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Kita-Ausbau: Qualität nur mit Einbeziehung der Eltern denkbar

05.11.2014 Kommentare (0)

Wenn Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig in dieser Woche mit den Ländern zusammenkommt, um über die Qualität früher Bildung zu verhandeln, sollte ein Thema eine zentrale Rolle spielen: die bessere Zusammenarbeit mit den Eltern. Darauf deuten jedenfalls viele Stimmen aus der Kita-Landschaft hin, die in diesen Tagen laut wurden. Viele von ihnen hatten im Oktober einen Leitfaden zu diesem Thema erhalten, den die Karl Kübel Stiftung für Kind und Familie und die Vodafone Stiftung veröffentlicht haben, um Kindertagesstätten und Kindertagespflegestellen zu unterstützen. Dabei wurde offensichtlich ein Nerv getroffen. „Wir wussten zwar, dass es für immer mehr Kitas immer schwieriger wird, die zunehmend heterogene Elternschaft anzusprechen und einzubinden, aber dass das Interesse an den Vorschlägen hierfür so groß ist, hat uns dann doch überrascht“, so Daniela Kobelt Neuhaus von der Karl Kübel Stiftung. „Wir freuen uns, dass der Leitfaden in den Kitas so gut angenommen wird“, so Dr. Mark Speich von der Vodafone Stiftung, „denn er soll Erzieher, Tagesmütter und Eltern dabei unterstützen, gemeinsam die Kinder bestmöglich zu fördern.“

Der Leitfaden wurde von Wissenschaftlern und Praktikern aus dem frühpädagogischen Bereich entwickelt und großflächig an Kitas sowie Kindertagespflegestellen in ganz Deutschland verschickt. Es handelt sich dabei jedoch nicht um eine Auflistung zusätzlicher Aufgaben, die aufwendig oder gar teuer sind. Vielmehr geht es um eine Übersicht von Qualitätsgrundsätzen und erprobten Handlungsempfehlungen, die in jeder Kindertageseinrichtung und Kindertagespflegestelle umgesetzt werden können.

Diese wurden außerdem auf einem Plakat zusammengefasst, das als kleine Anregung für die Eltern in jeder Kita aufgehängt werden kann. Genau dies kommt sehr gut an, so André Borgmann, Kita-Leiter aus Berlin: „Eine Zusammenarbeit mit Familien hat vielfältige Facetten und die ‚Grundprinzipien‘ für eine gelingende und erfolgreiche Zusammenarbeit sind pädagogischen Fachkräften theoretisch klar, aber in der täglichen Praxis wird dieses Wissen dann mitunter doch nicht beherzigt. Deshalb kann es sehr hilfreich sein, sie auf einem großen Poster im Eingangsbereich der Kita aufzuhängen – als Kompass für unser tägliches Miteinander.“

Der Leitfaden und das Poster enthalten konkrete Vorschläge für die Zusammenarbeit mit den Eltern an allen Stationen der Kita-Zeit – vom Erstkontakt über die Eingewöhnungsphase und die tägliche Zusammenarbeit bis hin zur Einbeziehung des Lebensumfeldes der Kita und Kindertagespflegestelle.

Schon beim Erstkontakt mit Familien gilt es, die Eltern als Experten für ihr Kind wahrzunehmen. Sie berichten über den Entwicklungsverlauf des Kindes, über familiäre Besonderheiten, die beispielsweise Ess- oder Schlafgewohnheiten betreffen, aber auch über Spiele, die das Kind besonders gern spielt. Zugleich sollten von Anfang an die Rollenerwartungen zwischen Betreuungspersonen und Eltern geklärt werden. Dabei sollte eine klare, offene Kommunikation vereinbart werden, um zwischen den familiären Vorstellungen und den pädagogischen Zielsetzungen der Kita zu vermitteln.

In der Eingewöhnungsphase kann die anfängliche Kommunikation mit den Eltern sowie ihr Einfinden in die Abläufe der Einrichtung erleichtert werden, wenn ein schriftliches Eingewöhnungskonzept mit Bildern und knappen Texten in allen einrichtungsrelevanten Sprachen vorliegt. Kinder aber auch Eltern gewöhnen sich zudem schneller an die neue Betreuungssituation, wenn es ein tägliches Einstiegsritual gibt. Einem Kind kann es darüber hinaus helfen, wenn seine Familie einen festen Platz in der Einrichtung hat, zum Beispiel durch ein Familienfoto am Schlafplatz des Kindes oder eine sogenannte Familienschatzkiste, also eine kleine Box, in der sich beispielsweise ein kleines Geschenk der großen Schwester befindet oder ein Tuch der Mutter, auf das das Kind zurückgreifen kann, wenn es Heimweh hat.

In der alltäglichen Zusammenarbeit ist es entscheidend, dass sich Eltern und Erzieher oder Kindertagespflegepersonen regelmäßig und informell über die Erlebnisse und Entwicklungsschritte des Kindes austauschen. Dabei sollten die Formen des Austauschs an die individuellen Kommunikationsbedürfnisse der Eltern angepasst werden: Ein Teil der Eltern bevorzugt persönliche Gespräche, andere finden die Nutzung digitaler Medien einfacher oder hinterlegen lieber eine Mitteilung in einem Eltern-Postfach in der Einrichtung. Sprachbarrieren sollten keine Kommunikation verhindern: Oftmals sind mehrsprachige Eltern gerne bereit, bei Übersetzungen zu helfen. Kitas können Eltern zudem ermutigen, sich untereinander zu vernetzen und gegenseitig zu unterstützen.

Schließlich sollte auch die Gesamt-Elternschaft in das Kita-Leben eingebunden werden, beispielsweise über einen Elternbeirat oder indem Eltern ihre vielfältigen Kompetenzen einbringen.

Die Einbindung anderer Einrichtungen aus dem Stadtteil oder der Gemeinde können den Kita-Alltag und die Bildungserlebnisse der Kinder deutlich bereichern. Hierzu gehören beispielsweise Kooperationen mit Mehrgenerationenhäusern, Volkshochschulen und Bibliotheken ebenso wie gemeinsame Besuche bei der Feuerwache, im Museum oder einer Bäckerei. Eine Zusammenarbeit mit den örtlichen Grundschulen erleichtert den Kindern später den Übergang in die Schule. Die enge Vernetzung der Akteure im Sozialraum kann Eltern auch bei der Suche nach Kinderärzten, Sportvereinen, Musikschulen oder Unterstützungsangeboten helfen.

Bundesfamilienministerin Schwesig selbst betont im Vorwort zu diesem Leitfaden: „Qualität in der Kinderbetreuung ist nur mit Einbeziehung der Eltern denkbar.“

Der Leitfaden und das dazugehörige Poster stehen kostenfrei im Internet zum Download bereit: www.eltern-bildung.net und www.kkstiftung.de

Quelle: Pressemitteilung der Vodafone Stiftung Deutschland gGmbH vom 3.11.2014

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