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Perspektiven der ErzieherInnenausbildung: Ausbildungsmodelle und ihre Finanzierung

Hilde von Balluseck

02.09.2013 Kommentare (7)

Es gibt in der Bundesrepublik Deutschland 16 Bundesländer. Und jedes Bundesland hat seine eigenen Lösungen für die Ausbildung, weil Bildung laut Grundgesetz Sache der Länder ist. Von daher weiß eigentlich niemand alles über die Erzieherinnenausbildung in Deutschland.

Auf die unterschiedlichen Zugangsvoraussetzungen für die Ausbildung können wir hier nicht eingehen. Sie sind hier abrufbar.

Die wichtigsten Modelle für die ErzieherInnenausbildung sind:

  1. Die dreijährige Ausbildung, in der zwei Jahre an der Fachschule (in Bayern: Fachakademie) und im Anschluss ein Jahr im Berufspraktikum verbracht werden (Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz).  Dabei zahlen die Träger den Auszubildenden während des Berufspraktikums ein Gehalt und die PraktikantInnen werden anteilig auf den Stellenschlüssel angerechnet, d.h. die Kosten werden von der Kommune übernommen. Während der ersten zwei Schuljahre müssen sich die Auszubildenden selbst finanzieren, es sei denn, es handelt sich um UmschülerInnen/QuereinsteigerInnen, die von der Bundesagentur finanziert werden. Die SchülerInnen können Bafög beantragen.
  2. Die dreijährige Ausbildung mit integrierten Praktika. In den Bundesländern mit in die Schulzeit integrierten Praktika sind die Praktika Teil der Schulbildung und finden während der gesamten Ausbildung statt. Sie werden nicht bezahlt. Hier müssen Schülerinnen und Schüler drei Jahre lang ihren Lebensunterhalt selbst finanzieren, wobei die Bedürftigeren Bafög oder auch – je nach Voraussetzungen - Meister-Bafögbeantragen können. Bei den zu erwartenden Gehältern ist es jedoch nicht gerade verführerisch, sich von vorneherein mit späteren Kreditrückzahlungen zu belasten.
  3. Die berufsbegleitende Ausbildung. Sie ermöglicht den SchülerInnen, ein Einkommen während der Ausbildung zu erzielen.
  4. Die von der Bundesagentur für Arbeit geförderte Ausbildung von QuereinsteigerInnen.

Die Rolle der praktischen Ausbildung und die Frage der Ausbildungsvergütung

Für alle Berufe gilt, dass im  Kontakt mit der beruflichen Praxis die erforderlichen Kompetenzen erprobt und ggf. sogar erst erlernt werden. In der akademischen Welt wurde die Praxis sozialer und pädagogischer Berufe über viele Jahrzehnte als zweitrangig für die Ausbildung erachtet. Erst in den letzten Jahren ist die Wertschätzung der Leistungen und Erfahrungen in der Praxis gewachsen und der Block akademischen Dünkels abgeschmolzen. Auf dem Weg, theoretisches Wissen in der Praxis anzuwenden, ist das Bundesprogramm Lernort Praxis ein Meilenstein.

Welchen Platz praktische Phasen in der ErzieherInnenausbildung einnehmen, ist von daher für Fachschulen, aber auch für Studiengänge an Hochschulen, eine zentrale Frage. Sie stellt sich auch beim Berufspraktikum.

Die Integration der berufspraktischen ErzieherInnenausbildung in die Fachschulzeit macht eine fortlaufende, gründliche Begleitung durch die Schule wahrscheinlicher. Daher haben viele Länder sich für eine solche Ausbildung entschieden, z.B. Berlin. Man kann allerdings nicht von der Hand weisen, dass eine solche Entscheidung auf Kostengründen beruhte: Das integrierte Praktikum kostet die Senatsverwaltung bzw. das Ministerium keinen Cent.

