Modul 3: „Wo ist was – und was gehört zusammen?“ Wie Kinder Raumbeziehungen entdecken – und wie die Mathematik dabei hilft, Ordnung in die Welt zu bringen
Ein Junge (Jonas) krabbelt unter das Dach eines Spielhauses.
Ein Mädchen (Mia) liegt oben auf dem Dach und beugt sich nach vorne.
Der Junge blickt nach oben. Das Mädchen schaut hinunter.
Die Fachkraft liegt auf dem Bauch neben dem Haus und wendet sich den beiden Kindern aufmerksam zu. Ihre Körperhaltung und ihr Gesichtsausdruck zeigen deutliches Gesprächsinteresse an beiden.
„Jonas, du bist unter dem Dach“, sagt sie ruhig und freundlich.
Jonas schaut sie an. „Unter.“
Die Fachkraft nickt. „Und Mia?“
Mia ruft von oben: „Oben!“
„Ganz genau. Mia, du bist oben auf dem Dach. Und Jonas, du bist unter dem Dach.“
Die Fachkraft zeigt mit der Hand nach oben, dann nach unten.
Jonas schaut noch einmal nach oben – und wiederholt leise: „Oben.“ Die Blicke begegnen sich.
Solche Situationen wirken beiläufig. Tatsächlich beginnt hier etwas Grundlegendes: Kinder strukturieren Raum durch Beziehung – und Sprache macht diese Beziehung stabil. Solche Erfahrungen bilden eine notwendige Voraussetzung für mathematisches Verstehen.
Vorbemerkung
Frühe mathematische Bildung beginnt bei Raum, Lage und Ordnung. Modul 3 setzt genau hier an. Raum-Lage-Beziehungen, Klassifikationen und elementare Ordnungsprozesse bilden die strukturelle Grundlage weiterer mathematischer Entwicklungen.
Gerade im U3-Bereich werden diese frühen Strukturen eher selten ausdrücklich als mathematische Prozesse thematisiert. Raumbegriffe wirken selbstverständlich, das Spielen trägt sich scheinbar selbst – und die darin liegenden Ordnungen bleiben häufig unausgesprochen. Erst die vertiefte Auseinandersetzung mit räumlichen Erfahrungen und ihrer sprachlichen Verankerung macht deutlich, welche Tragweite diese Prozesse besitzen.
Raumrelationen verfestigen sich durch wiederholte dialogische sprachliche Benennung. Sprache stabilisiert Wahrnehmung und macht Beziehungen erinnerbar, vergleichbar und übertragbar. Hier entsteht eine Voraussetzung dafür, die Welt in ihren räumlichen und relationalen Strukturen später auch mathematisch verstehen zu können.
Modul 3 wurde in diesem Zusammenhang zu einem Klärungsprozess – für die beteiligten Fachkräfte ebenso wie für die konzeptionelle Ausrichtung der Fortbildungsreihe. Ergänzend werden exemplarisch Bezüge zum Ü3-Bereich benannt. Der Schwerpunkt dieses Beitrags liegt jedoch auf den frühen Erfahrungen im U3-Bereich.
Selbsttätigkeit und Begleitung zusammendenken
Kinder treten in eine Welt ein, die für sie anfangs grenzenlos, unübersichtlich und vielleicht sogar chaotisch erscheint. Sie sind darauf angewiesen, inmitten dieser Fülle eigene Spuren zu legen – Linien zu ziehen, Grenzen zu setzen, Ähnlichkeiten zu erkennen und Strukturen zu bilden. Aus dem Strom von Eindrücken entsteht so etwas Eigenes: das Unbestimmte wird benennbar, das vermeintlich Zufällige vorhersehbar, das Vielgestaltige in Gruppen gefasst. Es ist ein Schritt vom reinen Wahrnehmen zum bewussten Verstehen – und dabei entsteht etwas Neues: Kinder erschaffen sich ihre Welt, indem sie Zusammenhänge herstellen.
Selbsttätigkeit gehört daher zu den zentralen Prinzipien der Arbeit im U3-Bereich. Kinder erkunden, wiederholen, variieren – und entwickeln dabei eigene Ordnungen. Diese Eigenaktivität ist unverzichtbar. Zugleich zeigt sich: Damit aus Erkundungen tragfähige Strukturen werden, braucht es Begleitung, die wahrnimmt, aufnimmt und im Dialog vertieft.

