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zwei U3 Kinder

Komm, wir bauen ein Haus! Mit Instrumenten, Bewegung und der Stimme die Welt des Handwerks entdecken

Birga Wendland

31.08.2015 Kommentare (1)

Mit großer Faszination und Ausdauer können Kinder am Rand einer Baustelle stehen und dem Treiben zusehen. Sie beobachten, wie eine große Baggerschaufel eine Grube aushebt, sind fasziniert von einem Krahn, der Lasten mit Leichtigkeit in die Höhe hebt, und staunen über die Dachdecker, die sich in schwindelerregender Höhe bewegen. Baustellen üben auf Kinder einen besonderen Reiz aus.

Kinder bauen von klein an und betätigen sich als Konstrukteure. Aus Holzklötzen bauen die kleinen Handwerker die Welt nach, wie sie sie erfassen. Dabei setzt ihrer unerschöpflichen Fantasie bisweilen nur die Schwerkraft eine Grenze. Auf der bewegten Baustelle nehmen sie Maschinen und Tätigkeiten wahr, hinterfragen, wie die Dinge funktionieren und suchen Antworten in Büchern. Sie erwerben Wissen und verstehen Zusammenhänge. Sie erweitern damit ihr Bild von der Welt. Das Thema „Baustelle" bietet viele Anknüpfungspunkte, um mit Kindern spielerisch die Berufswelt des Handwerks mittels Instrumenten, Bewegung und Stimme ganzheitlich zu erforschen.

Klingende Berufe – ein Interaktionsspiel

In einem Gespräch über die Beobachtungen, die die Kinder bei dem Besuch einer Baustelle gesammelt haben, stimmt die Erzieherin die Kinder auf das Thema ein. Die Gruppe spricht über handwerkliche Tätigkeiten auf einer Baustelle, z. B. das Streichen der Wände, und den dazugehörigen Handwerksberuf des Malers. Das Gespräch wird durch die dem Heft beiliegenden Bildkarten unterstützt, auf denen Kinder in Ausübung eines Handwerks zu sehen sind. Die Erzieherin greift die angesprochenen Berufe und Tätigkeiten auf. Nun fordert die Erzieherin die Kinder auf, die Tätigkeiten pantomimisch darzustellen: Der Maler taucht den Pinsel in den Farbtopf und streicht die Wände. Entsprechend wird mit den anderen Berufen verfahren. Anschließend überlegen alle gemeinsam, wie jede Tätigkeit instrumental dargestellt werden kann, und wählen dazu ein Instrument aus der Instrumentenkiste, die die Erzieherin in die Kreismitte stellt. Jeweils ein Kind untermalt dann instrumental die pantomimische Aktion der anderen Kinder, bis ein neuer Beruf dargestellt wird.

Das Häuschen wird bald fertig sein

Nach dem Darstellen und Besprechen der Berufe und Tätigkeiten singt die Erzieherin das Lied „Wer will fleißige Handwerker sehn" – zunächst ohne die Bewegungen, dann mit. Zur Unterstützung verwendet sie wieder die Bildkarten oder improvisiert berufstypische Kleidung und bastelt einfache „Werkzeuge". Zum Lied können die Kinder die Berufe nicht nur pantomimisch, sondern auch mit Verkleidung und Gegenständen darstellen. Die Erzieherin erklärt bei Bedarf, dass sich in den Strophen Handwerksberufe versteckt haben, die nicht direkt auf einer Baustelle zu finden sind (Schneider und Schuster). Gemeinsam erarbeiten die Kinder, dass auch diese Berufe in Verbindung mit der Baustelle gebracht werden können, z. B. zur Herstellung der Arbeitskleidung. Der Kuchen hingegen dient zur Stärkung der Handwerker, damit das Haus bald fertig wird. Für eine einfache Liedbegleitung  verteilt die Erzieherin Klangstäbe mit den Tönen c, d und g an einzelne Kinder und zeigt beim Singen des Lieds jeweils auf das Kind, das seinen Ton spielen soll.

