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mehrere Kinder

Mit Schnupfennase auf unbestimmte Zeit zuhause

23.07.2020 Kommentare (1)

Einmal laut geräuspert? Laufende Nase? Nach monatelanger Corona Zwangspause für viele Kinder haben die Kitas in den letzten Wochen in den meisten Bundesländern wieder für alle Kinder geöffnet und auch Grundschüler:innen haben zumindest teilweise wieder Präsenzunterricht an den Schulen. Allerdings kann jetzt schon ein kurzes Niesen oder leicht erhöhte Temperatur nach dem Mittagsschlaf dazu führen, dass Kinder wieder nach Hause geschickt werden.

„Kinder dürfen generell nicht betreut werden, wenn sie Krankheitssymptome aufweisen. Die Art und Ausprägung der Krankheitssymptome sind dabei unerheblich“, so heißt es in der „Handreichung für die Kindertagesbetreuung im eingeschränkten Regelbetrieb“ in NRW. „Kinder, die beispielsweise auch nur geringfügige Erkältungssymptome haben, dürfen ihre Kita nicht betreten“, lautet eine Elterninformation des Bayrischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales. In Hamburg ist von Kindern bzw. Schüler:innen „mit Symptomen einer akuten Atemwegserkrankung“ die Rede, während im Rahmenhygieneplan für Schulen in Berlin neben dem Fernbleiben der Schule bei „Atemwegserkrankung“ auch empfohlen wird: „Bei akuten Symptomen (Fieber, Husten, Kurzatmigkeit, Abgeschlagenheit/Müdigkeit, Kopf- und Gliederschmerzen, Schnupfen, Halsschmerzen) und/oder Verlust der Riech- und Geschmacksfunktion sollte ein COVID-19-Test durchgeführt werden.“ Derweil will Thüringen ab kommender Woche den Passus „allgemeine Erkältungssymptome“ aus der Verordnung streichen. Nicht nur die Bundesländer definieren die relevanten Symptome für einen möglichen Verdacht auf eine COVID-19 Erkrankung völlig unterschiedlich, auch die einzelnen Träger definieren relevante Symptome verschieden. Besonders umstritten ist, Schnupfen als COVID-19 Symptom zu zählen.

Der Virologe Alexander Kekulé äußert sich dazu diese Woche in seinem Podcast „Kekulés Corona Kompass“ (Folge 78): „Weltweit gilt der klassische Schnupfen mit der laufenden Nase nicht als COVID-19 Symptom, nur in Deutschland gibt‘s so einen kleinen Streit, ob das jetzt ein Symptom ist oder nicht. Nach meiner Auffassung ist der klassische Schnupfen, so wie er einem bei einem Kind begegnet, ohne weitere Symptome kein typisches COVID-19 Symptom.“ Kekulé weiter: „Das wird das Hauptproblem im Herbst sein. Wir können es uns nicht leisten, dass die halbe Bevölkerung zu Hause ist, um auf Kinder aufzupassen, die nur Schnupfen oder Kopfschmerzen haben. Diese Differenzierung wird das Entscheidende sein und natürlich auch die Frage, was bringen Tests in so einem Zusammenhang.“ Nicht nur die Kriterien, wann Kinder zuhause bleiben sollen, sind teils irrwitzig. Auch die Frage nach der Dauer und der Rückkehr ist überall anders und teils nicht geregelt: 48 oder 72 Stunden Symptomfreiheit, eine negative Testung, sogar 14-tägige „Quarantäne“ oder eine ärztliche Bestätigung verlangen Kitas oder Schulen, bevor Kinder wieder in die Einrichtungen dürfen. In der letzten Elterninformation aus Bayern heißt es sogar: „Auch ein ärztliches Attest, das ein Kind als gesund ausweist, muss nicht akzeptiert werden, wenn ein Kind noch Symptome hat und diese nicht in Verbindung mit einer chronischen Erkrankung stehen.“ Die völlig praxisfernen Regelungen in Kombination mit fehlender Absprache der Abläufe zwischen Politik, Trägern, Kinderärzt:innen und Gesundheitsämtern werden dazu führen, dass ein Großteil der Kinder – und mit ihnen zahlreiche Eltern – sowie ebenso Pädagog:innen insbesondere in der klassischen Erkältungszeit im Herbst und Winter perspektivlos zuhause sitzen und dass Kinderarztpraxen überschwemmt werden von Anfragen.

Quelle: Pressemitteilung der bundesweiten Elterninitiative "Kinder brauchen Kinder" vom 9. Juli 2020

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