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Lehrerfortbildung über Social Media

03.09.2020 Kommentare (0)

Studie der Universität Tübingen untersucht, wie professionelle Fortbildung für Lehrkräfte auf Twitter gelingen kann

Der Austausch in Interessensgemeinschaften auf Social Media Plattformen wie Twitter kann der professionellen Lehrkräftefortbildung dienen. Das haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Tübingen und der University of Michigan in einer Studie herausgefunden. Dafür werteten sie rund 2.000 Beiträge aus Twitter-Communities über eine Zeitspanne von rund drei Jahren aus, denen 93 Biologielehrerinnen und –lehrer aus den USA angehörten. Dabei teilten die Lehrkräfte Links zu Informationsquellen, besprachen curriculare Veränderungen, tauschten sich über Prüfungen aus und organisierten Chats, in denen sie unter anderem bestimmte fachliche Inhalte diskutierten. Flachere Hierarchiestrukturen als in traditionellen Fortbildungen können es begünstigen, dass neue Community-Mitglieder sich schnell sicher fühlen, um sich mit allen anderen Mitgliedern auszutauschen. Die Ergebnisse wurden in der Zeitschrift AERA Open veröffentlicht. 

Der Austausch über Soziale Medien könnte dazu führen, dass Lehrkräfte, die in ihrem Kollegium beispielsweise eine Sonderstellung einnehmen, weil sie die Einzigen in ihrem Fach sind, sich weniger isoliert fühlen. „Übertragen auf die Situation in der Corona-Krise können soziale Netzwerke durchaus dafür sorgen, dass einzelne Lehrkräfte sich in ihrem Homeoffice nicht im Stich gelassen fühlen und sich schnell und unkompliziert von Kolleginnen und Kollegen aus der ganzen Republik individuellen Rat einholen können“, sagt Christian Fischer, Professor für Educational Effectiveness am Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung an der Universität Tübingen.

In der Studie wurde untersucht, welche Teilnehmerstrukturen in den Communities vorherrschten, ob die Beiträge, sogenannte Tweets, eine eher positive oder eher negative Stimmung verbreiteten, wieviel Zeit die Lehrkräfte in den Communities verbrachten und in welcher Zeitspanne sie aktiv waren. Es zeigte sich, dass es zwar einige Lehrkräfte gab, die Termine organisierten, mehr Fachwissen mit den anderen teilten oder neue Mitglieder anwarben, diese jedoch nicht mehr Ansehen oder Einfluss in der Gruppe hatten.  

Der Großteil der Beiträge, fast 65 Prozent, war neutral, rund 29 Prozent waren positiv und rund 6 Prozent negativ. Die positiven Tweets bekamen mehr Zustimmung und wurden öfter retweetet, das heißt weiterverbreitet, als die neutralen Tweets. Bezüglich des zeitlichen Verlaufs gab es große Unterschiede: manche Lehrkräfte waren sehr wenig aktiv, andere dagegen nutzten das Medium sehr oft und sehr intensiv.

„Die intensive Nutzung des Mediums wäre ein Minimalstandard, um Twitter als effektive Lehrkräftefortbildung sehen zu können, da Studien gezeigt haben, dass diese erst ab einer gewissen Dauer effektiv sind“, so Christian Fischer. Er sieht jedoch durchaus Potential in Fortbildungsangeboten über soziale Medien und auch deren Vorteile wie schnelle individuelle Beantwortung von Fragen oder die zeitliche Unabhängigkeit. Ob und wie Schülerinnen und Schüler von Lehrkräften profitieren, die sich über soziale Medien austauschen und wie Lehrkräfte in Deutschland Twitter-Communities zur Fortbildung nutzen, sind Pläne für weitere Studien.

Publikation:

Fischer, C., Fishman, B., & Schoenebeck, S. (2019). New contexts for professional learning: Analyzing high school science teachers’ engagement on Twitter. AERA Open, 5(4), 1-20. https://doi.org/10.1177/2332858419894252

Quelle: Eberhard Karls Universität Tübingen

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