Schluss mit der Abgeltungssteuer!
Die Nubbek-Studie hat ergeben, dass die Entwicklungs- und Bildungschancen gerade von Kindern aus sozial benachteiligten Familien in guten Kitas wachsen. Eine sehr gute Kita, das heißt auch immer: ausreichend und gut ausgebildetes Personal. Ergänzend dazu erfahren wir über eine Studie aus dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, dass je mehr Fachkräfte sich um die Kinder in der Kita kümmern, weniger Kinder im Alter von fünf und sechs Jahren krank sind. Einbezogen waren auch Krankheiten wie Neurodermitis und Mittelohrentzündung (vgl. Süddeutsche Zeitung, 15. Mai, S. 5). Wir brauchen also zum einen für die Gesundheit, zum anderen für die Bildungschancen der Kinder mehr gut ausgebildetes Personal.
Nun hat die Bundesregierung das Sondervermögen Kinderbetreuung von 450 Millionen auf eine ganze Milliarde Euro für den Ausbau von Kindertageseinrichtungen und die Ausbildung von Fachkräften bis zum Jahr 2017 aufgestockt. Dies ist ein großer Fortschritt für die Frühpädagogik. Aber wird das Geld für bessere Gehälter von ErzieherInnen reichen? Der ständig beklagte Fachkräftemangel in der Frühpädagogik hängt doch auch damit zusammen, dass ErzieherInnen nicht adäquat bezahlt werden. Ich möchte vorschlagen, die lobenswerte Initiative der Bundesregierung noch aufzustocken, denn ohne Gehaltsverbesserungen bei den Fachkräften wird der Fachkräftemangel nicht zu beheben sein. Wir sollten einmal auf das Steuerrecht schauen, um weitere Ressourcen für die Bildung zu entdecken.
So sieht es zur Zeit aus: Wer arbeitet, zahlt bis zu 45 % Einkommenssteuer. Wer aber Vermögen hat, dessen Zinsen, Dividenden und Kursgewinne werden nur mit 25 % besteuert, das ist die sog. Abgeltungssteuer. Wer also Geld hat, das für ihn arbeitet, ist um Einiges besser dran als die, die selbst arbeiten müssen.
Schon 2010 forderten die Grünen die Abschaffung der Abgeltungssteuer zugunsten einer Kapitalertragssteuer, bei der die Vermögenden genauso besteuert werden sollten wie die ArbeitnehmerInnen. Dem haben sich die SPD-Regierungen der Länder angeschlossen und auch die CDU tritt dem Gedanken näher. Dagegen sind CSU und FDP. Schau'n wir mal, wer sich in der Koalition durchsetzen kann.
Eine Kapitalertragssteuer kann den Normalbürger und Lieschen Müller nicht aus der Fassung bringen. Sie würde aber ein bisschen mehr Gerechtigkeit zwischen sehr Wohlhabenden und GehaltsbezieherInnen schaffen. Für die frühe Bildung könnte sie eine bessere Bezahlung der Fachkräfte ermöglichen. Und das ist ja nicht die einzige Bildungsbaustelle, die wir in Deutschland haben.
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