Das Kind bewegt sich entlang einer Grenze: links das Unübersichtliche, rechts erste erkennbare Ordnungen. Die Linie markiert den Übergang zwischen ungeordneten Eindrücken und unterscheidbaren Strukturen. Indem das Kind Unterschiede wahrnimmt und Beziehungen herstellt, gewinnt es Schritt für Schritt Orientierung.
Dieses Bild verweist auf eine grundlegende Struktur menschlicher Entwicklung. Sie setzt sich fort – in immer differenzierteren Formen und endet nicht. Es verdichtet in einer kindlichen Krabbelszene, was sich in vielen kleinen Bewegungen vollzieht: Ein Kind bewegt sich tastend durch Unübersichtliches und gewinnt Orientierung, indem es Unterschiede wahrnimmt und Relationen bildet.
Dabei vereinfacht das Bild. Es überzeichnet. Es kann die Komplexität realer Entwicklungsprozesse nicht vollständig abbilden.
Doch gerade diese Vereinfachung macht sichtbar, was sonst leicht übersehen wird: Ordnung entsteht nicht zufällig. Sie entsteht durch Unterscheiden, Vergleichen und Beziehen.
Dabei darf kein Missverständnis entstehen: Orientierung wächst nicht im Alleingang.
Relationen gewinnen Bedeutung im gemeinsamen Blick, im sprachlichen Benennen und im dialogischen Austausch. Erst wenn Wahrnehmung geteilt, wiederholt und variiert wird, verfestigen sich Strukturen.
Dieses Bild wurde bewusst generiert, um anzudeuten, wie mathematische Ordnungsstrukturen Kindern helfen, sich zunehmend sicherer in ihrer Welt zu bewegen.
In frühen Bildungsdiskussionen wurde mathematisches Denken lange vor allem daran festgemacht, dass Kinder Begriffe erklären oder mit Zahlen und Zeichen umgehen. Körperliches Handeln galt dabei als vorbereitende Phase.
Tatsächlich zeigt sich: Sensomotorische Auseinandersetzungen besitzen eine eigene strukturbildende Qualität. Im wiederholten Greifen, Ordnen, Variieren und Vergleichen entstehen stabile Unterscheidungen, erkennbare Relationen und regelhafte Muster. Kinder prüfen Unterschiede, sichern Wiederholungen und entwickeln Erwartungsstrukturen im Vollzug ihres Handelns. Struktur bildet sich im Handeln.
Auch das Freispiel wurde vielfach als in sich genügende Lernform betrachtet. Kinder erkunden, probieren aus, wiederholen – und das genügt.
Aus Erkundung entstehen jedoch noch keine stabilen Begriffe. Was im Handeln entsteht, bleibt flüchtig, wenn es nicht aufgegriffen, gespiegelt und sprachlich geklärt wird. Erkundung ist der Ausgangspunkt. Struktur entsteht im Dialog.
Im Dialog wird aus Erkundung Struktur
Gerade hier wird Sprache zum Strukturstabilisator. Wenn Lagebeziehungen benannt, wiederholt und variiert werden, verdichten sich Erfahrungen zu übertragbaren Ordnungen. Im dialogischen Austausch werden Relationen dauerhaft verfügbar und anschlussfähig.
So zeigt sich: Frühe mathematische Bildung beginnt nicht mit Zahlen. Sie beginnt mit Unterscheidungen, die im gemeinsamen Handeln sichtbar und sprachlich gefestigt werden.
A. Mathematische Grundformen früher Ordnung
Wo ist was? – Raum-Lage-Beziehungen

Kinder beginnen früh, ihre Umwelt über räumliche Beziehungen zu strukturieren.
Oben und unten, vorne und hinten, innen und außen, nah und fern – diese Wörter bezeichnen Relationen im Raum.
Wenn ein Kind sagt: „Der Ball liegt unter dem Tisch“ oder „Das Auto steht vorne“, ordnet es Dinge und stellt Beziehungen her. Es unterscheidet Positionen und verknüpft sie mit Sprache. Damit entsteht eine erste Form mathematischer Strukturierung: Raum wird gegliedert.
Diese Ordnungen entstehen im Handeln – beim Krabbeln, Bauen, Verschieben, Umstellen und gewinnen dann an Stabilität, wenn sie benannt, wiederholt und variiert werden.
Aus einzelnen Erfahrungen entsteht Schritt für Schritt eine innere Landkarte des Raums.
Raum-Lage-Beziehungen bilden ein elementares Fundament mathematischen Denkens. Sie tragen spätere Zahlbilder, ermöglichen Orientierung im Zahlenraum und eröffnen den Zugang zu Mustern.
