mehrere Kinder

Pisa oder Bullerbü? "Kita-Kinder müssen ihre Lernwerkzeuge erlernen"

01.03.2015 Kommentare (0)

Drei Fragen an ... Prof. Dr. Hilmar Hoffmann

Spätestens seit den ersten PISA-Ergebnissen wurde die frühkindliche Bildung in den Fokus von Politik und Wissenschaft gerückt und der Bildungsauftrag der Kitas betont. Unterdessen gibt es aber auch kritische Stimmen, die von 'Förderwahn' sprechen oder davon, dass den Kindern ein wichtiger Schonraum genommen werde. Welcher Ansatz ist richtig? Antworten dazu vom Leiter der Forschungsstelle Elementarpädagogik des Niedersächsischen Instituts für frühkindliche Bildung und Entwicklung (nifbe), Prof. Dr. Hilmar Hoffmann.

Herr Hoffmann, sind die Bildungserwartungen an die Kitas übertrieben?

Hilmar Hoffmann: Es sind viele Akteure unterwegs, von denen jeder einzelne gewiss ein gutes Ansinnen hat, aber ich befürchte, es werden viele Einzelfacetten in den Kita-Alltag hineingedrückt, dann nicht mehr zusammenpassen. Man muss vom Alltag eines Kindes und einer Kita her gleichzeitig denken und weniger in vorgegebenen Kategorien "Lernen" oder "Spielen" – das ist sowieso immer beides. Es gilt, zu überlegen, wie man im vernünftigen Maße die intrinsische Motivation des Kindes unterstützen kann, also das, was das Kind gerade will oder für das es besonders aufnahmefähig ist.

In den ersten Lebensjahren werden erwiesenermaßen wichtige Grundlagen für das Lernen gelegt. Sollte da nicht möglichst intensiv gefördert werden?

Hilmar Hoffmann: Es muss uns in diesen Jahren gelingen, die Kinder dabei zu unterstützen, was sie eigentlich von selbst machen: nämlich lernen zu lernen. Sie müssen ihre Lernwerkzeuge erlernen und das ist anstrengend genug. Gerade Kinder, die von zu Hause nicht gefördert werden, haben hier kaum eine Chance an die anderen heranzukommen. Wenn eine Erzieherin den 25 Kindern ihrer Kita-Gruppe ein Angebot macht, können Sie immer wieder beobachten, wer am meisten davon profitiert: diejenigen, die am besten lernen. Also, der Unterschied wird nicht selten größer und nicht kleiner.

Das klingt ernüchternd.

Hilmar Hoffmann: Es gibt Handlungsmöglichkeiten, um das zu ändern, aber nicht mit einer Ausstattung wie wir sie heute haben. Zwar haben sich die Befürchtungen, mit dem Krippenausbau würden auch die Standards heruntergefahren, nicht bestätigt. Und man darf auch nicht ignorieren, dass Bund, Länder und die Träger viel Geld in die Hand genommen haben - aber die Standards reichen nicht aus. Ich fordere keine Eins-zu-Eins-Förderung, sondern einfach nur kleinere Gruppen, in denen man spezifisch die Bildungsprozesse von Kindern unterstützen kann und nicht einseitig auf das Erlernen bestimmter Themen blickt.

Quelle: bildungsklick.de

Ihre Meinung ist gefragt!

Kommentar schreiben




Die angegebene E-Mail-Adresse wird nicht dargestellt, sondern nur für eventuelle Benachrichtigungen verwendet.


Bitte schreiben Sie freundlich und sachlich. Ihr Kommentar wird erst nach redaktioneller Prüfung freigeschaltet.





Ihre Angaben werden nicht an Dritte weitergegeben. Weitere Hinweise zum Datenschutz finden Sie im Impressum.