Das Berufspraktikum oder Anerkennungsjahr nach einer fachschulischen Ausbildung birgt die Gefahr, dass die Begleitung durch die Schule vernachlässigt wird. Diese Gefahr kann mit entsprechenden Regelungen vermieden werden. Dieses Modell hat den großen Vorteil für die SchülerInnen, dass es bezahlt wird. Die finanzielle Honorierung ist nicht nur wichtig, um den Lebensunterhalt zu sichern, sie bringt auch essentielle Erfahrungen für die Umsetzung erlernter Inhalte in die Praxis und ist überdies ein Prüfstein für die berufliche  Motivation. Auch die Träger werden bei einer Finanzierung des Praktikums stärker in die Pflicht genommen. Sie müssen vom Sinn des Einsatzes der PraktikantInnen überzeugt sein, wenn diese partiell auf den Stellenschlüssel angerechnet werden.  Die Verbindlichkeit steigt also für beide Seiten. Aus den genannten Gründen wäre ein integriertes Praktikum mit PraktikantInnengehalt eine wünschenswerte Alternative, wenn die bisherigen Strukturen der Ausbildung (Schule + Praktikum) beibehalten werden. Allerdings wären dann nur die Praxisphasen vergütet.

Am sinnvollsten erscheint daher eine Kombination von Fachschul- und Praxisausbildung wie in den praxisbegleitenden bzw. berufsbegleitenden Ausbildungen in Baden-Württemberg oder Berlin. In diesem Modell wird während der ganzen Ausbildungszeit ein PraktikantInnengehalt und damit eine Ausbildungsvergütung gezahlt. Ein Vorteil dieses Modells ist auch die Konfrontation der eigenen Motivation mit der praktischen Wirklichkeit am Anfang der Ausbildung. Wenn SchülerInnen im ersten halben Jahr der Ausbildung feststellen, dass sie nicht für den Beruf geeignet sind, so ist das eine weitaus bessere Situation, als wenn eine solche Erkenntnis erst in einem späteren Berufspraktikum gewonnen wird.

Die Finanzierung der Ausbildung von QuereinsteigerInnen durch die Bundesagentur

Um den Fachkräftemangel zu beheben, werden QuereinsteigerInnen ermutigt, den Beruf des Erziehers/der Erzieherin zu ergreifen. Dabei werden sie von der Arbeitsagentur unterstützt. Die Bundesagentur finanziert Weiterbildungen bis zu zwei Jahren über die Ausgabe von Bildungsgutscheinen. Sie darf Bildungsgutscheine nur für Maßnahmen bei zugelassenen Bildungsträgern einlösen (§81 Abs. 2 Punkt 3 SGB III n.F.). Dazu gehörten kurioserweise die Fachschulen nicht. Sie hat den Landesministerien angeboten, ihre Fachschulen durch fachkundige Stellen als Bildungsträger zertifizieren zu lassen. Mehrere Länder wehren sich dagegen, da sie schon ausreichend Maßnahmen für die Qualitätssicherung ihrer Fachschulen getroffen haben. Die Bundesagentur besteht jedoch auf der Prüfung durch die fachkundigen Stellen, bevor sie TeilnehmerInnen die Ausbildung finanziert.

Bei diesen Regeln wurde die staatliche Kontrolle der Schulen und Fachschulen völlig übersehen. Vielmehr wird von den Ländern eine doppelte Kontrolle verlangt, die auch mit Kosten und personellem Aufwand verbunden ist.

Einige Länder haben sich intensiv mit dieser Problematik auseinandergesetzt. Die folgenden Aussagen haben wir im Rahmen unserer Umfrage erhalten.

