Minirakete: Wenn Pappbecher fliegen lernen
3… 2… 1… Start! Ein Pappbecher schießt in die Luft, und die Kinder jubeln. Was klingt wie eine Szene aus einem Raumfahrtfilm, lässt sich mit zwei Pappbechern, Gummibändern und etwas Tonpapier in jeder Kita nachbauen.
Das Experiment „Minirakete“ macht Energie für Kinder spürbar. Sie spannen die Gummibänder, spüren den Widerstand in den Händen und erleben den Moment, in dem die gespeicherte Kraft die Rakete in die Höhe katapultiert. Ein Experiment, das Physik mit Basteln verbindet und dabei so viel Spaß macht, dass die Kinder es immer wieder wiederholen wollen.
Warum dieses Experiment Kinder auf vielen Ebenen anspricht
Hinter dem Spaß steckt eine ganze Menge Lernpotenzial. Die Minirakete fördert mehrere Entwicklungsbereiche gleichzeitig:
- Naturwissenschaftliches Grundverständnis: Kinder erleben, wie Energie gespeichert und wieder freigesetzt wird. Sie spüren den Zusammenhang zwischen Kraft und Bewegung am eigenen Körper.
- Feinmotorik und handwerkliches Geschick: Löcher stechen, Gummibänder fädeln, eine Spitze formen und Flügel kleben. Der Bau der Rakete fordert und fördert die Fingerfertigkeit.
- Kreativität: Jedes Kind gestaltet seine eigene Rakete mit Farben, Flügeln und Fenstern. Kein Ergebnis gleicht dem anderen.
- Logisches Denken: Die Kinder verstehen, dass stärkeres Spannen zu höherem Fliegen führt. Sie testen, vergleichen und verbessern.
Gerade die Kombination aus Basteln und Experimentieren macht dieses Experiment besonders reizvoll. Die Kinder investieren Zeit in den Bau und werden anschließend mit einem spektakulären Ergebnis belohnt.
Das wird benötigt
Die Materialien sind günstig und in den meisten Kitas vorhanden:
- Zwei Pappbecher
- Zwei Gummibänder
- Zwei Schaschlikspieße
- Zwei Blätter Tonpapier
- Klebeband oder Bastelkleber
- Stifte zum Bemalen
- Eine Schere
- Optional: Heißklebepistole (nur für Erwachsene)
So wird’s gemacht
Die vollständige Anleitung zum Ausdrucken gibt es kostenlos auf modolino.com.
Der Bau der Rakete dauert etwa 25 Minuten, der Start selbst nur wenige Sekunden. Dafür kann er beliebig oft wiederholt werden.

Schritt 1: Eine erwachsene Person sticht vier Löcher am oberen Rand eines Pappbechers, sodass sie sich wie ein Kreuz gegenüberliegen. Die Löcher sollten gleichmäßig verteilt sein, damit die Gummibänder später mittig sitzen.

Schritt 2: Zwei Gummibänder diagonal durch die Löcher fädeln, sodass sie sich in der Mitte des Bechers kreuzen. Die Gummibänder bilden ein X auf dem Becherboden.

Schritt 3: Die Gummibänder außen mit Schaschlikspießen fixieren, damit sie nicht zurückrutschen. Die Spieße werden quer durch die Schlaufen gesteckt und halten so alles an Ort und Stelle.

Schritt 4: Aus Tonpapier eine Spitze formen und oben auf den Becher kleben. Die Kinder können diesen Schritt selbst übernehmen.

Schritt 5: Jetzt wird die Rakete bunt: Flügel aus Tonpapier an die Seiten kleben, ein Raketenfenster aufmalen und nach Herzenslust verzieren. Jede Rakete wird so zum Unikat.

