Mediendiskussion: Fundierte Debatten statt Populismus gefordert
Die Initiative „Keine Bildung ohne Medien!“ (KBoM) begleitet fachlich
und unterstützt professionell die öffentlichen Debatten um Internet,
neue Medien, Bildung und Partizipation.
Facettenreiche Programme und Kampagnen, Dialogforen und Kommissionen zu
den Themenkomplexen Medien, Internet und Bildung, Zukunft unserer Kinder
prägen seit einiger Zeit die öffentlichen Debatten. Seien es der Dialog
Internet des Bundesministeriums für Familie, Soziales, Jugend und
Frauen (BMFSFJ), das Programm Bündnisse für Bildung des
Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), der Zukunftsdialog
der Bundeskanzlerin, die Enquete-Kommission des Deutschen Bundestags
Internet und digitale Gesellschaft oder verschiedene regionale
Initiativen in den einzelnen Bundesländern – in der Politik sucht man
derzeit nach angemessenen Antworten auf den technologischen Wandel und
seine Auswirkungen auf unsere Gesellschaft. In diesen Gremien sowie in
einer Vielzahl öffentlicher Veranstaltungen werden Expertinnen und
Experten aus Wissenschaft und Praxis gehört, die sich in sehr
differenzierter Weise mit medienpädagogischen Fragen auseinandersetzen.
Parallel dazu werden diese fachlich fundierten Prozesse immer wieder von
populistischen, oft einseitig und emotional geführten Debatten gestört,
wie es das aktuelle Beispiel des Buches von Manfred Spitzer „Digitale
Demenz“ zeigt. Hier wird mit den Ängsten und Sorgen von Eltern und
professionell Erziehenden gespielt anstatt aufzuklären. Außer
Verbotsforderungen finden sich darin keine Handlungsansätze für eine
altersangemessene Medienbildung von Kindern. Um Medienkompetenz von
Kindern, Jugendlichen und ihren Bezugspersonen zu fördern, ist es jedoch
notwendig, über die Sorgen und Nöte von Erziehenden, aber auch über
Potenziale und Chancen des Umgangs mit digitalen Medien ins Gespräch zu
kommen. Vergleiche, die medienpädagogische Fachkräfte bzw. deren Arbeit
sogar in die Nähe von kriminellen Handlungen rücken, entbehren jeder
Grundlage. Sie sind ein nicht zu akzeptierender Angriff auf die
Medienpädagogik, die seit Jahren qualitativ hochwertige Arbeit leistet
und die von öffentlichen Einrichtungen, z. B. Verbänden, Institutionen
der außerschulischen und schulischen Bildung sowie des Jugendschutzes,
anerkannt wird.
Die Initiative „Keine Bildung ohne Medien!“ (KBoM) bemüht sich, die
aktuellen Prozesse und Diskussionen zu begleiten, zu versachlichen und
zu professionalisieren. Sie tritt für eine nachhaltige Förderung von
Medienkompetenz und Medienbildung ein, um Kinder, Jugendliche und
Erwachsene bei einem reflektierten, selbstbestimmten und sozial
verantwortungsvollen Umgang mit Medien zu unterstützen. Zentrale
Anliegen der Initiative sind: Medienbildung in frühkindlicher Bildung
und Schule, in außerschulischen Bildungsangeboten und bei der Inklusion
von Menschen mit Behinderungen, medienpädagogische Elternarbeit
besonders in bildungsbenachteiligten Milieus, Regelfinanzierung
medienpädagogischer Angebote, Ausbau und Förderung medienpädagogischer
Netzwerke, verpflichtende Berücksichtigung der Medienbildung in den
pädagogischen Studiengängen und in der Fort- und Weiterbildung, Ausbau
der medienpädagogischen Forschung.
Damit will die Initiative einen Beitrag leisten, um
Medienkompetenz-Förderung als kooperatives und koordiniertes
Bund-Länder-Modell auf den Weg zu bringen. Die Initiative schlägt u. a.
einen bundesweiten Medienbildungspakt und die Einrichtung von „Runden
Tischen zur Medienbildung“ in den Bundesländern vor. Sie macht sich
zudem stark für die Anerkennung des Berufsbildes „Medienpädagoge/in“.
Die Initiative geht auf das Medienpädagogische Manifest zurück, das 2009
von zentralen medienpädagogischen Einrichtungen in Deutschland
veröffentlicht und von über 1.300 Personen und Organisationen
unterzeichnet wurde. Ausgehend von diesem Manifest erarbeiteten über 400
Fachleute aus Bildung und Wissenschaft konkrete Forderungen und
Handlungsempfehlungen. Zahlreiche Forderungen und Vorschläge von „Keine
Bildung ohne Medien!“ haben in unterschiedlichen politischen
Positionspapieren Resonanz gefunden, insbesondere zur
medienpädagogischen Grundbildung der pädagogischen Fachkräfte. Auf der
Webseite www.keine-bildung-ohne-medien.de stellt KBoM diese
Entwicklungen im Detail dar.
Quelle: Pressemitteilung der Initiative „Keine Bildung ohne Medien“ (KBoM) vom 5.9.2012

