mehrere Kinder

Schlechtestes Pisa-Ergebnis seit Beginn der Erhebungen Stärkung der frühkindlichen Bildung mit weniger Ressourcen?

11.09.2026 Kommentare (1)

Die aktuellen negativen Pisa-Ergebnisse zeigen den Reformbedarf unseres Bildungssystems. Die ersten Lebensjahre legen das Fundament der späteren Bildungsbiografie und sind für die Persönlichkeitsentwicklung von besonderer Bedeutung.

Um ihrem im SGB VIII verankerten Auftrag, Kinder zu bilden, zu erziehen sowie ihrem Entwicklungsstand gemäß zu betreuen und zu fördern, brauchen Kitas endlich entwicklungsförderliche Rahmenbedingungen. 

Rheinland-Pfalz will aktuell mit Sprachstandserhebungen, Fördermaßnahmen und einem verpflichtenden Vorschuljahr die frühkindliche Bildung stärken.

Gleichzeitig wird das politische Handeln von Kürzungen bestimmt oder werden notwendige Verbesserungen in die Zukunft verschoben. Es fehlt der Wille, Prioritäten zu setzen und die notwendigen Mittel für eine kindgerechte Kita-Qualität zur Verfügung zu stellen. 

Wie passt es zusammen, dass angesichts dringenden Handlungsbedarfs 

  • der Bund verbindliche Tests in Kitas und anschließende Fördermaßnahmen fordert und gleichzeitig die bisherigen Mittel des Bundes (Starchancen- und Qualitätsentwicklungsgesetz) für die Kitas um die Hälfte gekürzt? 
  • im Kinder- und Jugendhilfebereich bei Schul- und Kita-Begleitung gespart werden soll?

Inklusionskräfte sollen zukünftig mehrere Kinder betreuen, bzw. auf sogenannte Poollösungen zurückgreifen. 

  • die Rückmeldungen aus der Praxis in rheinland-pfälzischen Kitas bezüglich schlechter Rahmenbedingungen seit Jahren zahlreich und eindeutig sind, die Evaluation aber auf 2028 verschoben wurde? 

Das 2021 in Kraft getretene Kita-Gesetz muss evaluiert und schnellstmöglich nachgebessert werden. Das versprochene Ziel einer verlässlichen, bedarfsgerechten inklusiven Betreuung aller Kinder mit guter frühkindlicher Bildung und Förderung ist in den meisten Kitas unter den aktuellen Bedingungen nicht erreicht und nur eingeschränkt umsetzbar. Trotzdem will sich die Landesregierung mit der Evaluation des Kita-Gesetzes bis 2028 Zeit lassen. 

  • zurückgehende Kinderzahlen auf kommunaler Ebene häufig nicht zu einer dringend benötigten besseren Personalisierung führen und dazu, mehr Raum zur Verfügung zu stellen, sondern zu Schließungen von Gruppen und Einrichtungen? 

Die verbleibenden Einrichtungen müssen weiter unter den unzureichenden Rahmenbedingungen, unter denen sie ihrem Bildungsauftrag nur eingeschränkt nachkommen können, weiterarbeiten.

  • Freie Kita- Träger seit 5 Jahren auf kommunaler Ebene um die Höhe ihres Eigenanteils streiten, ohne dass eine verbindliche Lösung gefunden wird.

Im Kita-Gesetz steht, dass freie Träger einen angemessenen Eigenanteil erbringen müssen. Über das Wort angemessen wird nun seit Jahren erbittert gestritten. 

  • Bereits bestehende gesetzliche Möglichkeiten von Kita-Trägern nicht ausgeschöpft werden?

Im aktuellen Kita-Gesetz ist festgeschrieben, dass der Kita-Träger ganzjährig den vollen Personalschlüssel vorzuhalten hat. Die Praxis sieht anders aus. Bei weitem nicht alle Träger personalisieren so, dass Urlaub, Fortbildung und Krankheitstage durch genügend fest eingestelltes Personal oder Vertretungskräfte abgedeckt werden. 