Baden-Württemberg

Die Bundesagentur verlangt von den Fachschulen eine Zertifizierung gemäß AZAV, damit sie QuereinsteigerInnen in den ersten beiden Jahren der Fachschulausbildung fördern kann. QuereinsteigerInnen mit mindestens mittlerem Bildungsabschluss und mindestens zweijähriger abgeschlossener Ausbildung erfüllen in Baden-Württemberg die Zugangsvoraussetzungen für die Fachschule für Sozialpädagogik, wenn sie zusätzlich noch ein mindestens sechswöchiges Praktikum in einer sozialpädagogischen Einrichtung nachweisen können, auch wenn sie keine pädagogik-affine Ausbildung nachweisen können. Da alle öffentlichen Schulen der Aufsicht des Landes unterliegen, hat sich Baden-Württemberg, wie auch andere Bundesländer, der Zertifizierung bislang verweigert, denn diese ist auch mit einem hohen Verwaltungs- und Kostenaufwand verbunden. Im kommenden Schuljahr soll nun ein vereinfachtes Zertifizierungsverfahren mit einem deutlich geringeren Kosten- und Zeitaufwand für den Landeshaushalt und die betroffenen Schulen durchgeführt werden. Die Landesregierung stellt für die Zertifizierungen zwischen 2013 und 2015 fast 330.000 Euro zur Verfügung. Im dritten Jahr der Ausbildung, während des Berufspraktikums, ist die Finanzierung der AnwärterInnen für den ErzieherInnenberuf durch die Träger gewährleistet.

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Zertifizierung öffentlicher Schulen

Bayern

Das größte Hindernis für die Umschulung durch die Bundesagentur ist in Bayern die geforderte AZAV-Zertifizierung der Umschulungsanbieter. Es gibt Bestrebungen der Bayerischen Staatsregierung, auf die Abschaffung der AZAV-Zertifizierungspflicht für öffentliche und staatlich anerkannte Schulen hinzuwirken.

Berlin

Berlin hat Verhandlungen mit der Bundesagentur geführt, um die Finanzierung des dritten Jahres der Erzieherausbildung zu erreichen. Diese Verhandlungen waren nicht erfolgreich und blieben daher ergebnislos.

Berlin hat jedoch verschiedene Möglichkeiten des Quereinstiegs ohne die Unterstützung der Arbeitsagentur geregelt.

Hamburg

Das Land bemüht sich um eine Einigung mit der Arbeitsagentur, um BewerberInnen für den Beruf der Erzieherin/des Erziehers zu gewinnen. Im Rahmen eines Projekts  können QuereinsteigerInnen mit dem Mittleren Bildungsabschluss zwei Jahre lang von der Arbeitsagentur und  im dritten Jahr der Ausbildung vom Träger der Einrichtung, in der das Berufspraktikum stattfindet, finanziert werden. Derzeit liegt noch keine Auswertung des Projekts vor. 

Niedersachsen

Es gibt Verhandlungen mit der Arbeitsagentur, auch für Umschüler in Niedersachsen die Förderfähigkeit zu erreichen.

Sachsen

Die Praxisphasen an den Fachschulen sind in die Ausbildung von ErzieherInnen integriert. Von daher ergibt sich das Problem der Finanzierung des dritten Ausbildungsjahres für von der Arbeitsagentur geförderte QuereinsteigerInnen in den Erzieher/-innenberuf.

Für die ESF-Förderperiode 2014 bis 2020 stimmt sich das Sächsische Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr derzeit mit dem Sächsischen Staatsministerium für Kultus und der Bundesagentur für Arbeit ab, um die Voraussetzungen zur Finanzierung des letzten Drittels bei der Qualifizierung von Erziehern nach § 180 Abs. 4 SGB III zu schaffen. Geplant ist eine Integration der Umschulung von Arbeitslosen zum/r Erzieher/in in das ESF-Programm "Qualifizierung von Arbeitslosen zu einem anerkannten Berufsabschluss (QAB)" des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr. Die Realisierung sowie die zeitliche Einordnung von Teilnehmeraufnahmen stehen jedoch unter dem Vorbehalt der noch laufenden Abstimmungen auf EU- und Landesebene zum EU-Förderzeitraum 2014 bis 2020. Gesicherte Aussagen sind derzeit noch nicht möglich.