Was gehört zusammen? – Klassifizieren
Klassifizieren bedeutet, Dinge nach gemeinsamen Merkmalen in Gruppen einzuteilen. Etwas gehört dazu – oder es gehört nicht dazu.
Kinder vergleichen Farben, Formen, Materialien oder Funktionen: „Das rollt“, „Das ist rund“, „Das ist aus Holz“. Sie bilden Gruppen, schließen aus, korrigieren einander. Dabei entstehen erste logische Strukturen: Zugehörigkeit und Ausschluss.
Beim Klassifizieren stehen Merkmale im Zentrum.
Wird nach der Farbe klassifiziert, gehört ein Gegenstand entweder zur Gruppe „rot“ oder zur Gruppe „blau“. Ein Gegenstand ist aus Holz – oder nicht.
Ein Baustein kann rund sein – oder nicht rund.
Für Erwachsene lässt sich diese Logik leicht nachvollziehen: Ein Kind gehört entweder zur Klasse 3b – oder nicht. Es kann nicht gleichzeitig in zwei verschiedenen Klassen sein. Genau diese Eindeutigkeit kennzeichnet auch eine Klassifikation.
Diese Entscheidungen markieren frühe Formen logischen Denkens.
Kinder lernen, Unterschiede wahrzunehmen, Gemeinsamkeiten zu benennen und Regeln zu formulieren.

Kinder erleben hier, dass ein Gegenstand nicht nur eine Eigenschaft hat. Je nachdem, wie er liegt, gehört er zu den „rollenden“ oder zu den „stehenden“ Dingen. In solchen Momenten beginnen Kinder zu verstehen, dass Ordnungen von gewählten Merkmalen abhängen.
In welcher Reihenfolge? – Sortieren

Sortieren führt dagegen zu einer Abfolge. Unterschiede werden in eine nachvollziehbare Reihenfolge gebracht: klein – größer – am größten; leicht – schwerer – am schwersten.
Wenn Kinder Bausteine nach Größe ordnen oder sich selbst vom Kleinsten bis zum Größten aufstellen, gestalten sie Rangfolgen. Sie vergleichen und bringen Abstufungen sichtbar zum Ausdruck.
Sortieren macht Relationen zwischen Dingen deutlich. Es zeigt, dass Unterschiede graduell sein können.
Während Klassifizieren nach Zugehörigkeit fragt („Was passt zusammen?“), fragt Sortieren nach Abstufung („Was kommt zuerst?“).
Beide Formen greifen im Alltag oft ineinander.
Wenn Kinder zunächst alle roten Deckel zusammenlegen (Klassifikation) und diese anschließend vom kleinsten zum größten anordnen (Sortieren), verbinden sie Zugehörigkeit und Reihenfolge.
Ordnung entsteht hier auf zwei Ebenen zugleich: als Klassifikation nach Merkmalen und als Abfolge.
B. Praxis-Pool
Die folgenden sieben Ordnungsfelder zeigen, wie breit frühe Strukturierungsprozesse im Alltag angelegt sind.

Die sieben Ordnungsfelder im Alltag
Was zunächst wie eine einfache Grafik wirkt, entfaltet im Alltag eine kaum zu überblickende Dichte.
Die folgenden sieben Ordnungsfelder entsprechen den Begriffen der Darstellung – sie zeigen, wie breit frühe mathematische Strukturierungsprozesse angelegt sind.
1. Lage (Raumstruktur)
Ordnungen entstehen räumlich: oben und unten, drin und draußen, neben, auf und unter, zwischen, nah und fern, vorne und hinten, Mitte und Rand.
Später links und rechts, diagonal, parallel oder quer, im Kreis oder in Reihe. Perspektiven wechseln, Bezugssysteme entstehen, Koordinaten werden vorstellbar.
Etwas liegt über, befindet sich zwischen, steht näher als, verschiebt sich nach. Hier wird Raum gegliedert und strukturierbar.
2. Merkmal (Klassifikation)
Ordnungen entstehen nach Merkmalen: Farbe, Form, Material, Oberfläche; essbar oder nicht essbar; lebendig oder nicht lebendig; beweglich oder unbeweglich.
Mehrfarbig oder einfarbig, symmetrisch oder asymmetrisch, natürlich oder künstlich, stabil oder instabil.
Gerade oder ungerade Zahlen (Ü3). Etwas gehört dazu – oder nicht. Ein Merkmal wird gewählt. Dinge mit diesem Merkmal gehören zusammen. Hier wird Zugehörigkeit sichtbar.
