Stellungnahme zum Konzept „Vorschule für alle“ der Landtags-Grünen
Der Kita-Fachkräfteverband Bayern begrüßt den Austausch zum Konzept „Gemeinsam stark starten - eine Vorschule für alle“ und die Wertschätzung unserer Verbandsarbeit. Nach intensiver Prüfung möchten wir jedoch unsere fachlichen Bedenken deutlich machen.
Kritische Gedanken zum Vorschulkonzept
Die Einführung einer zusätzlichen „Vorschule“ halten wir für den falschen Weg. Das Konzept ist in der Praxis schwer umsetzbar und bringt Nachteile für Kinder, Familien und Fachkräfte mit sich:
- In Zeiten massiven Fachkräftemangels ist die geforderte Ausstattung mit multiprofessionellen Teams nicht realistisch.
- Viele Grundschulen verfügen nicht über die räumlichen Kapazitäten, um Kita-Kinder vormittags aufzunehmen.
- Kinder brauchen im Übergang zur Schule vor allem stabile Bindungen und Kontinuität.
- Wir befürchten, dass zusätzliche Betreuungswechsel in die Grundschule hinein die ohnehin durch Fachkräftemangel, Teilzeit- und Jobsharing-Modelle häufigen
- Beziehungsabbrüche noch verstärken, zum Nachteil des kindlichen Wohlbefindens.
- Eltern und Einrichtungen stünden vor neuen logistischen und organisatorischen Herausforderungen.
Bestehende Bildungsaufträge anerkennen
Wir betonen, dass es in Bayern bereits einen wissenschaftlich fundierten Bildungs- und Erziehungsplan (BEP) sowie verbindliche gesetzliche Regelungen gibt. Diese decken die von den Grünen angestrebten Inhalte: die Sprachförderung, soziale und emotionale Kompetenzen, Bewegung, Mathematik, kulturelle Bildung, lernmethodische Kompetenzen und viele weitere Bildungsbereiche umfassend ab. Auch Programme wie der „Vorkurs Deutsch“ sichern zusätzliche Förderung. Es mangelt nicht an Konzepten, sondern an den Bedingungen für deren Umsetzung.
Rahmenbedingungen statt neuer Strukturen
Für eine bestmögliche Begleitung aller Kinder braucht es keine neuen Vorschulmodelle, sondern stabile Rahmenbedingungen in den bestehenden Kitas. Entscheidend sind das von der Wissenschaft benannte „Eiserne Dreieck“ Personalschlüssel, Gruppengröße und Ausbildungsqualität. Hier besteht seit Jahren erheblicher Verbesserungsbedarf. Nur wenn diese Grundlagen stimmen, können Kitas ihrem Bildungsauftrag gerecht werden und Kindern sichere, förderliche Lern- und Lebensräume bieten.
Appell an Politik und Gesellschaft
Wir teilen das Ziel besserer Bildungschancen, lehnen jedoch zusätzliche Strukturen auf instabiler Basis ab. Statt neue Modelle einzuführen, fordern wir die konsequente Stärkung der bestehenden Kitas. Investitionen in Personal, Qualität und Verbindlichkeit sind der Schlüssel. Nur so lassen sich Chancengerechtigkeit, Kinderschutz und hochwertige Pädagogik nachhaltig sichern.
Wir danken für den Dialog und laden zu einem weiteren konstruktiven Austausch ein.
Der Vorstand des Kita-Fachkräfteverbands Bayern
Quelle: Kita-Fachkräfteverbands Bayern

