sabine Schmaeske

      Antworten

      1. Lisa Jares:
        10.05.2017 um 20:25 Uhr

        Das freut mich, viel Erfolg für Ihr Vorstellungsgespräch!

        Antworten


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