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Osnabrücker Kongress „Bewegte Kindheit"

04.03.2016 Kommentare (0)

 

„Jedes Kind hat das Recht auf Bildung und Teilhabe!“

Osnabrücker Kongress „Bewegte Kindheit" mit 3.000 TeilnehmerInnen farbenfroh eröffnet

Jonglage Rhythmus, Tanz, Artistik - mit bewegten und bewegenden Künsten des „Kinderzirkus Luftikus" der Grundschule Bissendorf ist vor 3.000 TeilnehmerInnen der 10. Kongress „Bewegte Kindheit" in der OsnabrückHalle fröhlich und farbenfroh eröffnet worden. Der gemeinsam von Universität Osnabrück und dem Niedersächsischen Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung (nifbe) veranstaltete und seit Monaten ausgebuchte Kongress ist bundesweit die größte und renommierteste Veranstaltung zur frühkindlichen Bildung und Entwicklung. Über drei Tage stehen mehr als 150 Vorträge, Seminare und Workshops auf dem Programm. Im thematischen Fokus des diesjährigen Kongresses steht die Frage, wie durch Bewegung, Spiel und Sport die soziale Teilhabe und Inklusion von Kindern gefördert werden kann. Ein eigenes Forum wird dabei auch beleuchten, wie Kinder aus geflüchteten Familien von Anfang an pädagogisch begleitet, im Hier und Jetzt ankommen und dabei auch die deutsche Sprache lernen können.

KiTas als Orte der sozialen und kulturellen Vielfalt

Kongressleiterin Prof. Dr. Renate Zimmer wies entsprechend zur Begrüßung auf die „hohe bildungspolitische Aktualität des Jubiläumskongresses in turbulenten Zeiten“ hin. ErzieherInnen, die oftmals unter ungenügenden Rahmenbedingungen hohen Ansprüchen gerecht werden sollten, seien nun herausgefordert, die Integration von Kindern mit Fluchterfahrung von Anfang an zu gewährleisten: „KiTas als Orte der sozialen und kulturellen Vielfalt sind hierfür ohne Frage ideal geeignet, brauchen aber entsprechende Ressourcen und Unterstützungsangebote“ unterstrich sie. Wichtig sei „zunächst einmal einen guten Zugang zu den Kindern zu finden, Beziehungen zwischen Kindern und pädagogischer Fachkraft aufzubauen und Interaktionen zwischen den Kindern zu stärken.“ Der Erwerb der deutschen Sprache  gelinge umso besser, je mehr dies an  authentische, bedeutsame Situationen geknüpft sei und je mehr die Sprachlernsituationen in motivierende Kontexte eingebunden sind – auch hier komme der Bewegung eine besondere Bedeutung zu.

Grundsätzlich unterstrich Zimmer die Bedeutung von Spiel, Sport und Bewegung, um soziale Nachteile auszugleichen und die Inklusion zu befördern. Hiermit könnten die individuellen Stärken und Ressourcen eines jeden Kindes entfaltet und ihr Selbstwirksamkeits- und damit ihr Selbstwertgefühl gestärkt werden – und zwar unabhängig vom sozialen Status und dem elterlichen Bildungshintergrund.

„Wir wollen das schaffen!“

Scharfe Kritik übte die Kongressleiterin an der Flüchtlingspolitik vieler europäischer Länder: „Jedes Kind hat das Recht auf Bildung und Teilhabe und dafür setzen wir uns ein“. Für ihr abschließendes kämpferisches „Wir wollen das schaffen!“ bekam sie Standing Ovations der 3.000 TeilnehmerInnen.

Bettina Bundszus-Cecere, Abteilungsleiterin für Kinder und Jugend im Bundesfamilienministerium, dankte Prof. Dr. Renate Zimmer als Erstes „für Ihre Worte, Ihre Haltung und Ihren Mut“ und lobte die „wichtige und richtige Themenwahl des Kongresses“. Nach dem quantitativen Ausbau der KiTas komme es nun darauf an, konsequent die Qualität zu verbessern, um „gute Bildung und Teilhabechancen für alle Kinder von Anfang an“ zu gewährleisten. Der Bund unterstütze die Qualitätsentwicklung  unter anderem derzeit durch das Programm „Kita Plus“, mit dem zum Beispiel Alleinerziehenden oder Schichtarbeitern passgenauer Betreuungszeiten geboten werden sollen, durch ein Programm zur Kindertagespflege und durch die Weiterführung des Programms der Sprach-KiTas, mit denen die Sprachförderung insbesondere von Kindern mit Migrationshintergrund verbessert werden soll.

