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Interview: Smart Toys im Kinderzimmer – intelligentes und vernetztes Spielzeug

Vernetztes Spielzeug wie sprechende Kuscheltiere und Puppen, hat längst Einzug in Kinderzimmer gehalten. Auf was sollte bei der Nutzung geachtet werden? Wie können Eltern und Pädagog(inn)en Kinder und Jugendliche dabei begleiten, souverän mit vernetztem Spielzeug umzugehen? Antworten gibt es im Interview des Initiativbüros „Gutes Aufwachsen mit Medien“ mit Julia Fastner. Sie arbeitet als Fachreferentin im Bereich Internet für Kinder bei jugendschutz.net.

Sprechende Teddybären und Puppen, scheinbar lebendige Figuren aus Büchern und Spielen sowie programmierbare Roboter – digitale Spielzeuge, sogenannte Smart Toys, haben in Kinderzimmer längst Einzug gehalten. Das Angebot ist groß und reicht von Puppen, mit denen sich Kinder unterhalten oder sogar eine Fremdsprache lernen können, Kuscheltieren, die weinenden Babys sensorgesteuert ihre Lieblingslieder vorspielen und programmierbaren Robotern bis zu interaktiven Büchern.

Vernetztes und smartes Spielzeug bietet zeitgemäßen Spiel- und Lernspaß, birgt aber auch Herausforderungen, wenn es darum geht, dass Kinder und Jugendliche sicher spielen und dabei positive Erfahrungen sammeln können. Was gibt es beim Kauf von digitalem Spielzeug zu beachten? Woran können sich Eltern und pädagogische Fachkräfte orientieren? Und wie können Heranwachsende in einem sicheren und kompetenten Umgang mit vernetztem Spielzeug begleitet werden? Darüber sprachen wir mit Julia Fastner, Fachreferentin im Bereich Internet für Kinder bei jugendschutz.net, dem gemeinsamen Kompetenzzentrum von Bund und Ländern für den Schutz von Kindern und Jugendlichen im Internet.

Smart Toys – was ist das überhaupt?

„Vernetztes Spielzeug, auch Smart Toys genannt, zeichnet sich dadurch aus, dass es die Umgebung wahrnehmen, erkennen und zugleich auch auf die Umgebung – zum Beispiel durch Sensoren – reagieren kann“, erläutert Julia Fastner. „Manche Smart Toys sind auch mit einer künstlichen Intelligenz ausgestattet. Das bedeutet, dass sie in der Lage sind durch die Reaktionen der Kinder zu lernen. Im Gegensatz zu herkömmlichem Spielzeug reagiert vernetztes Spielzeug auf die Umwelt und interagiert mit Kindern“. Vernetztes Spielzeug kann in zwei verschiedene Arten eingeteilt werden: Spielzeug, das offline genutzt werden kann und solches, das mit dem Internet verbunden wird, zum Beispiel mittels Smartphone oder Tablet. Häufig gehört dann auch die Nutzung einer passenden App zum Spielzeug dazu.

Der große Reiz von vernetztem Spielzeug besteht darin, dass es auf Kinder reagieren und sich zum Teil auch an Vorlieben und Bedürfnisse von Heranwachsenden anpassen kann. „Das Spiel ist also nicht nur einseitig den Kindern überlassen, sondern es kann eine intensivere Art der Interaktion stattfinden. Die Beschreibung 'Das Spielzeug spielt zurück' erläutert ganz gut, worin die Faszination an Smart Toys besteht“, sagt Julia Fastner.

Chancen und Herausforderungen von Smart Toys

Julia Fastner sieht in vernetztem Spielzeug die Chance, dass Kinder sich schon früh mit der digitalen Welt vertraut machen können: „Einige Spielzeuge haben den Vorteil, dass sie über Sprache gesteuert werden und ohne Lesekenntnisse funktionieren. Durch diese leichte Bedienung können auch schon junge Kinder digital teilhaben. Ich denke, dass Teilhabe insbesondere im Bildungsbereich sehr wichtig ist und die Nutzung digitaler Geräte und Spielzeuge dort von großem Vorteil sein kann: Lernen wird so erfahrbarer und facettenreicher und gleichzeitig kann die Motivation gestärkt werden zu lernen, zu erkunden und eigene Erfahrungen zu machen.“

Flauschige Teddybären oder niedliche Puppen sehen zunächst harmlos aus und werden von Kindern oft als Freundinnen und Freunde wahrgenommen, denen man alles erzählen kann. Doch sobald Spielzeuge mit einer Kamera ausgestattet sind oder mit dem Internet verbunden werden können, sollten sich Eltern und pädagogische Fachkräfte auch der damit verbundenen Herausforderungen bewusst sein, um Kinder sicher bei der Nutzung von Smart Toys begleiten zu können. Aus Sicht von jugendschutz.net gibt es vier zentrale Risiken, die es zu beachten gilt: Datenschutz und -sicherheit, möglicher Kontakt zu Fremden, Konfrontation mit ungeeigneten Inhalten sowie Werbung und Kostenfallen.

