mehrere Kinder

Situation auf dem Balkan: Kinderflüchtlinge brauchen Schutz

22.10.2015 Kommentare (0)

Save the Children ist seit Jahrzehnten weltweit entlang der Fluchtrouten im Einsatz, auch an der Balkanroute. Mitarbeiter vor Ort berichten von einer sich täglich verschärfenden Situation. Grenzschließungen oder -öffnungen nach Belieben führen zur Verzweiflung der Flüchtlinge und der Helfer. Entsprechend dramatische Szenen spielen sich an den Grenzen ab. Slowenien hat nun angekündigt, seine Armee einzusetzen, um Flüchtlinge aufzuhalten.

„Das Militär zur Abwehr von Flüchtlingen einzusetzen, ist ein menschenverachtendes Mittel und ein Armutszeugnis der europäischen Politik", sagt Bidjan Nashat, Programmdirektor bei Save the Children Deutschland. „In der vergangenen Woche ist bereits ein Flüchtling an der Grenze zu Bulgarien erschossen worden. Solche Fälle werden sich häufen, wenn die EU bei ihrer Abschottungspolitik bleibt."

Die weltweit größte unabhängige Kinderrechtsorganisation Save the Children spricht sich gegen Grenzschließungen und Transitzonen aus. „Menschen, die aus Krieg, Hunger, Elend, Perspektivlosigkeit und aus Angst um das Leben ihrer Kinder fliehen, werden sich von kurzsichtigen Maßnahmen wie Grenzzäunen und Transitzonen nicht abschrecken lassen. Es ist ja noch nicht einmal klar, wie diese Transitzonen genau aussehen sollen", bemängelt Nashat. „Klar ist nur, dass die politischen Akteure die Probleme, die wir auch in Deutschland mit der Unterbringung von Flüchtlingen haben, in diese Zonen verschieben. Wer aber die Herausforderungen bewältigen will, der muss endlich eine konstruktive Debatte darüber führen, wie wir den Menschen in Europa den Schutz gewähren, der ihnen laut Europäischer Menschenrechtskonvention und UN-Kinderrechtskonvention zusteht. Schon jetzt leiden vor allem die Kinder unter dem herrschen den Chaos."

Save the Children sieht einen Teil der Lösung darin, endlich legale Zuwanderungswege nach Europa zu schaffen. Die Kinderrechtsorganisation fordert die EU- Mitgliedsstaaten ebenso auf, ein effektives und permanentes System für die Neuansiedlung von schutzbedürftigen Flüchtlingen in Europa zu beschließen. Save the Children setzt sich für die Neuansiedlung von 5 Prozent aller syrischen Flüchtlinge in Europa bis 2016 ein. Außerdem fordert die Organisation die europäischen Mitgliedstaaten auf, ihre Aufnahme- und Versorgungskapazitäten aufzustocken. Kinderschutz muss dabei dringend in den Vordergrund rücken. Das beinhaltet auch, kindergerechte Standards bei der Unterbringung von Flüchtlingen einzuführen, die einen angemessenen Zugang zu Gesundheitsversorgung und Bildung garantieren.

Save the Children arbeitet u. a. an der griechisch-mazedonischen Grenze. Dort überqueren täglich über 5.000 Menschen die Grenze zu Fuß, an manchen Tagen sind es sogar 8.000, 20 Prozent davon sind Kinder. Die Schutzsuchenden dürfen maximal 72 Stunden im Land bleiben und sollen dabei keinen Kontakt zu lokalen Gemeinden aufnehmen.

Eine Syrerin hat Mitarbeitern der Kinderrechtsorganisation in Serbien berichtet, wie sie und ihre Familie bei einer Attacke mit ungarischen Wasserwerfern und Tränengas niedergetrampelt wurden.

SOS-Kinderdörfer warnen vor Flüchtlingstragödie auf dem Balkan

Angesichts des bevorstehenden Winters warnen die SOS-Kinderdörfer weltweit vor einer Flüchtlingstragödie auf dem Balkan. „Wenn jetzt nichts geschieht, ist es nur eine Frage der Zeit, bis das erste Flüchtlingskind an einem Grenzübergang oder in einem Flüchtlingszug an einer Lungenentzündung stirbt", sagte SOS-Mitarbeiterin Katharina Ebel nach ihrer Rückkehr von der serbisch-mazedonischen Grenze.

Am Grenzübergang im serbischen Presevo stehen täglich tausende Flüchtlinge Schlange, um bei der Einreise in Serbien registriert zu werden. „Die Flüchtlinge warten stundenlang ungeschützt im Regen und viele der Kinder sind krank – wenn der Winter kommt, dann ist das gerade für Babys lebensbedrohlich", so die SOS-Mitarbeiterin.
Behörden und Helfer seien durch die hohe Zahl durchreisender Flüchtlinge überfordert. „Es werden dringend beheizbare winterfeste Zelte oder Wohncontainer benötigt sowie mobile Hilfsteams, die entlang der Flüchtlingsroute schnell vor Ort sein können", sagte SOS-Mitarbeiterin Ebel. Auch der Grenzzaun an der ungarisch-kroatischen Grenze drohe die Flüchtlingskrise auf dem Balkan zu verschärfen.

Die SOS-Kinderdörfer in Serbien verstärken ihre Nothilfe: SOS-Mitarbeiter versorgen Kinder und Familien auf der Flucht mit Hilfsgütern wie Kleidung oder Babynahrung. Die Kinderhilfsorganisation richtet zudem Nothilfe-Kitas für kleine Kinder und Mütter ein und bietet medizinische Hilfe.

Quellen: OTS: Save the Children Deutschland e.V. vom 21.10.2015, OTS: SOS-Kinderdörfer weltweit/Hermann-Gmeiner-Fonds vom 15.10.2015

 

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