Fazit

Die praxisintegrierte oder berufs- bzw. tätigkeitsbegleitende Ausbildung gewährleistet am ehesten die Verbindung zwischen theoretischen Kenntnissen und praktischen Erfahrungen. PraxisanleiterInnen wie im jetzigen Bundesprogramm Lernort Praxis können dieses Modell unterstützen. Dieses Modell hat zusätzlich den Vorteil, dass die SchülerInnen während der gesamten Ausbildung ein Gehalt bekommen, das als Ausbildungsvergütung angesehen werden kann.  

QuereinsteigerInnen, die von der Bundesagentur gefördert werden, sollten nicht auf die Ausbildung bei von der Bundesagentur zertifizierten Bildungsträgern angewiesen sein, sondern auch beim Besuch staatlicher Schulen gefördert werden. Dass die Bundeagentur hier die Länder durch die geforderte Zertifizierung unter Druck setzt, ist eine Absurdität unserer Bürokratien, bei der sich die Bundesagentur offenbar gegen die Länder durchsetzen kann.

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Kommentare (7)

Carolin 14 Dezember 2014, 16:19

Leider ist es so, dass die Ausbildung zur Erzieherin/Erzieher vom Staat in unzureichender Weise unterstützt wird. Selbst Arbeitslose leben besser!!!! Das Land möchte qualifizierte!!!!!!! Erzieherin/Erzieher. Nur durch tatkräftige Eltern oder Kredite, die die Auszubildenden aufnehmen müssen, ist diese Ausbildung überhaupt möglich!!!! Wir sind selber Eltern einer Tochter, die schon länger nicht mehr bei uns lebt, die diese Ausbildung möchte und wir unterstützen sie natürlich. Sie hat den Sozialassistenten mit „sehr gut“ absolviert und ist nun in der 3jährigen Ausbildung zur Erzieherin. Ab 2005 fällt ihr Kindergeld weg und sie muss mit ca. 570 ,-/Monat ihren Lebensunterhalt bestreiten (Schulgeld 030 ,-, Miete, Energie, Fahrtkosten, Essen). Eigentlich völlig unmöglich, wenn da keine Unterstützung von den Eltern kommt. Jeder Azubi, in einem nicht schulischen Ausbildungsberuf, und jeder Arbeitslose erhält mehr Unterstützung, warum wird diese Ausbildung so sträflich vernachlässigt???

Martin Biermann 21 Juli 2014, 14:17

Hallo an Alle. Ich habe eine Möglichkeit ab dem 00.08.05 eine Ausbildung zum Erzieher anzufangen. Bis zu diesem Zeitpunkt muss ich allerdings ein Praktikum von 900 Stunden absolvieren (Vertrag besteht schon). In dieser Zeit bekomme ich 450,00 Euro monatlich. Gerade eben war ich bei der ARGE um zu prüfen wie hoch meine Leistungen wären. Diese werde ungefähr 050,00 EURO betragen (Wohnung mit drei Personen). Leider reicht dies in keiner Weise. Bafög werde ich nicht bekommen (Telefonat mit Ministerium). Ich bin seid Heute arbeitslos, soll am 00.08. das Praktikum anfangen und weiß nicht wie ich alles finanzieren soll. ALFONS: wie hast du es geschafft an 0200,00 Euro zu kommen? Wer weiß an wen ich mich noch wenden kann um dieses eine Jahr Praktikum zu finanzieren? Ich habe lange dafür gekämpft um eine Möglichkeit der Ausbildung zu finden. Nun habe ich diese und muss, sofern ich keine Lösung finde, absagen. Das wäre für mich sehr traurig.

Alfons Sijuar 06 Juli 2014, 15:06

Ich bekomme von der ARGE ca. 0200 Euro im Monat für die Ausbildung zum Erzieher.

