mehrere Kinder

Kita-Plätze: Quote statt Qualität

06.06.2013 Kommentare (0)

"Die Umsetzung des Rechtsanspruches dreht sich vielerorts in erster Linie um die Erreichung von Quoten. Die Qualität der Kinderbetreuung ist dabei ins Hintertreffen geraten", kritisiert der AWO Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler in Berlin.

"Die AWO als Trägerin von über 2.300 Kitas wehrt sich gegen Angriffe auf die Betreuungsqualität, die vor allem zu Lasten der Kleinsten gehen. Qualitätsstandards dürfen nicht aufgegeben und am Fachkräfteprinzip muss festgehalten werden", appellierte Stadler an alle Verantwortlichen.

Die Frage, ob ein schlechter Kita-Platz besser sei, als keiner, beantwortete der Leiter des Sozialpädagogisches Instituts NRW (SPI) Prof. Dr. Rainer Strätz: "Gute Tageseinrichtungen für Kinder unterstützen nicht nur Familien, sondern können auch die Entwicklung von Kindern gerade in den ersten Lebensjahren umfassend und nachhaltig fördern – allerdings nur dann, wenn sie personell und räumlich entsprechend ausgestattet sind. Sind keine guten Betreuungsverhältnisse gegeben, können die Einrichtungen ihren Möglichkeiten und Ansprüchen und den berechtigten Erwartungen der Eltern nicht gerecht werden."

Eine qualitativ gute Kita-Betreuung beinhaltet vor allem die Möglichkeiten der Förderung der Sprachentwicklung, die besonders bei Kindern mit Migrationshintergrund und aus bildungsfernen Haushalten eine wichtige Rolle spielt, das Entstehen sozialer Bindungen und die Förderung motorischer Fähigkeiten. Wird etwa pauschal die Gruppengröße bei gleichbleibender Erzieherzahl erhöht, kann keine gute Betreuung mehr erbracht werden. "Darunter leiden nicht nur die Kinder, sondern auch die Fachkräfte. Die enorme zusätzliche Arbeitsbelastung führt zu erhöhten Krankschreibungen und ganz sicher nicht zu einem attraktiveren Berufsbild", kritisierte Stadler.

Seit der Einführung des Rechtsanspruches im Jahr 2008 hätten die Verantwortlichen drei grundlegende Faktoren aus den Augen verloren: Die Qualität der Betreuung, das Vorhandensein genügender Fachkräfte und eine ausreichende Finanzierung.

"Kommunen müssen dauerhaft entlastet werden, indem der Bund einen Großteil der Betriebskosten übernimmt. Nur so kann sichergestellt werden, dass alle Kinder, unabhängig von ihrem Wohnort, die Chance auf eine qualitativ gute Kita-Betreuung haben", forderte Stadler und betonte: "Der Rechtsanspruch darf nicht um jeden Preis durchgesetzt werden, das heißt, wenn die Betreuungsqualität derart leidet, dass Kinder in ihrer Entwicklung Schaden nehmen könnten, müssen Konsequenzen gezogen werden."

Deshalb fordere die AWO bBundeseinheitliche (Mindest-)Standards aufgrund pädagogischer Vorgaben und mehr Geld ins System. Kitas seien unter- und fehlfinanziert, die Kommunen müssten entlastet, Bund und Sozialversicherungssysteme dagegen belastet werden. Entscheidend sei auch eine genau Bedarfsanalyse und Bedarfsplanung. Und schließlich dürfe Kindertagespflege nicht zum billigen Ersatz werden, sondern müsse ein gleichwertiges Angebot sein.

Quelle: bildungsklick.de

Ihre Meinung ist gefragt!

Kommentar schreiben




Die angegebene E-Mail-Adresse wird nicht dargestellt, sondern nur für eventuelle Benachrichtigungen verwendet.


Bitte schreiben Sie freundlich und sachlich. Ihr Kommentar wird erst nach redaktioneller Prüfung freigeschaltet.





Ihre Angaben werden nicht an Dritte weitergegeben. Weitere Hinweise zum Datenschutz finden Sie im Impressum.