Schritt 6: Die fertige Rakete über den zweiten Pappbecher stülpen, nach unten ziehen und loslassen. 3… 2… 1… Start! Die Rakete schießt in die Höhe.
Was passiert hier?
Wenn die Rakete nach unten gezogen wird, werden die Gummibänder gedehnt. Dabei speichern sie Energie. In der Physik nennt man das elastische Energie oder Spannenergie. Das Prinzip ist das gleiche wie bei einem gespannten Bogen: Die Energie wartet darauf, freigesetzt zu werden.
Sobald man loslässt, verwandelt sich die gespeicherte Energie blitzschnell in Bewegungsenergie. Die Gummibänder ziehen sich zusammen und katapultieren die Rakete nach oben. Je stärker man die Gummibänder spannt, desto mehr Energie wird gespeichert und desto höher fliegt die Rakete.
Für Kinder lässt sich das so zusammenfassen: Wenn du ziehst, sammelst du Kraft in den Gummibändern. Wenn du loslässt, schicken die Gummibänder die Rakete los.
Elastische Energie im Alltag: Flummi, Trampolin und Bogen
Das Prinzip der elastischen Energie begegnet Kindern öfter, als sie denken. Ein Flummi springt hoch, weil er beim Aufprall zusammengedrückt wird und die gespeicherte Energie wieder abgibt. Beim Hüpfen auf dem Trampolin passiert das Gleiche: Die Sprungfläche speichert Energie und gibt sie beim Zurückfedern wieder frei.
Solche Vergleiche helfen Kindern, das Experiment mit Erfahrungen aus ihrem Alltag zu verknüpfen. Sie verstehen, dass das, was sie gerade mit ihrer Rakete erlebt haben, überall um sie herum passiert.
Einfache Umsetzung im Kita-Alltag
Die Minirakete eignet sich besonders gut für Situationen, in denen Basteln und Experimentieren verbunden werden sollen:
- als Bastelangebot in Kleingruppen, bei dem jedes Kind seine eigene Rakete baut
- als Highlight einer Projektwoche zum Thema Weltraum, Fliegen oder Bewegung
- im Außenbereich als gemeinsamer Raketenstart mit der ganzen Gruppe
- als Wettbewerb: Welche Rakete fliegt am höchsten?
Da jedes Kind seine Rakete individuell gestaltet, eignet sich das Experiment auch hervorragend als Mitgebsel oder als Projekt, das die Kinder stolz mit nach Hause nehmen.
Tipps für die Durchführung
- Kräftige, dicke Gummibänder funktionieren am besten. Je straffer das Gummi, desto höher fliegt die Rakete.
- Das Stechen der Löcher wird ausschließlich von Erwachsenen übernommen.
- Statt Heißkleber kann auch Bastelkleber oder Klebeband verwendet werden.
- Die Rakete niemals auf Personen richten. Am besten im Stehen nach oben starten lassen.
- Verschiedene Gummibänder ausprobieren und vergleichen: Welches Gummi lässt die Rakete am höchsten fliegen? So wird aus dem Experiment ein kleines Forschungsprojekt.
Was Kinder bei diesem Experiment wirklich lernen
Die Minirakete verbindet kreatives Gestalten mit physikalischem Erleben. Was dabei an Kompetenzen entsteht, geht weit über den Raketenstart hinaus:
- Feinmotorik auf mehreren Ebenen: Das Fädeln der Gummibänder durch kleine Löcher, das Formen einer Spitze aus Papier und das präzise Kleben der Flügel trainieren die Hand-Auge-Koordination und die Fingerfertigkeit. Gerade das Arbeiten mit Gummibändern erfordert eine dosierte Kraftanwendung, die viele Kinder erst entwickeln müssen.
- Ursache und Wirkung am eigenen Körper: Kinder spüren den Widerstand beim Herunterziehen der Rakete und erleben unmittelbar, wie sich die gespeicherte Kraft beim Loslassen entlädt.
- Planen und Problemlösen: Der Bau der Rakete erfordert mehrere aufeinander aufbauende Schritte. Kinder lernen, eine Anleitung zu befolgen, und erleben, dass die Reihenfolge entscheidend ist.
- Frustrationstoleranz und Ausdauer: Nicht jede Rakete fliegt beim ersten Versuch perfekt. Kinder lernen, Fehler als Teil des Prozesses zu akzeptieren und es erneut zu versuchen.
- Stolz auf das eigene Werk: Die Rakete ist kein abstraktes Ergebnis. Die Kinder halten sie in der Hand, sehen sie fliegen und wissen: Das habe ich selbst gebaut. Diese Erfahrung stärkt das Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten nachhaltig.
Fazit: Basteln, spannen, starten
Die Minirakete zeigt Kindern, dass Physik nichts Abstraktes ist. Mit Pappbechern und Gummibändern wird Energie greifbar und Bewegung erlebbar. Vom ersten Loch im Becher bis zum Countdown erleben Kinder den gesamten Prozess vom Bauen über das Gestalten bis zum Experimentieren.
Und das Beste: Die Rakete kann mit nach Hause genommen werden. So wird aus einem Kita-Experiment ein Gesprächsanlass am Abendbrottisch.
Quelle: Wir übernehmen den Beitrag mit freundlicher Genehmigung von Modolino. Auf modolino.com finden Sie über 50 weitere kostenlose Experiment-Anleitungen für Kinder.

