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PALME - Stellungnahme zur Kritik des VAMV

Matthias Franz

18.07.2010 Kommentare (1)

Deutschland – PALME-frei? Zu den Vorwürfen des VAMV gegen das PALME-Elterntraining

Zu dem Papier „Keine PALME in Deutschland“, das der Verband allein erziehender Mütter und Väter (VAMV) kürzlich verbreitet hat und das wir in unseren Aktuellen Nachrichten soeben veröffentlicht haben, nimmt Prof. Dr. Matthias Franz (Klinisches Institut für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Heinrich-Heine-Universität) wie folgt Stellung:

„Rund zwanzig Prozent aller Kinder in Deutschland wachsen bei nur einem Elternteil auf, davon etwa 85 Prozent bei den Müttern. Sie sind nicht nur einem erhöhten Armutsrisiko ausgesetzt, sondern müssen zudem noch in den allermeisten Fällen einen auch emotional schwierigen Trennungskonflikt mit dem Vater ihres Kindes bewältigen. Etwa 600.000 der betroffenen Kinder sind unter sechs Jahren alt. Dass die Kinder allein Erziehender statistisch häufiger unter emotionalen Entwicklungsstörungen oder Verhaltensauffälligkeiten leiden, ist wissenschaftlich erwiesen.

Genau um diese Mütter und Kinder geht es in dem von mir und meinem Team entwickelten PALME Elterntraining (Präventionsgruppe für allein erziehende Mütter geleitet von Erzieherinnen; www.palme-elterntraining.de). Das Programm wird von einem Paar (Mann/Frau) speziell geschulter Erzieher/innen über insgesamt 20 Gruppensitzungen für etwa zwölf Mütter durchgeführt. Diese Gruppenleiter/innen wurden zuvor in einem mehrtägigen Training speziell geschult. Die Schulung umfasst neben theoretischen Kenntnissen – beispielsweise zur Bindungstheorie, Entwicklungspsychologie oder Gruppendynamik – auch die detaillierte Vermittlung des umfangreichen Manuals, das auch als Buch erschienen ist. Ein Angebot zur Betreuung der Kinder der allein erziehenden Mütter und Supervision für die Gruppenleiter/innen runden das Elterntraining ab.

Anders als vom VAMV behauptet, bezieht sich das PALME-Elterntraining auf die relativ große Teilgruppe psychosozial belasteter allein erziehender Mütter, ohne jedoch die sexuelle Ausrichtung der Mütter zu thematisieren oder gar zu werten und ohne die Gruppe der Alleinerziehenden insgesamt zu stigmatisieren. PALME versteht den Status „allein erziehend“ nicht wie behauptet als ‚pathologische’ oder ‚defizitäre’ Lebensform, sondern nimmt lediglich wahr, dass diese häufiger mit psychosozialen Belastungen verbunden ist. Angesichts der sehr häufigen Konfliktgeschichte der teilnehmenden Mütter, die zumeist eine gescheiterte Paarbeziehung mit dem Vater ihres Kindes erlebt haben, ist die Leitung des PALME-Elterntrainings durch ein gemischtgeschlechtliches Erzieherpaar ein angemessenes didaktisches Modell, um neue Bewältigungsstrategien einzuüben.

 Das PALME-Zertifikat erhalten nur geschulte Erzieherinnen und Erzieher, die Marke PALME ist geschützt, die positive Wirksamkeit auf Mutter und Kind ist wissenschaftlich gesichert. Die zu Gruppenleiter/innen geschulten Erzieher/innen führen keine selbständige Psychodiagnostik durch. Natürlich kann – wie bei anderen Elterntrainings auch – nicht ausgeschlossen werden, dass hoch belastete Mütter an einer solchen Gruppe teilnehmen. Für diesen Fall werden in den PALME-Schulungen Vorgespräche und Zusammenarbeit mit vor Ort kooperierenden Beratungsstellen empfohlen.

Die Kritik des VAMV am präventiven Elterntraining PALME, die nicht namentlich gezeichnet ist, ist sachlich und wissenschaftlich nicht substanziell. Sie ist polemisch entwertend und scheint politisch motiviert. Sie zielt auf ein wissenschaftlich fundiertes Elterntraining, das sehr erfolgreich speziell für die Teilgruppe psychosozial besonders belasteter allein erziehender Mütter entwickelt und wissenschaftlich evaluiert wurde. Dass eben diese wissenschaftliche Fundierung von VAMV nicht zur Kenntnis genommen bzw. in Abrede gestellt wurde, ist bedauerlich und inhaltlich in keiner Weise gerechtfertigt. PALME hat bislang bundesweit zahlreichen Müttern und Kindern geholfen, wurde wegen seiner Qualität und Wirksamkeit mit dem renommierten Heigl-Preis ausgezeichnet und wird auch im Ausland als vorbildlich wahrgenommen.

PALME ist aus unserer Sicht ein gelungenes Beispiel einer universitären Forschungsinitiative, die Anschluss an die gesellschaftliche Wirklichkeit erreicht hat. Die politische Instrumentalisierung dieses erfolgreichen Programms in einer derart rüden Form (‚Keine PALME in Deutschland’) wird den Bedürfnissen vieler – vielleicht nicht vom VAMV vertretener – allein erziehender Mütter und Kinder sicherlich nicht gerecht.“

 

 

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Kommentare (1)

Jeanette 20 September 2010, 17:07

Ich arbeite als Erzieherin und habe das PALME Projekt kennengelernt und kenne Eltern die dies besuchen. Das Projekt wurde mehrmals durchgeführt und bis jetzt kamen nur positive Resonanz. Den Eltern hilft dieses Projekt sehr. Ich finde es gut.

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