Haufe Ellen 20 Juni 2014, 09:49

Hallo liebe Mitstreiter. Ich habe ähnliche Erfahrungen wie Timo gemacht und ja, es ist frustrierend. Mir hat man, als ich wissen wollte warum ich keine Unterstützung von der ARGE bekomme und mir mein damaliges ALG gestrichen hat, auf dem Arbeitsamt gesagt (der Chef persönlich): „Der Staat möchte nicht, das sie das machen! Sie haben doch eine Ausbildung (wo ich aber nichts gefunden habe)!“ Aber ich wollte, wusste das ist es, Erzieherin werden, noch mal durchstarten. Ihr kennt das sicher. Ich habe ewig gebraucht um eine bezahlte Praxisstelle zu bekommen und das MeisterBafög, was kaum nennenswert ist (026 Euro.) Der Bescheid auf den neugestellten Antrag lässt auch seit Monaten auf sich warten. Ein Kredit erhält mich am Leben. Außerdem gehe ich 0-2 mal die Woche kellnern, um die Haushaltskasse aufzubessern.
Das Land schreit nach ausgebildeten Erzieherinnen/ern aber es gibt keinen Plan um die „lernwilligen, hochmotivierten Leute“ zu unterstützen. Die Ausbildung ist hart und stressig, die Doppelbelastung Schule /Arbeit enorm, man gibt ja sein Bestes und bezahlte Praxisstellen sind rar. 2 Jahre habe ich nun geschafft und bin stolz auf mich. Aktuelle Situation, es gibt hier kaum Stellen für „Annerkennungspraktikanten“, erst recht nicht in Niedersachsen (ich wohne im Grenzgebiet NRW und NS), weil: die kosten ja Geld!!! Das war eine Assage einer Einrichtung in Niedersachsen) Das ist doch paradox! Aber:... „Natürlich gern ohne Bezahlung...“. Ich bin 45 Jahre, habe ein Leben (mom. sehr eingeschränkt) monatliche Fixkosten, wie Versicherung, Miete, Essen, Sprit, Kind in der Ausbildung...zu bestreiten, ich arbeite wie andere auch, nur dass ich nebenbei noch lerne...
Ich bin leider seit Februar wieder auf der Suche nach einer neuen Praxisstelle, da mein derzeitiger AG mich nicht mehr bezahlen kann. (JH Verein) Ich bewerbe mich natürlich überall wo es geht. Entweder kommt: Leider haben wir keine zu besetzende Stelle oder: ... „wir suchen aber fertig, ausgebildete...tut mir leid...“ Puhh! „Hilfe“ Oftmals kennen die Einrichtungen dieses Ausbildungsmodell gar nicht. „Lieber Staat! Informiert die Einrichtungen, unterstützt sie und macht doch bitte mal ein (sinnvolles) und wenn möglich einheitliches Gesetz. Eins, was langfristig Nutzen bringt. Ein Gesetz, zur Förderung werdender Erzieher/-innen. Wir wollen auch noch leben können!“ Was ich auch nicht verstehe: Ein AZUBI in der freien Wirtschaft bekommt schon ca. 600 Euro im ersten Jahr und 900 Euro im Dritten. Aber ein Erzieher im Dritten 395 Euro!!! (ein Angebot im Jugendhilfebereich wo ich mich beworben habe) Klar, die haben kein Geld, brauchen aber dringend Personal. Man muss erst einmal gut überlegen: „Kann ich es mir leisten, diese Ausbildung zu machen?“ Das kann doch nicht gewollt sein, oder? Liebe Politiker!
Investiert in die werdenden Fachkräfte, welche die Kinder und Jugendlichen, die später potentielle Steuerzahler sein werden, kompetent begleiten und betreuen wollen!!! Hinzu kommt das Gesetz zur Integration/Inklusion in den Schulen. 25 Kinder, davon mind. 5 mit emot./soz. Förderbedarf, und eine Erziehrin + FSJ-dler, das ist momentan oft die Situation und geht gar nicht. Da ist ein rießiger Bedarf an Fachkräften, wie ihr wisst. Ebenso toll, das Gesetz: „Jeder hat Anspruch auf einen Betreuungsplatz“. Ok, alles gut und schön, prima Idee. Aber woher sollen plötzlich die Erzieher kommen? Das hätte man sich früher überlegen sollen. Erst das Gesetz zur Fachkräfteförderung dann „ein Platz für Jeden“ Das Gehalt ist auch nicht gerade üppig, das kommt ja auch noch hinzu. Für Männer oftmals ein Hinderungsgrund, denn mit ca 2200 Euro kann man keine Familie ernähren. Aber das ist eine andere Baustelle.
Tut mir leid, wenn ich zu emotional geworden bin aber die momentane Situation, geht an die physischen und psychischen Grenzen.
„Helena“, Raum Herford, Juli 2004

