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Portal für Medienpädagogik und Gewaltprävention: WISSEN-HILFT-SCHÜTZEN.DE gestartet

Anlässlich des Safer Internet Day (SID) am 5. Februar 2019 startet der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig, das neue Portal für Medienpädagogik und Gewaltprävention www.wissen-hilft-schützen.de.
Rörig: „Durch die Anonymität des Netzes ist es für Täter und Täterinnen leicht, mit Minderjährigen in Kontakt zu treten, die die Gefahren sexueller Gewalt durch das Internet oft nicht richtig einschätzen und erkennen können. Viele Fachkräfte, aber auch Eltern, wissen nicht, wie sie Kinder und Jugendliche im Netz begleiten können und wie sie damit umgehen sollen, wenn Mädchen und Jungen bereits mit verstörenden Seiten oder sexuellen Übergriffen im Netz konfrontiert wurden. Auf dem neuen Webportal WISSEN-HILFT-SCHÜTZEN.DE finden Fachkräfte, aber auch Eltern, von Präventionsexperten ausgewählte Materialien und Angebote, die ihnen den Umgang mit dem Thema sexualisierte Gewalt mittels digitaler Medien erleichtern, ihnen dabei helfen, Kinder und Jugendliche besser vor sexueller Gewalt im Netz zu schützen, und ihnen Hilfeangebote aufzeigen.“
Zum Hintergrund: Eine Befragung von Lehrkräften durch die Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia (FSM) von 2018 zeigt, dass sich nur 50 Prozent der befragten Lehrkräfte und Fachpädagogen zutrauen, Kinder und Jugendliche im Umgang mit Online-Risiken zu unterstützen oder zu beraten. 77 Prozent halten Sicherungen und Schutzmechanismen auf Geräten wie Smartphones oder Tablets für richtig. 83 Prozent ordnen den Schutz von Kindern und Jugendlichen höher ein als den freien Zugang zu allen Online-Angeboten. In einer Eltern-Befragung der FSM von 2017 gaben drei Viertel der Befragten an, sich Sorgen um den Schutz ihrer Kinder im Internet zu machen. Nur ein Drittel von ihnen kennt Beschwerdestellen, an die sie sich bei Fragen wenden können. 90 Prozent der Eltern finden, dass der Schutz von Kindern und Jugendlichen wichtiger sei als ein leichter Zugang zu allen Online-Angeboten und würden einen erschwerten Zugang befürworten. Über 80 Prozent der befragten Eltern wünschen sich, dass auch Behörden und Anbieter von sozialen Netzwerken Verantwortung beim Jugendschutz übernehmen. (siehe auch https://www.fsm.de/de/jugendmedienschutzindex)
Auch die Ergebnisse einer repräsentativen Befragung von Eltern im Auftrag des UBSKM von 2017 zeigen, dass sich viele Eltern Sorgen machen, dass ihre Kinder durch die Nutzung von digitalen Medien besonderen Risiken ausgesetzt sind, zum Beispiel durch die unfreiwillige Konfrontation mit sexuellem Bildmaterial (63 Prozent), durch Grooming (46,5 Prozent) oder durch die unfreiwillige Verbreitung von Nacktbildern, sog. Sexting (44,5 Prozent). Über 80 Prozent der Befragten wünschten sich ebenfalls eine stärkere Kontrolle und/oder Eingriffe im Internet – etwa durch Meldemechanismen an die Anbieter.
„Wir dürfen Kinder, Jugendliche, Eltern und Fachkräfte beim Thema sexuelle Gewalt durch digitale Medien nicht länger alleine lassen“, so Rörig. Er fordert eine grundlegende Reform des Kinder- und Jugendmedienschutzes: „Sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche hat sich durch die digitalen Medien fundamental verändert. Immer mehr Minderjährige erleiden sexuelle Übergriffe durch Cybergrooming, durch die Erpressung und Bloßstellung im Zusammenhang mit Sexting und durch die ungewollte Konfrontation mit Pornografie und Exhibitionismus. Bund und Länder müssen beim Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt endlich Farbe bekennen – auch und gerade gegenüber der IT-Wirtschaft. Es darf bei der Reform des Jugendmedienschutzes jetzt nicht noch mehr Zeit ungenutzt verstreichen. Kinderschutz ist keine Wohltat, Kinderschutz ist eine staatliche Pflichtaufgabe.“
Von den Internet-Unternehmen fordert Rörig ein deutlich stärkeres Engagement für den Schutz von Kindern und Jugendlichen im digitalen Raum: „Die IT-Wirtschaft sollte gesetzlich verpflichtet werden, maximalen Kinder- und Jugendschutz im Netz zu gewährleisten. Ich fordere von den Unternehmen, dass sie endlich ihre wichtigste Zielgruppe, die digital natives, bestmöglich vor sexueller Gewalt schützen. IT-Unternehmen können wirksame Zugangsbeschränkungen und Identifikationsverfahren schaffen, realistische Alterskennzeichnungen vornehmen, leicht sichtbare und niedrigschwellige Beschwerdemöglichkeiten für Kinder und Jugendliche einrichten und mit Fachpersonal besetzen sowie kinder- und jugendschutzgerechte Grundkonfigurationen in ihren Apps einführen. IT-Unternehmen müssen in die Verantwortung genommen werden, alles dafür zu tun, dass Kinder und Jugendliche die moderne Mediengesellschaft unbeschwert, sicher und selbstbestimmt nutzen können.“
Das Portal WISSEN-HILFT-SCHÜTZEN.DE richtet sich an pädagogische Fachkräfte, aber auch Eltern. Es bietet einen Überblick über Präventionsmaterialien zur Medienpädagogik und Gewaltprävention sowie zu Fortbildungs-, Hilfe- und Beratungsangeboten. Die Materialien sind jeweils in Kurzbeschreibungen erläutert und verweisen mit einem Klick auf die Herausgeber. Alle Informationsmaterialien des Portals wie Flyer, Videos oder Broschüren wurden von Präventionsexpertinnen und -experten gesichtet und für das Portal nach Zielgruppen (zum Beispiel Kinder, Jugendliche oder Eltern) und Themen (zum Beispiel Sexting, Cybermobbing oder Täterstrategien) kategorisiert. www.wissen-hilft-schützen.de
Informationen zum Safer Internet Day (SID): Seit 2004 findet jährlich im Februar der internationale Safer Internet Day (SID) statt. Der Aktionstag steht für mehr Online-Sicherheit und ein besseres Internet für Kinder und Jugendliche. Weltweit wird der SID vom europäischen Insafe-Netzwerk im Rahmen des CEF Telecom Programms der Europäischen Kommission koordiniert. In Deutschland setzt klicksafe.de den Aktionstag um und ruft dazu auf, sich mit eigenen Aktionen am SID zu beteiligen. https://www.klicksafe.de/ueber-klicksafe/safer-internet-day/

Quelle: Pressemitteilung des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs vom 4.2.2019

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