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Kinderpartizipation: Drei Kitas mit ausgezeichneten Konzepten

25.11.2014 Kommentare (0)

Sie erarbeiteten Kita-Verfassungen, schufen Entscheidungsgremien, führten Beschwerdeverfahren ein oder achten auf ein responsives Sprachverhalten: So gelingt es den Fachkräften in den drei 2014 mit dem Kita-Innovationspreis KitaStar ausgezeichneten Einrichtungen, die Kinder im Alltag vorbildlich an Entscheidungsprozessen zu beteiligen. Der Preis wird jährlich von der element-i-Bildungsstiftung vergeben.

„Meine Meinung zählt und wird gehört. So kann ich mein Umfeld mit gestalten.“ – Für Kinder ist es wichtig, diese Erfahrung zu machen. Sie bildet eine wichtige Grundlage für Lernprozesse, fördert die Resilienz der Jungen und Mädchen und bereitet sie auf ein selbstbestimmtes Leben in einer demokratischen Gesellschaft vor. Doch wie lässt sich Kinderpartizipation in Krippen und Kindertagestätten altersgerecht umsetzen? Die drei im Rahmen des Zukunftskongresses für Bildung und Betreuung Invest in Future mit dem KitaStar ausgezeichneten Einrichtungen aus Neumünster, Husum und Nagold fanden hervorragende Antworten auf diese Frage.

KitaStar in Gold: AWO-Kindertagesstätte „Zwergenland", Neumünster

Die Kita „Zwergenland“ aus Neumünster erhielt den mit 5.000 Euro dotierten KitaStar in Gold. Die Einrichtung bietet Platz für knapp 100 Kinder zwischen null und sechs Jahren und liegt in einem ausgewiesenen Gebiet „soziale Stadt“. „Bei uns begegnen sich jeden Tag Menschen aus einer Vielzahl unterschiedlicher Kulturen mit verschiedenen Lebensweisen, Haltungen und Traditionen. Das erfordert von allen Beteiligten ein hohes Maß an Akzeptanz und Toleranz“, sagt Kita-Leiterin Elisabeth Dannenmann. Vor diesem Hintergrund ist dem Kitateam ein inklusiver Ansatz besonders wichtig.

Bereits 2005 erarbeitete die Einrichtung als erste Kita Deutschlands eine Kita-Verfassung und schuf Entscheidungsgremien – nämlich Gruppenkonferenzen und den Hohen Rat, das Kinderparlament. Wenn es zum Beispiel darum geht, Regeln für den Kitaalltag festzulegen, oder über die Anschaffung von Spielmaterial und die Raumgestaltung zu beraten, treffen die Gremien Mehrheitsentscheidungen. Auch wenn für eine Stellenausschreibung Wünsche an eine neu einzustellende pädagogische Fachkraft zu formulieren sind, arbeiten die Kinder diese aus.

So stellten die Kinder zum Beispiel Regeln dafür auf, wer einen erwachsenenfreien Außenbereich nutzen darf. In der Begründung für die Preisvergabe heißt es dazu: „Die Fachkräfte gaben einem langwierigen Aushandlungsweg mit Unterbrechungen und teilweise sehr eigenwilligen Ideen den nötigen Raum und ließen ihn die Gremien durchlaufen. Entstanden ist schließlich ein vielschichtiges und sehr durchdachtes Regelwerk.“ Die Kita-Leiterin berichtet, dass es für die Erzieherinnen und Erzieher oftmals eine Herausforderung bedeute, den langen Atem zu haben, auf Entscheidungen zu warten und dann auch solche zu akzeptieren, die den eigenen Vorstellungen zuwider liefen.

Eine Beteiligungskultur erfolgreich zu leben, könne nur gelingen, wenn sich die Fachkräfte eine entsprechende Haltung zu eigen gemacht hätten. „Die Erzieherinnen und Erzieher müssen um ihre Macht wissen und bereit sein, sie zu teilen. Vertrauen in die Kompetenzen der Kinder ist dafür unerlässlich“, erklärt Elisabeth Dannenmann.