Hilde von Balluseck 29 Dezember 2013, 07:53

Hallo Margarita,
zu den Möglichkeiten für Kinderpflegerinnen, Erzieherin zu werden, siehe unter http://www.erzieherin.de/wie-kinderpflegerinnen-erzieherinnen-werden.php. Wenn Sie die Ausbildung schon begonnen haben, hilft das vermutlich nicht viel.
Aber vielleicht können Sie noch auf eine berufsbegleitende Ausbildung umsatteln?
Alles Gute und freundliche Grüße
Hilde von Balluseck

Anna 28 Dezember 2013, 21:08

Guten Tag ,bei mir sieht es sehr ähnlich aus ...
Bin 27 Jahre alt,Alleinerziehend. Habe dieses Jahr meine Ausbildung zur Kinderpflegerin absolviert und befinde mich in der Erzieherausbildung ...Bafög wurde ablehnt aufgrund des Einkommens der Eltern ,Meister-bafög wurde abgelehnt, Jobcenter will kein Bildungsgutschein ausstellen ,da ich mit meinem Zeugnis 0,4 als Kinderpflegerin eine Arbeit finden kann !
Was bleibt denn da überhaupt noch übrig als die Ausbildung abzubrechen . :-/

Timo Höfer 09 September 2013, 22:16

(Vorab: Ich zögere etwas, diesen Text hier zu veröffentlichen. Das ist nicht ganz der richtig Platz. Es ist so eine Aktion aus dem Bauch heraus. Bitte sehen sie mir es nach.)

