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Kind auf Schaukel

Sozial-emotionale Kompetenzen und Persönlichkeitsentwicklung von KiTa-Kindern fördern

Marie-Anne Raithel

15.06.2018 | Fachbeitrag Kommentare (0)

In den ersten Lebensjahren können in der KiTa sozial-emotionale Kompetenzen spielerisch und an den Ressourcen des einzelnen Kindes orientiert, entwickelt und erfahrbar gemacht werden.Die aktuellen Erkenntnisse und Forschungsergebnisse aus der Hirnentwicklungsforschung und der Entwicklungspsychologie bestätigen, dass der Gestaltung von Erziehungs- und Bildungsprozessen von jungen Kindern in Kindertageseinrichtungen entwicklungspsychologisch eine besondere Aufgabe zukommt.Der Rolle der Erzieherin kommt dabei ein hoher Stellenwert zu. Sie ist in diesem Zusammenhang als soziales Lernmodell für die Kinder in einer verlässlichen und zugewandten Beziehungsgestaltung erfahrbar und kann gezielt soziale Prozesse anstoßen und die Entwicklung sozial-emotionaler Fähigkeiten und kommunikativer Kompetenzen begünstigen. Sprache und soziales Verhalten stehen in einem engen wechselseitigen Zusammenhang und sind ein elementares Bindeglied für zwischenmenschliche Beziehungen. Die Kinder können bereits in der KiTa-Zeit gestärkt werden, um auf ihrem weiteren Weg zu einer starken Persönlichkeit wachsen und reifen zu können. So lernen sie selbstbewusst, offen, neugierig und mit Interesse und erhalten damit  Bildungschancen. 

Was genau sind soziale und emotionale Kompetenzen? 

In dem Fachbuch Resilienz- Reinhardt (UTB-Profile)beschäftigt sich Prof. Dr. Fröhlich-Gildhoff & Rönnau u.a. mit den Begrifflichkeiten. Zusammengefasst kommen die Autoren zu folgenden Erkenntnissen:

Soziale Kompetenz bezeichnet sowohl den Komplex von persönlichen Fähigkeiten und Einstellungen, die dabei helfen, mit sich selber gut klar zu kommen als auch die Fähigkeit, das eigene, individuelle Verhalten angemessen im Umgang mit anderen Menschen auszurichten. 

Allgemein kann unter emotionaler Kompetenz die Fähigkeit verstanden werden, sich seiner eigenen Gefühle bewusst zu sein, sowie die eigenen Gefühle mimisch und sprachlich zum Ausdruck bringen und eigenständig regulieren zu können. Ferner umfasst diese Kompetenz die Fähigkeit, die Emotionen anderer Menschen erkennen und angemessen damit umgehen zu können.

Umsetzung von sozial-emotionale Kompetenzen im KiTa-Alltag  

In der Praxis können Erzieherinnen in den vielfältigsten Kontexten der KiTa-Arbeit soziale, emotionale und kommunikative Kompetenzen stärken. Im Stuhlkreis, in Rollenspielen, beim Vorlesen einer Geschichte, Malaktionen, Spielen in der Bauecke, Puppenspielen oder im Sandkasten können Kinder sich selbst und andere im Umgang miteinander beobachten und erfahren und wichtige Erkenntnisse und Aspekte der Selbst- und Fremdwahrnehmung dabei spielerisch kennenlernen. Quasi im Spiel entstehen und erfahren sie Strategien zu Anpassungsmöglichkeiten, Problemlösestrategien und Handlungsperspektiven und können diese in konkreten Spielsituationen auch sicherer einsetzen. 