Als Fachkräfte aus der Kita-Praxis stimmen wir den Worten des rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten, dass die Kinder unsere größten Schätze sind, vorbehaltlos zu. Jetzt gilt es, dementsprechend zu handeln. 

Wie kann die frühkindliche Bildung gestärkt werden?

  • Der aktuelle Personalschlüssel für Kinder unter zwei Jahren muss zukünftig für alle Kinder unter drei Jahren gelten. 

Auch zweijährige Kinder sind Kleinkinder, die gewickelt werden müssen, viel Assistenz in jeglicher Hinsicht brauchen und emotional auf ständig verfügbare Bezugspersonen, die ihnen Trost und Sicherheit bieten, angewiesen sind.

  • Kitas müssen nicht mehr fast voll belegt werden, um die entsprechenden Personalkosten erstattet zu bekommen.  

Das aktuelle Kita-Gesetz berechnet die Personalisierung nach Köpfen, also nach Kinderanzahl, Alter und Betreuungsstunden. Nach dem Vorgängergesetz bekamen Gruppen mit 15-25 Kindern die gleiche Kostenerstattung bezüglich des Personals. Damit gab es einen deutlich größeren Toleranzspielraum, der unter der aktuellen Regelung stark abgeschmolzen wurde. In Gegenden mit zurückgehenden Kinderzahlen könnte mit einem größeren Toleranzrahmen sehr einfach die Schließung von Einrichtungen verhindert und gleichzeitig die pädagogische Qualität verbessert werden. Kita-Fachkräfte hätten dann mehr Zeit und Raum, um Kinder nicht prioritär zu beaufsichtigen, zu pflegen und Assistenz zu leisten, sondern ihre Interessen und Fragen aufzugreifen und daraus frühpädagogische Angebote zu entwickeln.

  • Es müssen verbindliche räumliche Standard nach fachlichen Vorgaben geschaffen werden, damit ausreichend viele Sanitär-Essens-Schlaf und Ruheräume, aber auch Räume für eine differenzierte pädagogische Arbeit sowie Besprechungen, Vor- und Nachbereitung sowie Elterngespräche zum Standard in den Einrichtungen werden.

Obwohl alle Kinder durchgehend sieben Stunden oder länger betreut werden, wurden vielerorts die räumlichen Bedingungen nicht oder nur unzureichend an die neuen Erfordernisse angepasst.

An kleinen Stellschrauben zu drehen und den Kitas neue zusätzliche Aufgaben zu übertragen, ohne adäquate zeitliche und räumliche Ressourcen zur Verfügung zu stellen, wird keine der erhofften Verbesserungen bringen. Auf dem Papier (Bildungs- und Erziehungsempfehlungen von RLP) haben wir bereits vorbildliche frühpädagogische Standards. Was fehlt, sind entwicklungsförderliche Bedingungen im Kita-Alltag, um eine qualitativ hochwertige frühpädagogische Arbeit sowie eine dem Entwicklungsstand der Kinder gemäße Betreuung und Förderung leisten zu können.


Quelle: Verband KiTa-Fachkräfte Rheinland-Pfalz


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Kommentare (1)

Dr. Erika Butzmann 19 September 2026, 16:08

Die aufgeführten Probleme werden sich nicht lösen lassen aus unterschiedlichen Gründen. Eine Entlastung gäbe es jedoch, wenn der Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz für die Eltern der Einjährigen aufgehoben und die Krippen Kinder erst ab zwei Jahre aufnehmen würden. Dann gäbe es viel Luft beim Personal und den Räumen. Denn es ist nachgewiesen, dass Bildung für die Einjährigen in den Krippen nicht stattfindet aus entwicklungspsychologischen Gründen! Es gibt stattdessen Verhaltensauffälligkeiten bei einem großen Teil der Kinder, die die frühe Trennung von den Eltern nicht vertragen.

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