Es ist schon ein wenig paradox. Allenthalben treffe ich Menschen, die ich bis dahin nicht kannte und wenn ich mich dann vorstelle und erzähle was ich beruflich machen möchte, bringen all diese Fremden mir Achtung, Wertschätzung und Dank entgegen. Dabei habe ich noch nichts geleistet, denn ich bin ja noch in Ausbildung.
Wer ich überhaupt bin? Mein Name ist Timo Höfer. Ich bin fast 35 Jahre alt und einen wichtigen Teil meines Lebens recht orientierungslos gewesen. So kommt es, dass ich heute von mir sagen kann ich sei ein gelernter Briefträger, ein quereingestiegener Fotosetzer und ein aushelfender Wachmann. All diese Berufe hatten schöne Seiten: Mit Menschen arbeiten, kreativ tätig sein oder Verantwortung übernehmen. Aber keiner dieser Jobs füllte mich ganz aus.
Erst spät erkannte ich wohin ich wollte und so begann ich mein Abitur auf dem zweiten Bildungsweg nachzuholen. Ich wollte Lehrer werden. Jedoch, eine seltene Autoimmunerkrankung riss mich aus dem Alltag und dem gerade erst begonnen Studium. Es folgten Jahre der Ungewissheit, der Diagnose, der Therapie und der Rehabilitation. Am Ende dieser Zeit schien mir eine Rückkehr an den Anfang eines Studiums als zu große Herausforderung. Immer noch geschwächt und mutlos suchte ich nach neuen Wegen.
Befreundete Lehrer sprachen mich darauf an, dass ich doch Erzieher werden könnte, da sie mich im Umgang mit kleinen Kindern erlebt haben. Ich hielt das für keine besondere Fähigkeit. Mit Kinder kommt doch jeder gut aus, oder nicht? Aber zu verlieren hatte ich nichts und somit bewarb ich mich auf insgesamt drei Orientierungspraktika, um einmal einen Einblick in die Tätigkeit eines Erziehers in Kindertagesstätten zu bekommen. Bereits im ersten Praktikum war ich wie ausgewechselt. Ich hatte Feuer gefangen. Das hier könnte mein Platz in der Gesellschaft sein. Die anderen beiden Praktika verstärkten dieses Gefühl noch erheblich. Ich ging jeden Abend erschöpft und müde nach Hause, aber ich konnte nicht aufhören zu lächeln. Auch die Resonanz war großartig: Die Kinder bestürmten mich, die Eltern schüttelten mir die Hand und sagten: „Endlich, ein Mann!“ und die Erzieherinnen nannten meinen bisherige Vita nicht „einen Flickenteppich“, wie man es einmal auf einem Arbeitsamt getan hatte, sondern „Lebenserfahrung“. Mein Entschluss stand also fest: Ich werde Erzieher. Ich bewarb mich auf einer Fachschule in Rheinland-Pfalz und bekam sofort einen Platz.
Und heute? Wo stehe ich heute? Das erste Jahr war eine gewaltige Anstrengung. Im Vorfeld fragte ich bei der für mich zuständigen Reha-Abteilung der Arbeitsagentur nach, ob man mir eine Umschulung finanzieren würde. Ja, das würde man, aber nicht die zum Erzieher, denn diese sei ein Jahr zu lang. Deshalb, und auch aus Stolz und dem Wunsch es mir selbst zu beweisen, ging ich im erste Jahr neben der Vollzeitschule zwischen 02 und 06 Stunden pro Woche arbeiten. Am Ende des Schuljahres war ich völlig erschöpft, aber zufrieden mit meinen sehr guten Noten. Mir war jedoch klar, dass es so nicht weiter gehen konnte. Ich beantragte BAFöG und ging parallel zur Arbeitsagentur und zum Jobcenter.
Die Arbeitsagentur verwies darauf, dass ich mich ja in einer Ausbildung befände und somit dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stünde: Keine Unterstützung.
Das Jobcenter verwies darauf, dass meine Ausbildung nach BAFö-Gesetz gefordert wird und man deshalb nicht zuständig sei: Keine Unterstützung.
Eine Bewerbung um ein Stipendium der Hertie-Stiftung blieb trotz Empfehlungsschreiben durch zwei meiner Lehrerinnen erfolglos. Trotzdem: Es hat mir sehr gut getan zu lesen, was sie über mich geschrieben haben. Dies gab und gibt mir neuen Mut und dafür bin ich den beiden sehr dankbar.
Das BAFöG-Amt prüft zur Zeit noch. Aber man macht mir wenig Hoffnungen, da ich während des Studiums einen Fachwechsel vollzogen hatte. Ich werde diese Woche erfahren, ob ich gefördert werde.
Zur Zeit wohne ich wieder bei meinen Eltern. Ein Traum für einen 35-jährigen Mann. Seit Juli habe ich nun keine Einkünfte mehr. Im August begann dann die erste Zahlung des Bildungskredits, den ich neben dem Bafög als einzige Finanzierungsmöglichkeit auftun konnte. So wie die Dinge stehen, werde ich wieder zusätzlich arbeiten müssen, um meine Ausbildung zu finanzieren. Das wird nicht folgenlos für die Qualität meiner Ausbildung bleiben. Noch so ein Jahr werde ich körperlich, geistig und emotional nicht schaffen. Meine Reserven sind erschöpft. Ich bin froh, dass ich keine andere Wahl mehr habe als weiterzumachen. Denn die Begeisterung für den Beruf reicht alleine nicht aus, um mit den Widrigkeiten der Ausbildung fertig zu werden.
Es bleibt für mich eine Frage: Wenn mich doch alle so unbedingt haben wollen, warum macht man es mir dann so schwer? Mit Schulterklopfen ist das nicht allein getan. Auf Dauer schmerzt mir nur die Schulter, aber meine Taschen bleiben leer.

September 2003 - Timo Höfer

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