Wer klingelt da an meinem Haus? – ein Bewegungsspiel

Am folgenden Tag stellt die Erzieherin fest, dass die Handwerker ihre Häuser fertig gebaut haben. Sie gibt jeweils zwei Kindern einen Gymnastikreifen, der das fertig gebaute Haus symbolisiert. Ältere Kinder können sich überlegen, wie ihr Traumhaus aussieht, und dies der Gruppe dann berichten. Die Erzieherin erzählt, dass der Instrumentenschrank – oder beliebige Instrumente in der Mitte des Raums – heute ein „Fachgeschäft für Türklingeln" darstellt und sich jedes Paar für sein Haus eine passende „Klingel" aussuchen darf. Ein Kind setzt sich daraufhin in den Gymnastikreifen und hält das Instrument in der Hand. Das Kind ist der „Klingelmotor" mit seiner Klingel. Das andere Kind ist der Hausbesitzer, der die Klingel durch Berührung auf dem Rücken des „Klingelmotors" ausprobiert. Hierbei erklingt die Klingel so lange, wie der „Klingelmotor" den Druck auf dem Rücken spürt. Die Klingel ertönt so laut und stark, wie die jeweilige Berührung empfunden wird.

Nach dieser „Testphase" haben die Kinder die Gelegenheit, die Klingeln der anderen Häuser auszuprobieren, indem sie sich gegenseitig besuchen. Hierfür klingeln die Hausbesitzer bei ihren Nachbarn, während der „Klingelmotor" im eigenen Haus sitzen bleibt. Damit sich die Hausbesitzer mit Handschlag begrüßen können, müssen sich die Kinder jedoch entscheiden, ob sie so lange weiterklingeln, bis der Nachbar vorbeikommt, oder ob sie nach Hause laufen, um dort den willkommenen Gast zu begrüßen. Zur Vereinfachung des Spiels begeben sich nur einzelne Kinder auf einen Stadtspaziergang.
Am Ende kehren die Hausbesitzer in ihr Heim zurück. Dorthin zurückgekehrt, legen sich alle Kinder zur wohlverdienten Ruhe auf den Boden. Denn auch die „Klingelmotoren" müssen sich nun ausruhen.

Auf der Baustelle

Hintergrund
Auf Baustellen arbeiten Menschen in den verschiedensten Berufen. Während Architekten die Pläne für die Bauwerke erstellen, sorgen Bauleiter dafür, dass die Pläne eingehalten und umgesetzt werden. Die dafür erforderlichen Tätigkeiten, die Maurer, Tischler, Maler oder Zimmerer verrichten, werden „Gewerk" genannt. Die entsprechenden Berufe werden unter dem Begriff „Bauberufe" zusammengefasst.

Handwerkerinnen
Wer will fleißige Handwerkerinnen sehn? Auch Frauen verrichten als Malerin, Tischlerin oder Bauleiterin ihr Gewerk auf der Baustelle. Obwohl weibliche Fachkräfte in den Bauberufen weiterhin in der Minderheit sind und für zahlreiche Berufe stereotype Rollenbilder bestehen, sind Frauen in Handwerksberufen insgesamt auf dem Vormarsch. Im Sinne einer geschlechterbewussten Pädagogik und eines sensiblen Umgangs mit Geschlechterbildern sollte auch Mädchen der Zugang zu handwerklichen Themen ermöglicht und ihr Interesse an handwerk­lichen Tätigkeiten gestärkt werden. Pädagogische Fachkräfte haben vor dem Hintergrund des Lieds die Möglichkeit, den Kindern zu erklären, dass viele Handwerksberufe auch von Frauen ausgeübt werden. Im Dialog über die Berufe darf die weibliche Form folglich gleichermaßen verwendet werden.

Liedaktualität?
In dem Kinderlied werden traditionelle Handwerksberufe dargestellt, die ihren Ursprung in der Zeit des Mittelalters haben. Die Berufe werden auch heute noch ausgeübt; in der Regel haben Kinder jedoch wenig persönlichen Bezug dazu. Das Lied schafft einen Zugang zu diesen historisch gewachsenen Handwerksberufen. Dabei liegt der Reiz nicht nur im gemeinsamen Singen und Musizieren, sondern auch in der Vielfalt an Gestaltungsmöglichkeiten durch den bildreichen Text. Es ist wichtig, darüber hinaus mit Kindern über Berufe aus der gegenwärtigen Arbeitswelt zu sprechen, z. B. die Kfz-Mechatronikerin oder den Hörgeräteakustiker, um eine größere Bandbreite handwerklicher Arbeit vorzustellen.

Den Beitrag haben wir mit freundlicher Genehmigung der Redaktion entnommen aus Musik, Spiel und Tanz mit Kindern von 0 bis 6 Ausgabe 3/15.

 

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Kommentare (1)

  • Regina Grabbet:
    29.03.2016 um 14:35 Uhr

    Den Arikel von Frau Wendtland finde ich interessant und praxisbezogen
    Ich bin Spielebuchautorin und Lehrerin der Fsp 1 in der Erzieherausbildung in Hamburg

    Antworten


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