3. Funktion (Wirksamkeit)
Ordnungen entstehen funktional: rollt oder rollt nicht, schwimmt oder sinkt, ist stapelbar oder nicht, öffnet oder schließt, trägt Gewicht, verändert sich, löst etwas aus.
Ursache und Wirkung treten hervor.
Wenn–Dann-Strukturen stabilisieren sich. Etwas bewirkt etwas anderes. Hier wird Wirksamkeit erkannt – ein Bereich, in dem mathematische und physikalische Strukturierungen ineinandergreifen.
4. Vergleich (Relation)
Ordnungen entstehen vergleichend: groß und klein, lang und kurz, dick und dünn, schwer und leicht.
Größer als, genauso groß wie, am größten.
Doppelt so schwer, halb so lang. Hier werden Unterschiede zueinander ins Verhältnis gesetzt. So entstehen Rangfolgen, Abstufungen und Vergleichspunkte.
5. Menge (Quantität)
Ordnungen entstehen quantitativ: einer oder viele, leer oder voll, mehr oder weniger, gleich viele, mehr als, weniger als, doppelt, halb. Hier werden Anzahlen bestimmt:
durch Beziehungen von Teil und Ganzem,
durch Eins-zu-eins-Zuordnungen als Grundlage der Anzahlbestimmung,
durch Zählen, Zuordnen, Verdoppeln und Aufteilen.
6. Intensität (Skalierung)
Ordnungen entstehen graduell: laut oder leise, hell oder dunkel, warm oder kalt.
Lauter als, sehr laut, extrem leise.
Temperaturunterschiede, Skalen, Abstufungen. Hier werden Unterschiede abgestuft.
7. Zeit (Sequenz & Dauer)
Ordnungen entstehen zeitlich: jetzt oder später, vorher oder nachher, gleichzeitig, in Reihenfolge. Über Dauer. Zuerst – dann – schließlich. In vergleichbaren Zeitspannen. Hier wird Abfolge strukturiert.
Machen wir uns klar: So entsteht Mathematik
Im Ordnen von Raum und Lage (Raumstruktur).
Im Unterscheiden und Zusammenfassen nach Merkmalen (Klassifikation).
Im Wahrnehmen von Wirksamkeit und Zusammenhang (Funktion).
Im Herstellen und Beschreiben von Beziehungen (Relation / Vergleich).
Im Erfassen von Anzahl und Vielheit (Quantität).
Im Abstufen und Skalieren von Ausprägungen (Intensität).
Im Ordnen von Abläufen und Dauer (Zeit – Reihenfolge & Dauer).
Und im gemeinsamen sprachlichen Präzisieren dieser Ordnungen.
C. Exemplarische Verdichtung: Grundstruktur des Ordnens
Hinter den unterschiedlichen Ordnungsfeldern wirkt eine gemeinsame Grundstruktur des Ordnens. Jede Ordnung enthält Entscheidungen über Zugehörigkeit und Ausschluss, stellt Relationen her, ermöglicht Abstufungen, eröffnet Ordnungsaspekte und verlangt Begründbarkeit – in U3 ebenso wie in Ü3.
Leitfragen zur Grundstruktur des Ordnens
Zugehörigkeit
Woran erkennen die Kinder, dass etwas dazugehört?
Ausschluss
Was passt hier nicht – und woran wird das sichtbar?
Relation
Wie stehen die Elemente zueinander in Beziehung?
Abstufung
Gibt es Unterschiede in Stärke, Größe, Intensität oder Reihenfolge?
Perspektive (Ordnungsaspekt)
Nach welchem Gesichtspunkt wird hier geordnet?
Begründbarkeit
Wodurch wird diese Ordnung nachvollziehbar?
Die folgenden beiden Alltagsszenen verdichten exemplarisch diese gemeinsame Grundstruktur.

Das Bild zeigt eine geordnete Reihe von Fahrzeugelementen auf einer Bahn.
Ein Platz ist vorgesehen, ein Element gehört dorthin – oder nicht.
Zugehörigkeit wird entschieden. Relation wird hergestellt. Reihenfolge wird sichtbar.
Ein Ordnungsaspekt wird gewählt: die Position in der Reihe.
Das zweite Bild zeigt eine Schraubverbindung im gemeinsamen Arbeiten.
Ein Element wird gedreht, gefasst, gehalten. Wirkung zeigt sich unmittelbar.
Relation wird als Funktion erfahrbar. Abstufung wird spürbar: fester, lockerer, weiter, enger.