Die ungeteilte Aufmerksamkeit als erzieherische Kompetenz nutzen

Bei allen Interventionen ist eine „ungeteilte Aufmerksamkeit“ für das Kind etwas wie eine kleine Zauberformel. Sie umfasst kurze und regelmäßige  Interaktionen. Eine achtsame Beziehung zwischen der ErzieherIn und dem Kind, die das Verhalten und Tun im Hier und Jetzt erfahrbar macht, z.B.  „was macht es gerade in dem Moment gut“, schafft eine weitere wertvolle Grundlage für soziale und emotionale Kompetenzen. Langfristig dies dazu beitragen eine vertrauensvolle Bindung aufzubauen und damit ein wesentlicher Resilienzfaktor im Leben eines kleinen Menschen gelegt werden.   

Die KiTa ist damit ein sehr früher Bildungsort, der das Sozialverhalten und die emotionale Regulation im Lebensraum von Kindern spielerisch stärkt und eine Lebens- und Erfahrungsgrundlage für die Grundschule, weiterführende Schulen, Freizeit, Spielplatz, Umgang mit Freunden und der Familie ist.

Spielerisch mit Handpuppen Kompetenzen vermitteln und lernen

Handpuppen sind ein wertvolles pädagogisches ‚Medium‘zu Kindern, wenn diese im konzentriert-ruhigen Spiel einen besonderen Erfahrungs- und Beziehungsraum erleben. Das Spiel erlaubt Kindern frei von Leistungsansprüchen neue Fertigkeiten in einem angemessenen und sicheren Rahmen auszuprobieren, um für sich Lösungen und Strategien für Probleme zu finden und emotionale Konflikte zu bewältigen. Achtsamkeit, die Wahrnehmung und Stärkung von Gefühlen und Bedürfnissen, Entwicklung von Empathie für sich selbst und andere werden im Spiel gefördert. Handpuppen lassen sich im Einzelkontakt sowie in der Gruppenarbeit gut integrieren und bieten darüber hinaus Spielraum, eigene Methoden der Umsetzung zu entwickeln. Behutsam lässt sich z.B. im Einzelkontakt mit dem Einsatz einer Handpuppe eine vertrauensvolle Gesprächsbasis aufbauen. Das Einfühlungsvermögen eines Kindes, das auch „ein Päckchen zu tragen“ hat, sei es, weil es aggressiv oder wütend, sehr schüchtern, zurückgezogen ist, erfährt auch ein Wachstum an Kompetenzen, wenn eine Handpuppe oder ein Plüschtier zu einem guten Helfer, als Vermittler oder als  Projektionsfläche für seine Wut und Aggression, für Unverstandenes eingesetzt wird. Denn Puppen und Tiere dürfen wütend sein, traurig sein und sich ganz viel erlauben und haben auch Handlungsmöglichkeiten, die jenseits unseres Verstandes liegen. So können im Laufe der KiTa-Zeit eines Kindes neue Handlungsspielräume für selbstsicheres Verhalten und die Förderung von sozialen Interaktionen leicht angeleitet werden. Für Erzieherin und Kind/er entsteht ein freier Raum, der eine auf der Ebene des Kindes stattfindende Kommunikation nonverbal oder verbal erlebbar macht. 

Handpuppen verstehen Kinder ohne große Worte

Handpuppen sind einfühlsame Türöffner zur kindlichen Welt und geben auch in der Welt der sozialen und emotionalen Kompetenzen dem Ausdruck, was jenseits von Sprache und Worten liegt – sie verstehen Kinder ohne große Worte. Empathisch, liebevoll, mit Kreativität und Phantasie folgen die Handpuppen der Spur von Kindern, gehen auf die Einzigartigkeit, Individualität und Stärke jedes Kindes ein. Handpuppen zeigen den Kindern Wege der eigenen Wahrnehmungs- und Gefühlswelt zu vertrauen. So lernen die Kinder auf spielerische Art und Weise, Emotionen auszudrücken und ihr Gefühls-Vokabular zu erweitern. Die Kinder lernen die qualitativ erfahrene Gefühlsbreite auch im Laufe ihrer Kita-Zeit besser zu verbalisieren und/oder kreativ zum Ausdruck zu bringen.Von diesen Kompetenzen profitiert ein Kind später in seinem Grundschulalltag.  