KitaStar in Silber: AWO-Kindertagesstätte "Kurt-Pohle", Husum

Partizipation: Das Thema zieht sich wie ein Leitmotiv durch die AWO-Kindertagestätte „Kurt-Pohle“ im nordfriesischen Husum, einer Einrichtung für über 100 Kinder zwischen null und sechs Jahren. Die Grundrechte der Kinder sowie Protokolle von Gruppenkonferenzen und Kita-Rats-Sitzungen hängen in den Funktionsräumen sichtbar aus. Sie sind mit Bildern versehen, damit alle sie verstehen können.

In der Jurybegründung für den KitaStar 2014 heißt es: „Die Kinder kennen ihre Rechte und machen im Bedarfsfall darauf aufmerksam. Sie wissen, wie Entscheidungen zustande kommen, wie sie sich daran beteiligen und wie sie eigene Themen in den Entscheidungsprozess einbringen können.“

Ein besonders umfangreiches Beteiligungsprojekt war jüngst die Umstrukturierung der Kita-Räume. Die Kinder fertigten aus Kartons Modelle der Zimmer an, um ihre Nutzungsvorschläge sichtbar zu machen und darüber abzustimmen: „Innerhalb eines halben Jahres haben wir die Raumnutzung völlig verändert. Sie passt jetzt viel besser zum Haus als vorher“, berichtet Kita-Leiterin Anke Petersen begeistert.

Zusammen mit der Auszeichnung KitaStar in Silber erhielt die Einrichtung einen Gutschein des Kindergartenausstatters Dusyma im Wert von 1.000 Euro.

KitaStar in Bronze: Kindertagesstätte „Riedbrunnen", Nagold

Die Kindertagesstätte „Riedbrunnen“ im baden-württembergischen Nagold ist eine 2013 eröffnete Ganztagskrippe für 20 Kinder zwischen einem und drei Jahren. Die Einrichtung zeige, dass Partizipation auch in reinen Krippen überzeugend gelebt werden könne, schreibt die Jury zur Vergabe des KitaStar in Bronze, der mit pädagogischen Fachbüchern des Cornelsen Verlags im Wert von 500 Euro verbunden ist. „In dem einen Jahr des Kita-Bestehens ist es gelungen, das Thema hervorragend einzuführen und so zu entwickeln, dass das Team zu einer bespielhaften Partizipationspraxis gefunden hat“, heißt es in der Jury-Begründung weiter.

Das Kitateam hat Räumlichkeiten und den Tagesablauf so gestaltet, dass auch sehr junge Kinder entscheiden können, was sie trinken und essen oder wann sie schlafen wollen. Eine durchdachte Einrichtung macht es den Mädchen und Jungen möglich, vieles alleine zu tun: auf den Wickeltisch und wieder herunter klettern, sich an ihren Essplatz setzen, ihre Jacke vom Haken nehmen oder Anziehsachen zum Wechseln holen.

Kita-Leiterin Birgit Gesk betont zudem die Bedeutung eines partizipativen Kommunikationsstils: „Wir haben Befehle wie ‚Komm her’ oder ‚Setzt dich hin’ aus unserem Vokabular gestrichen und sehen von Verallgemeinerungen ab. Außerdem achten wir darauf, Verneinungen zu vermeiden, denn ein ‚nicht’ ist für die Kindern unverständlich. Wir haben uns auf ein responsives Sprachverhalten geeinigt: Alles, was Kinder durch Gestik und Mimik ausdrücken, übersetzen wir in Sprache und beantworten es.“

Jährlicher Innovationspreis KitaStar

Der KitaStar wird jährlich von der element-i-Bildungsstiftung zu einem pädagogischen Thema ausgelobt und im Oktober während des Zukunftskongresses für Bildung und Betreuung Invest in Future verliehen. Die Auslobungsunterlagen zum KitaStar 2015 gibt es ab Mitte Januar unter: www.element-i-bildungsstiftung.de. Außerdem stehen die Informationen auch auf der Website des Zukunftskongresses für Bildung und Betreuung Invest in Future zur Verfügung: www.invest-in-future.de.

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