Ausgewählte Materialien von Wehrfritz unterstützen die Auseinandersetzung und eröffnen strukturierte Handlungsmöglichkeiten.
D. Fortbildung: Reflexionen der Einrichtungen
In der gemeinsamen Reflexion wurde deutlich: Die beschriebenen Situationen waren keineswegs neu. Neu war der geschärfte Blick auf ihre mathematische Struktur.
Raum-Lage-Beziehungen, Klassifikationen, Vergleichsprozesse oder funktionale Ordnungen hatten den Alltag schon immer durchzogen. Das Spiel blieb vertraut. Präzisiert wurde der Blick für die darin bereits wirksame Mathematik.
Vor diesem Hintergrund greift die Gegenüberstellung von „freiem Spiel“ und „dialogischer Begleitung“ zu kurz. Spiel kann ein Ort strukturierter Erfahrungen sein. Doch angesichts der Vielzahl möglicher Ordnungsdimensionen wird deutlich: Relationen stabilisieren sich nicht automatisch.
Räumliche Positionen, Merkmale, Funktionen, Vergleiche, Mengen, Intensitäten und zeitliche Abfolgen entstehen im Handeln. Ihre Präzision wächst, wenn sie benannt, variiert und gemeinsam überprüft werden. Erkundung braucht dialogische Stabilisierung.
So verstanden ist mathematische Bildung immer auch sprachliche Bildung. Die Ordnungen, die Kinder im Handeln entdecken, gewinnen durch sprachliche Markierung an Dauer und Übertragbarkeit. Präpositionen, Vergleichsformen, Steigerungen, Wenn–Dann-Strukturen oder Zeitbezüge sind konstitutive Elemente mathematischen Denkens.
Wer diese Verbindung übersieht, reduziert mathematische Bildung auf Zählen und Rechnen – und trennt, was im Alltag untrennbar verbunden ist.
So veränderte sich nicht die Praxis grundlegend – wohl aber die Qualität der Aufmerksamkeit. Fachkräfte berichteten, dass sie Ordnungsprozesse bewusster wahrnahmen, differenzierter benannten und gezielter variierten.
Wie es weitergeht: Modul 4
Was in diesem Modul als räumliche, relationale und funktionale Ordnungen sichtbar wurde, bildet die Voraussetzung für einen nächsten Schritt: Diese Ordnungen werden abzählbar.
Wenn Kinder Positionen vergleichen, Reihen bilden, Abstände wahrnehmen, Unterschiede abstufen oder Gruppen zusammenstellen, bewegen sie sich bereits in einem Feld, das auf die Konkretisierung durch Zahlen hin geöffnet ist. Noch stehen Relationen im Vordergrund – oben und unten, davor und dahinter, gleich und verschieden. Doch in diesen Unterscheidungen liegt bereits die Möglichkeit, Anzahlen zu bestimmen und Rangplätze zu markieren.
Zahlen entstehen nicht aus dem Nichts. Sie verdichten und präzisieren Ordnungen.
Aus „gleich“ wird „gleich viele“.
Aus „davor“ wird „an erster Stelle“.
Aus „mehr“ wird „fünf statt drei“.
Modul 4 greift diese Verdichtung auf. Es zeigt, wie Kinder beginnen, Mengen zu vergleichen, Reihen zu bilden und Plätze zu bestimmen – und wie aus diesen Handlungen ein tragfähiger Zahlbegriff wächst. Dabei rücken zwei grundlegende Bedeutungsrichtungen in den Mittelpunkt: Zahl als Anzahl („Wie viele?“) und Zahl als Platz in einer Ordnung („Der wievielte?“).
So setzt sich die Bewegung fort:
Von Struktur zur Zahl.
Vom Ordnen zum Zählen.
Von Relation zu Quantität.
Weiterführende Artikel auf Erzieherin.de:
Komm mit ins Zahlenland – beliebt und gerne missverstanden
Lernen durch Bewegung – Der Zahlenweg in der frühen mathematischen Bildung
Frühe mathematische Bildung braucht Praxis: Der Auftakt einer kollegialen Fortbildungsreihe
Modul 2: Formen, Muster und Symmetrien entdecken, erfinden und gemeinsam hervorbringen
Dieses Bildungsprojekt wird in Kooperation mit dem Herder Verlag, Wehrfritz und der Stadt Herbolzheim umgesetzt.
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Autor*innengruppe:
Gerhard Friedrich und die Erzieherinnen Katrin Stöcker, Annica de Vos und Natalia Rube (in Ausbildung)
Kontakt:
info.gfriedrich@gmail.com
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