Spielerische Sprachförderung 

Im Rahmen der Sprachförderung profitieren Kinder und ErzieherInnen auch sehr vom Einsatz einer Handpuppe. Wenn Kinder noch nicht Wünsche, Bedürfnisse sowie für sie Unerklärliches artikulieren, erleichtert gerade dieses Medium die Kontaktaufnahme und den Zugang und wird zu einer Art Botschafter und ermutigt. Dies kann auch von großer Bedeutung sein, wo die Sprache noch nicht ganz genau das Gefühl erfasst oder auszudrücken vermag. Neben der Neugier und Freude des Kindes am Entdecken der Puppe vermag eine Handpuppe Kinder darin zu unterstützen, sich selbst einfühlsam und offen zu begegnen. Und das im Spiel!

Sozial-emotionale Kompetenzen - Freude am Lernen 

Kompetenzen lassen sich in den unterschiedlichsten Kontexten der Kindergartenarbeit fördern und Handpuppen haben vielfältige Einsatzmöglichkeiten z.B. im Spiel mit einem einzelnen Kind, in der sozialen Gruppenarbeit sowie einer gezielten Sprachförderung. Ob eine Handpuppe in Form eines klugen Tiers, einer weisen Zauberin, Fee oder einem starken Held aus der Phantasiewelt der Kinder eingesetzt wird, ist dabei ganz individuell für jedes Kind erfahrbar und geeignet unterschiedlicheLerninhalte zu vermitteln. Situationen werden in jedem Fall aufgelockert, Perspektiven gewechselt und neue Sichtweisen können eingenommen werden. Insgesamt unterstützen Handpuppen Kinder darin, ihre kreativen und kommunikativen Fähigkeiten auszuprobieren, ganz nebenbei wird die Fein- und Grobmotorik  im Puppenspiel gefördert! Themen, die sich an den Bedürfnissen von jungen Kindern und ihren Eltern orientieren, können gemeinsam mit den Kindern kreativ ausgearbeitet, variiert, angepasst und weiter ausgebaut. 

Jede Umsetzung einer Aktion mit einer Handpuppe oder Interaktion in einer Gruppe von Kindern ist spannend, macht neugierig, ist anders und herausfordernd. Sie bietet Möglichkeiten, authentisch, empathisch und professionell die Bedürfnisse von Kindern zu erfassen und Bildungsarbeit zugleich zu gestalten. Zusammen mit den Kindern kann auf alltagsrelevante Fragen und Themen eingegangen werden. Was bemerkenswert ist: Auch die eigene Haltung im pädagogischen Kontext kann so immer wieder leicht reflektiert werden. So äußerte ein Mädchen in einer Vorbereitungsstunde für Vorschulkinder zum Thema „Spielerisch mache ich es anders“, was ihr wichtig ist. Mit Nachdruck äußerte sie:  

Wer lacht, ist fröhlich, und Fröhlichsein hilft gegen Traurigsein. 

Dann hat man schon ein Problem weniger.“ 

Wenn sozial-emotionale und kommunikative Kompetenzen so leicht und gleichzeitig fast schon weise zum Ausdruck gebracht werden, kann man wohl auch von einer gut integrierten Lernerfahrung sprechen. 

Autorin: 

Marie-Anne Raithel ist Heilpraktikerin für Psychotherapie und hat zwei Jahre in einer Kinder- und Jugendpsychiatrischen und Psychotherapeutischen Klinik mitgearbeitet. Erfahrungen in klinischer Diagnostik und Therapie, insbesondere in der Arbeit mit Kindern und AD(H)S.  In KiTas und Grundschulen ist sie als Dozentin sowie als Coach mit langjähriger Erfahrung in der Aus- und Weiterbildung von Erzieherinnen tätig. Ihre Themenschwerpunkte sind sozial-emotionale Entwicklung, insbesondere bei belasteten Kindern und Entwicklungspsychologie sowie Stärkung von Elternkompetenzen.

Homepage: www.herzwesen.de

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