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Kinderhilfswerk World Vision: Kongo-Report zeigt Kinder in Angst

27.02.2014 Kommentare (0)

Kinder im Krisengebiet Ostkongo sind in großem Maßstab Opfer von Gewalt. Tod, Vergewaltigungen und Zwangsrekrutierungen als Kindersoldaten gehören für sie zum Alltag. Das zeigt ein Report der Kinderhilfsorganisation World Vision.

Für den Report „No One To Turn To“ hat World Vision rund 100 Kinder und Jugendliche in den Provinzen Nord- und Süd-Kivu befragt. Das Ergebnis macht sprachlos: 36 Prozent von ihnen haben als Opfer oder als Zeugen extreme Gewalt erlebt, 38 Prozent gaben an, ständig oder täglich Angst zu haben.

„Es war zu erwarten, dass sich dieser Konflikt auf die Kinder auswirken würde. Aber das Ausmaß hat uns erschreckt”, sagt Frances Charles, Kinderrechte-Fachmann bei World Vision im Osten der Demokratischen Republik Kongo. „Die Gräueltaten, die von ihnen beschrieben werden – zu sehen, wie die Eltern getötet werden, von Zuhause flüchten zu müssen, überfallen zu werden – passieren so häufig, dass viele Kinder solche Ereignisse inzwischen als Alltag betrachten.“

In dem Report berichten Kinder von brutalen Tötungen, Vergewaltigungen und Zwangsrekrutierungen. Ihre Aussagen spiegeln die offiziellen Zahlen wieder: Nach UN-Angaben wurden im Kongo 2013 151 Kinder getötet oder verstümmelt. Rebellen oder Regierungssoldaten vergewaltigten 260 Mädchen. Eine zunehmende Zahl von Jungs und Mädchen wird auch gezwungen, sich als Kindersoldaten bewaffneten Rebellentruppen anzuschließen: 2012 waren es nach offiziellen Angaben 600, 2013 1.000. Die Dunkelziffern liegen bei allen Delikten aber weit höher. World Vision Deutschland veröffentlicht den Report anlässlich des internationalen „Red Hand Days“ gegen den Einsatz von Kindern als Soldaten (12.2.14).

Nahezu jedes der befragten Kinder (96 Prozent) musste sein Zuhause unter Zwang verlassen. Der Großteil ist sogar mehrfach geflüchtet. Sie teilen das Schicksal eines ganzen Landes: In der Demokratischen Republik Kongo sind derzeit 1,5 Millionen Menschen auf der Flucht.

Mehr als die Hälfte der Kinder sind mit ihrem Leid völlig allein. Sie haben keine Eltern oder erwachsenen Verwandten, an die sie sich wenden können. Deshalb, so Charles, sei Unterstützung und Schutz für sie jetzt überlebensnotwendig. Durch die andauernde Gewalt laufen sie sonst Gefahr, bleibende körperliche und psychische Schäden davon zu tragen, heißt es in dem Report.

„Der umfassende Schutz von Familien und Kindern muss jetzt absoluten Vorrang haben“, fordert Ekkehard Forberg, Friedens- und Konfliktexperte bei World Vision Deutschland. Der anstehende politische Prozess biete dafür eine große Chance. „2014 ist womöglich das beste Zeitfenster seit langem, um im Kongo Frieden herzustellen. Die Situation ist ernst, aber nicht hoffnungslos.“

Für 2014 haben die Regierungen der Demokratischen Republik Kongo und zehn weiterer Staaten der Region angekündigt, die 2013 ausgehandelte Rahmenfriedensvereinbarung PSCF (Peace, Security and Cooperation Framework) mit konkreten Zielen und Maßnahmen zu füllen. Auch die deutsche Regierung müsse dabei ihren Einfluss geltend machen, fordert Forberg.

Der Report „No One To Turn To“ (englischsprachig) steht auf http://www.worldvision.de/kongo-report zum Download bereit

Quelle: Pressemitteilung von World Vision vom 11.2.2014

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