mehrere Kinder

Chance vertan – Ohne echte Reform keine Qualität: Deutliche Kritik aus der Praxis am BayKiBiG-Gesetzentwurf

22.04.2026 | Politik Kommentare (0)

Die Bayerische Staatsregierung hat einen Entwurf zur Novellierung des BayKiBiG (Bayerisches Kinderbildungs- und Betreuungsgesetzes) vorgelegt. Der Verband Kita-Fachkräfte Bayern e.V. begrüßt audrücklich, dass das Gesetz erneuert wird und hat hierzu im Rahmen der Verbändeanhörung Stellung genommen – mit klarem Fokus auf die Realität in den Einrichtungen. Im Zentrum stehen dabei das Kind, die Bildungsqualität und die Arbeitsbedingungen des pädagogischen Personals.

Die Analyse zeigt: Der Entwurf enthält zwar punktuelle Maßnahmen zum Bürokratieabbau und zur finanziellen Umstrukturierung, verfehlt jedoch die entscheidenden Stellschrauben um die Krise in den bayerischen Kindertageseinrichtungen zu lösen. Weder der Anstellungsschlüssel noch die Finanzierung bilden die tatsächlichen Bedingungen in den Einrichtungen ausreichend ab.

„Das Gesetz verwaltet lediglich den Mangel, anstatt ihn zu beheben. Qualität spielt darin keine Rolle“, äußert sich der Vorstand.

Klare Forderung: Strukturelle Reformen verbindlich verankern

Der Verband fordert die Staatsregierung daher dringend dazu auf, den Entwurf grundlegend zu überarbeiten und strukturelle Reformen verbindlich zu verankern. Im Zentrum stehen neun zentrale Maßnahmen:

1. Weniger Kinder pro betreuender Fachkraft (Fachkraft-Kind-Relation)

2. Verkleinerung der Gruppengrößen

3. Gesetzliche Verankerung mittelbarer Arbeitszeiten (z.B. Vor- und Nachbereitung & Elterngespräche)

4. Realistische Berücksichtigung von Ausfallzeiten (Krankheit, Fortbildungen & Urlaub)

5. Freistellung für Leitung und Stellvertretung (Höhe nach Einrichtungsgröße)

6. Flächendeckende Sprachförderung gemäß Bedarf

7. Maßnahmen zur Qualitätssicherung

8. Entlastung durch Hauswirtschaft und Verwaltung

9. Verankerung von Notfallplänen

Diese strukturellen Verbesserungen sind aus Sicht der Praxis unverzichtbar, um den Bildungs-, Erziehungs- und Betreuungsauftrag tatsächlich erfüllen zu können.

Kritik an konkreten Maßnahmen: Ziel verfehlt

Auch einzelne Instrumente des Gesetzentwurfs bewertet der Verband kritisch. Die vorgesehene Teamkräftepauschale sowie die Funktionsstellenpauschale sind in ihrer aktuellen Ausgestaltung nicht ausreichend, um die angestrebte Entlastung zu erreichen. Stattdessen drohen neue Probleme: fehlende Planungssicherheit für Träger, wachsende regionale Ungleichheiten, Benachteiligung qualifizierten Personals und im schlimmsten Fall Kündigungswellen. Die beabsichtigte Verbesserung der Rahmenbedingungen wird damit in der Praxis weitgehend verfehlt.

Jetzt handeln: Historische Chance nutzen

Der Verband betont, dass sich durch den prognostizierten Geburtenrückgang ein einmaliges Zeitfenster eröffnet, um die Qualität in der frühkindlichen Bildung endlich nachhaltig zu verbessern. Diese hat unter dem großen quantitativen Ausbau der letzten Jahre extrem gelitten.

Eine qualitativ hochwertige Bildung sei kein Luxus, sondern das Grundrecht jedes Kindes in diesem Land. Eine zukunftsgewandte Anpassung der frühkindlichen Rahmenbedingungen dürfe nicht isoliert als reine Sozialausgabe betrachtet werden. Sie stelle eine notwendige Investition in den Wirtschaftsstandort Bayern dar. Nur wenn die Qualität am Kind gesichert sei, könne das System mittelfristig die Fachkräftebasis in allen Bereichen der Wirtschaft stärken und seine gesamtgesellschaftliche Funktion erfüllen. Es sei dringend an der Zeit, dass mit der Reform des Kita-Gesetzes konkrete Forderungen seitens der Praxis umgesetzt werden.

Dringender Appell an die Staatsregierung

Der Verband Kita-Fachkräfte Bayern e.V. fordert die Bayerische Staatsregierung und den Gesetzgeber eindringlich auf, den Gesetzentwurf grundlegend zu überarbeiten.

„Es braucht jetzt eine Neufassung des Gesetzentwurfes, die sich konsequent an den Forderungen der Praxis orientiert und die Qualität in den Mittelpunkt stellt. Bayern muss den Anspruch auf Bildungsqualität endlich auch gesetzlich einlösen – für unsere Kinder, unsere Familien und eine zukunftsfähige Gesellschaft.“


Quelle: Verband Kita-Fachkräfte Bayern e.V.


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