"Stolperchancen" bei Bildungsgerechtigkeit
Bildungserfolg hängt in Deutschland stark von der sozialen Herkunft ab. Unter dem Titel "Bildungserfolg und Bildungschancen für alle?!" lud der Verband binationaler Familien und Partnerschaften, iaf e.V. am 18. November 2011 in Frankfurt zu einer Fachtagung ein, um dazu aktuelle Forschungsergebnisse und Ansätze aus der Bildungspraxis zu diskutieren.
Das Bildungssystem in Deutschland ist auf den demographischen Wandel nicht gut vorbereitet: Während im Bundesdurchschnitt gegenwärtig rund 35% der Kinder unter fünf Jahren einen Migrationshintergrund haben, in Großstädten sogar mehr als 50%, sind es bei den Lehrer/innen gerade mal 1,8%. Dabei könnten gerade sie ein Vorbild für Schüler/innen mit Migrationshintergrund sein, dass eigene Anstrengung in der Schule und Ausbildung sich lohnt, verdeutlicht Cahit Basar, Sprecher des Netzwerkes der Lehrkräfte mit Zuwanderungsgeschichte in NRW.
Doch genau das erleben Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund oft anders. In Deutschland hängt der Bildungserfolg mehr als in den meisten anderen Ländern vom sozialen Status der Eltern ab, also von ihrem Bildungs- und Berufsstand. Mit der Studie "Kaum Bewegung, viel Ungleichheit" macht Dr. Reinhard Pollack vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung deutlich, dass Migrationshintergrund diesen Effekt noch verstärkt. Damit leistet sich Deutschland viel Ungleichheit, was zu Ungerechtigkeit den Kindern gegenüber und zu hohen gesellschaftlichen Folgekosten unzureichender Bildung führt.
"Die in offiziellen Reden gern beschworene 'Willkommenskultur' könnte in der konkreten Umsetzung in Kindertagesstätten geradezu wie ein Zauberwort wirken", verdeutlichte Berrin Alpek von der Föderation türkischer Elternvereine: Wenn dort beispielsweise mit "Elterncafés" einladende Gelegenheiten für Eltern angeboten werden, mit den Pädagog/inn/en in Kontakt zu kommen und sich für den (Bildungs-)Weg der eigenen Kinder einzusetzen, ist damit ein guter Anfang für ihre weitere Beteiligung gemacht.
Das deutsche Bildungssystem steht in den kommenden Jahren vor großen Herausforderungen, aber auch vor "Stolperchancen", wie Cahit Basar das nennt: Vor der Chance, aus dem Stolpern über beachtliche Hindernisse, und aus dem sich dann wieder aufrappeln, Wesentliches für die interkulturelle Öffnung von Schule und Gesellschaft zu lernen - und damit für eine Zusammenarbeit aller Beteiligten auf Augenhöhe.
Quelle: Pressemitteilung des Verbandes binationaler Familien und Partnerschaften