800.000 neue KiTa-Plätze und Qualitätsoffensive notwendig

Eine neue Herausforderung stellten nun die Kinder mit Fluchterfahrungen dar. Grundsätzlich gelte: „Je mehr und je früher diese Kinder in die KiTas kommen, Deutsch lernen und Freunde finden, umso besser.“ Die KiTa biete die Chance, über die Kinder auch die Integration der ganzen Familie auf den Weg zu bringen. Allerdings müssten für die Kinder mit Fluchterfahrungen in den nächsten Jahren 800.000 neue KiTa-Plätze geschaffen und mit einer Qualitätsoffensive verbunden werden, durch die auch der Job der Erzieherin an Attraktivität gewinnen müsse.

„Es ist also noch viel zu tun, um bundesweit gute und gleichmäßige Qualität in den KiTas zu gewährleisten“ resümierte Bundszus-Cecere. Hoffnung setzte sie dabei auf einen  runden Tisch mit Vertretern von Bund, Ländern, Kommunen, freien Trägern und Gewerkschaften, der hierzu einen ersten Fahrplan und die Erklärung „Frühe Bildung lohnt sich“ entwickelt habe. Ob am Ende ein Bundesqualitätsgesetz dabei herauskommt, ließ Bundszus-Cecere allerdings offen.

Wechselbeziehung von Bildung und Gesundheit

Uwe Meyeringh, Vorstand der Unfallkasse Nordrhein-Westfalen, hob die Bedeutung der Gesundheit von Kindern und ErzieherInnen in seinem Grußwort hervor: „Wer frühkindliche Bildung fördert, muss Gesundheit fördern“ sagte er und wies auf das enge Wechselverhältnis von Bildung und Gesundheit hin. Durch das von Susanne Viernickel und Anja Voss erarbeitete Konzept „Gute gesunde KiTa“ unterstützten die Unfallkassen die präventive Gesundheitsbildung in KiTas ganz konkret. Zudem kündigte Meyeringh einen „hoch dotierten“ Preis für gesundheitsfördernde KiTas an.

Universitätspräsident Prof. Dr. Wolfgang Lücke wie auch Osnabrück Oberbürgermeister Wolfgang Griesert hoben die „nationale wie internationale hohe Reputation“ des Kongresses Bewegte Kindheit hervor und dankten der Ende März aus dem Universitätsdienst ausscheidenden Renate Zimmer für ihr „unermüdliches Engagement“. Die von ihr etablierte Forschung und der Transfer zur frühkindlichen Bildung und Entwicklung, so Lücke, würden in Kooperation von Universität und nifbe aber weiter geführt. Er setze auf einen „Bewegten Ruhestand“ von Renate Zimmer, so dass „hoffentlich auch der Kongress“ weiter geführt werden könne.

Keine Bildung ohne Beziehung

In seinem Eröffnungsvortrag beleuchtete der Neurobiologe und Mediziner Prof. Dr. Joachim Bauer die „Bedeutung kindlicher Beziehungserfahrungen aus neurobiologischer Sicht“. Er unterstrich dabei die zentrale Bedeutung von Haltung und Beziehung in der pädagogischen Praxis: "Der wichtigste Energielieferant für Kinder sind andere Menschen, die mit Interesse und Wohlwollen auf sie schauen.“ In Beziehung zu anderen Menschen aktivierten sich die Motivationssysteme des kindlichen Gehirns in mehrfacher Weise durch die Freisetzung von „Glücks“--Botenstoffen. Bauer resümierte: „Im Zentrum einer guten Beziehung zwischen Kindern und ihren pädagogischen Begleitern stehen Spiegelungs- und Resonanzprozesse. Kinder und Jugendliche erleben, welche Resonanzen sie in ihren pädagogischen Bezugspersonen auslösen. Die Resonanzen, die sie in Erwachsenen hervorrufen, kehren zum Kind zurück und prägen seine Entwicklung." 

„Je kleiner die Kinder, desto schwieriger und anspruchsvoller ist der Job!“

Aufgrund „gesicherter wissenschaftlicher Erkenntnisse“ seien die ersten beiden Lebensjahre eine besonders sensible Phase, in der prompte Resonanz und Spiegelung der Erwachsenen notwendig seien. Daher bräuchten Kinder bis zum 24. Monat in der Krippe ein Mindestschlüssel von 1 Erzieherin zu 3 Kindern und er schloss unter dem stürmischen Applaus der Fachkräfte  „Je kleiner die Kinder, desto schwieriger und anspruchsvoller ist der Job!“

Quelle: nifbe

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