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Rückblick auf das Forum "Flüchtlingskinder in katholischen Kindertageseinrichtungen"

Thomas Thiel

10.07.2015 Kommentare (0)

Wir alle sehen täglich die Bilder: Menschen auf der Flucht, in maroden Booten, in Flüchtlingslagern oder Asylbewerberunterkünften, darunter viele Kinder. Weltweit beläuft sich ihre Zahl auf etwa 50 Millionen Menschen mit ihren jeweiligen Einzelschicksalen. Allein in Deutschland sind es derzeit knapp 180 000 Schutzsuchende und Flüchtlinge, davon etwa 38 000 Kinder im Alter von 0 bis 6 Jahren. Die Aufnahme und Betreuung der Familien, die Möglichkeiten, Arbeit und angemessenen Wohnraum zu finden, stellen große Herausforderungen dar, ebenso wie der Zugang der Kinder zu Kindertageseinrichtungen und damit zu Bildung.

Der KTK-Bundesverband und das Referat Migration und Integration des Deutschen Caritasverbands (DCV) haben deshalb am 19. Mai 2015 zu einem Forum zum Thema »Flüchtlingskinder in katholischen Kindertageseinrichtungen« nach Frankfurt eingeladen, um Expertinnen und Experten aus der Arbeit mit Flüchtlingen zu ausgewählten Fragestellungen zu hören. Vertreten waren Kita-Leiterinnen und Fachberaterinnen, aber auch Fachleute aus der Kommunalverwaltung, der Flüchtlingsberatung, von Flüchtlingsdiensten und aus der Politik, die alle fundiert Auskunft geben konnten aus ihrem jeweiligen Arbeitszusammenhang. Ziel war es, unter den Aspekten »Sensibilisierung«, »Lobbyarbeit« und »Dienstleistung « Einschätzungen, Erfahrungen und Handlungsprämissen zu identifizieren, um die Arbeit vor Ort in den katholischen Kindertageseinrichtungen und bei den Trägern zu unterstützen, aber auch weiterreichende Vernetzungen von bestehenden Basisstrukturen und einen Materialpool auf solide Füße zu stellen.

Wie und unter welchen Voraussetzungen kann Flüchtlingskindern ein Kitabesuch ermöglicht werden und wann ist ein solches Setting sinnvoll?
Welche konzeptionellen Voraussetzungen sind in Kitas notwendig, um Flüchtlingskindern angemessen begegnen zu können?

Unter diesen Fragestellungen waren zunächst einzelne Forumsteilnehmerinnen und -teilnehmer aufgefordert, in einem kurzen Statement vor dem Hintergrund der Erfahrungen aus dem eigenen Praxisfeld eine Einschätzung zu geben. Diese wurden dann diskutiert und in Handlungsperspektiven gebündelt.

Aus der Fülle der fundierten und engagiert vorgetragenen Erfahrungen und Anregungen seien an dieser Stelle nur einige erwähnt: Einhellig war die Auffassung, dass Flüchtlingskinder nicht in speziellen Einrichtungen, sondern in Regelkitas aufgenommen werden sollen und ihre Zahl nicht zu groß sein sollte (Inklusion). Wichtig ist es also, ausreichend Plätze, besonders für Kinder ab drei Jahren, zu schaff en. Sie benötigen eine sensible Eingewöhnung, denn die Trennung von den Eltern fällt aufgrund ihrer Fluchterfahrungen meist sehr viel schwerer. Eine gute Bindung und Bildung, nicht nur in sprachlicher Hinsicht, ist eine der Grundvoraussetzungen für ihr Ankommen in unserer Gesellschaft. Eine große planerische Herausforderung stellt sicher die Tatsache dar, dass die Kinder nicht zum Stichtag kommen und unter Umständen auch ohne große Vorankündigung die Kita wieder verlassen, wenn die Familien umziehen müssen. Auch konzeptionell brauchen die Mitarbeiterinnen Unterstützung und Qualifizierung, um auf die Lebenssituationen der Flüchtlingskinder angemessen eingehen zu können.

Unter den von Frank Jansen, Geschäftsführer des KTK-Bundesverbands, in seiner Einführung genannten Zielperspektiven »Sensibilisierung«, »Lobbyarbeit« und »Dienstleistung« konnten am Ende der Veranstaltung wesentliche Merkpunkte identifiziert werden, die die Arbeit mit Flüchtlingskindern in katholischen Kindertageseinrichtungen entscheidend unterstützen können:

Fluchtgeschichte findet sich bereits im Alten und Neuen Testament. Dies kann zur Sensibilisierung für das Thema aufgegriffen werden. Entscheidend wird aber auch sein, dass es Eingang in Aus- und Fortbildung der Erzieherinnen findet.

Als Dienstleistungsangebote sollen konzeptionelle Themen wie eine Willkommens- und Abschiedskultur, die Eingewöhnungsfrage und die Erweiterung des KTK-Gütesiegels um den Aspekt Flüchtlingskinder ins Auge gefasst werden, ebenso wie ein Impulspapier zu vorhandenen Basisstrukturen (Was gibt es bereits an Netzwerken?), ein Internetportal mit einem Überblick über vorhandene Materialien (Bücher, Kinderbücher, Broschüren, Flyer) und einen Überblick über Best-Practice-Einrichtungen sowie deren Vernetzung.

Eine politische Stoßrichtung (Lobbyarbeit) ist darin zu sehen, dass das Platzangebot für 3- bis 6-jährige Kinder ausgebaut wird, die Personalressourcen aufgestockt werden für Kindertageseinrichtungen, die Flüchtlingskinder aufnehmen, und die Fortbildungskapazitäten für Mitarbeiterinnen erweitert werden (etwa von 5 auf 10 Tage).

Das Forum war ein gelungener Auftakt und entscheidender Impuls für das Vorhaben des KTK und des Referats Migration und Integration des DCV, katholische Kindertageseinrichtungen in ihrer Arbeit mit Flüchtlingskindern auf mehreren Ebenen zu unterstützen. Wichtige Synergieeffekte kann es dabei sicher auch mit dem vom Bundesfamilienministerium und der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) geplanten bundesweiten Programm "Willkommen bei Freunden" geben.

Diesen Beitrag haben wir aus der aktuellen "Welt des Kindes" mit freundlicher Genehmigung der Redaktion übernommen.

 

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