Im Hinblick auf das Thema Datenschutz erläutert Julia Fastner, dass für die Nutzung einiger vernetzter Spielzeuge sehr persönliche Angaben, wie zum Beispiel ein Foto, die Vorlieben oder die Stimme des Kindes, verlangt werden. „All das kann ein Risiko darstellen, weil es sich hier um sensible Daten von Kindern handelt. So können sehr genaue Persönlichkeitsprofile von Kindern erstellt werden, die dann zum Beispiel auch für Werbezwecke zweckentfremdet werden“, ergänzt sie. Was die Datensicherheit angeht, besteht das Risiko, dass Daten auf den Servern der Anbieter nicht immer ausreichend gesichert sind, sodass diese unter Umständen auch Fremde stehlen können. Sind Smart Toys so schlecht gesichert, dass sie auch von Dritten gehackt werden können, besteht das Risiko, dass Fremde Kontakt zu Kindern aufnehmen. „Ich erinnere mich an die Puppe „Cayla“, die schließlich von der Bundesnetzagentur als Spionagegerät verboten wurde, da sie eine ungesicherte Bluetooth-Verbindung hatte“, berichtet Julia Fastner.

Bei Spielzeugen, die sich mit dem Internet verbinden können, besteht für Heranwachsende auch das Risiko mit ungeeigneten Inhalten, wie zum Beispiel mit gewalthaltiger Sprache, konfrontiert zu werden. Bei der Nutzung von Smart Toys und den dazugehörigen Apps können Kinder zudem mit Werbung und Kostenfallen wie In-App-Käufen konfrontiert werden. „So können für Kinder Anreize geschaffen werden, die sie zum Beispiel dazu verleiten noch mehr Produkte des Anbieters zu kaufen“, sagt Julia Fastner.

Viele Produkte mit Spracherkennung, also zum Teil auch die Technik, die hinter vernetztem Spielzeug steckt, sind nicht für Kinder als Zielgruppe, sondern für Erwachsene programmiert, werden aber auch von Heranwachsenden genutzt. Bei der Suche nach einem bestimmten Thema im Netz werden Kindern dann zum Beispiel Suchergebnisse angezeigt, die nicht kindgerecht verständlich aufbereitet sind. Dabei gibt es sehr gute Angebote für Kinder, wie die Kindersuchmaschine Blinde Kuh oder die Arbeitsgemeinschaft vernetzter Kinderseiten Seitenstark. „Hier wäre es schön, wenn solche Angebote für Kinder von den Anbietern von Produkten mit Spracherkennung mitgedacht würden“, meint Julia Fastner.

Tipps für Eltern und pädagogische Fachkräfte

Überlegen Eltern und pädagogische Fachkräfte vernetztes Spielzeug zu kaufen, rät Julia Fastner zunächst, sich bewusst zu machen, dass Smart Toys in der Regel eine Verbindung zum Internet haben und somit auch Risiken in der Nutzung bestehen können. Dann ist es ratsam, sich verfügbare Informationen zum Spielzeug anzuschauen, um sich einen Überblick über das Produkt zu verschaffen. Gut ist es, sich die Packungsinformationen eines Spielzeuges durchzulesen und zu schauen, ob es AGB und/oder Datenschutzerklärungen zum Produkt gibt.

Eine gute Orientierung bietet auch die Webseite klick-tipps.net, ein Empfehlungsdienst für gute Kinderseiten und -Apps. Auf dieser Seite ist auch von jugendschutz.net getestetes und bewertetes vernetztes Spielzeug  zu finden. Zudem ist es hilfreich, zu schauen, ob das Spielzeug verlässliche Auszeichnungen wie beispielsweise den TOMMI Kindersoftwarepreiserhalten hat. Auch rät Julia Fastner Eltern, sich die ggf. zum Spielzeug zugehörige App vorher zu installieren und auch im Hinblick auf Werbung und In-App-Käufe anzusehen. Dabei ist es auch sinnvoll, mögliche Bewertungen der App im Appstore mit anzusehen. Zu guter Letzt sollten sich Eltern ansehen, welche Sensoren ein Spielzeug nutzt und wofür Kamera und Mikrofon verwendet werden, wenn sie im Spielzeug integriert sind.

Voraussetzung für eine sichere und souveräne Nutzung von Smart Toys ist ein verantwortungsvolles Verhalten von Eltern und Fachkräften. Dazu gehört, die eigene Vorbildrolle wahrzunehmen und den Umgang mit sensiblen Daten bewusst zu reflektieren. „Nutzen pädagogische Fachkräfte in ihrer Arbeit Smart Toys, ist es insbesondere wichtig, Eltern miteinzubeziehen, da es sich hier um sensible Daten – Daten von Kindern – handelt“, betont Julia Fastner. Grundsätzlich ist es wichtig, dass Kinder mit dem vernetzten Spielzeug nicht einfach alleine gelassen werden, sondern gemeinsam gespielt und ausprobiert wird: „Hier bietet sich auch an, zusammen Mediennutzungsregelungen zu vereinbaren und über mögliche Herausforderungen, die bei der Nutzung entstehen können, zu sprechen und aufzuklären.“

Sinnvoll für die Nutzung von Smart Toys ist auch eine sichere Einstellung der Geräte wie Smartphone oder Tablet über den Menüpunkt „Einstellungen“, sodass sensible Daten möglichst geschützt und In-App-Käufe deaktiviert werden. Sobald das vernetzte Spielzeug nicht mehr genutzt wird, empfiehlt Julia Fastner, die Bluetooth-Verbindungen auszuschalten und die App auf dem Smartphone oder Tablet zu deinstallieren.

Weitere Informationen

Quelle: Initiativbüro „Gutes Aufwachsen mit Medien“

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