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Tarifverhandlungen Sozial- und Erziehungsdienst: Jetzt geht’s los!

Bernhard Eibeck

04.03.2015 Kommentare (2)

Am 25. Februar 2015 haben in Hannover die Verhandlungen für die Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst der Kommunen (TVöD-SuE) begonnen. Die Gewerkschaften fordern eine Neubewertung der Tätigkeiten und eine deutliche Steigerung der Gehälter.

Zum Auftakt der Verhandlungen haben die Gewerkschaften der Arbeitgeberseite ihre Forderungen präsentiert. Sie beinhalten einen umfassenden Katalog zur Aufwertung der Berufe und zur Anpassung der Tätigkeitsmerkmale an die Veränderungen des Arbeitsfeldes. Die Kernforderung ist eine höhere Eingruppierung im Volumen einer Gehaltssteigerung von im Durchschnitt zehn Prozent. Für Erzieherinnen und Erzieher heißt das konkret: Diejenigen, die heute in S 6 eingruppierrt sind, sollen in S 10 kommen und für die „S 8-er" soll es künftig S 11 werden. Die Eingruppierung der Kita-Leitung soll nicht mehr nur nach der Zahl der Plätze vorgenommen werden, sondern – auf der Grundlage der Betriebserlaubnis – zusätzlich nach der Zahl der Gruppen und der Beschäftigten. Bei einer Höhergruppierung soll die erreichte Entgeltstufe erhalten bleiben, ebenso bei Arbeitgeberwechsel. Die verlängerte Stufenlaufzeit für Erzieherinnen mit „schwierigen Tätigkeiten" und Heilpädagoginnen soll aufgegeben werden.

Wer sitzt am Verhandlungstisch?

Die Arbeitgeber werden durch die VKA, die Vereinigung kommunaler Arbeitgeberverbände, vertreten. Sie ist der Dachverband der kommunalen Verwaltungen, Betriebe und Unternehmen in Deutschland. Verhandlungspartner auf Arbeitnehmerseite sind die Vereinigte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di), die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und der Deutsche Beamtenbund mit seinen Fachorganisationen.

Was passiert in den Tarifverhandlungen?

Zum Auftakt haben die Arbeitgeber die Forderungen der Gewerkshaften zurückgewiesen. Sie seien mit den Gewerkschafteh durchaus einig, dass es sich um verantwortungsvolle und hochqualifizierte Berufe und Tätigkeiten handelt, man habe aber in den letzten Jahren bereits genug für diese Berufsgruppe getan. Eine weitere Besserstellung sei nicht erforderlich. Auch sei es nicht notwendig, den Beruf unter den Vorzeichen eines Fachkräftemangels attraktiver zu machen. Bundesweit gäbe es ausreichend Nachwuchs. Auf regionale Besonderheiten würde man vor Ort flexibel reagieren. Im Übrigen sei das Forderungsvolumen völlig überzogen und nicht finanzierbar.

Wie geht es weiter?

Die Verhandlungen werden am 23. März 2015 in Münster und am 9. April 2015 in Frankfurt am Main fortgesetzt. Ob es dann zu einem Angebot der Arbeitgeber kommt, ist derzeit offen. Nach den Erfahrungen aus den Verhandlungen im Jahr 2009, in dem es erst nach sechsmonatigen Verhandlungen und wochenlangen Streiks zu einer Eingung kam, ist allerdings damit zu rechnen, dass es auch 2015 wieder notwendig werden wird, Druck zu machen. Wenn sich im April keine Einigung abzeichnet, werden die Gewerkschaften die Beschäftigten zu Warnstreiks aufrufen.

Große Aufmerksamkeit und Unterstützung

Die GEW ist bereits im vergangenen Jahr mit ihrer Kampagne „... für ein besseres EGO" in die Öffentlichkeit gegangen. Die beiden Filme – der EGO-Spot und die Kita-Doku – haben überragend hohe Aufmerksamkeit gefunden. Die Zugriffe auf Facebook steuern auf den sensationellen Wert von 1,5 Millionen zu und Tausende von Betroffenen äußern sich in Kommentaren.
Die Kampagne und unsere Ziele werden von zahlreichen prominente Persönlichkeiten unterstützt. Ein besonderes Highlight ist die Revue „Neues vom EGO", die bundesweit auf Tournee geht.

Weitere Informationen

Die Forderungen, Hintergrundinformationen, die beiden Filme, prominente Unterstützerinnen und Unterstützer sowie die Tourtermine der Revue auf: www.gew.de/ego.

Bernhard Eibeck ist Referent für Jugendhilfe beim GEW-Hauptvorstand

Ihre Meinung ist gefragt!

Wir freuen uns über Kommentare.

Kommentare (2)

  • Amrhein Margit:
    10.03.2015 um 18:35 Uhr

    Hallo und Danke für die Infos! Ich bin seit sehr vielen Jahren als Erzieherin bzw.als Leiterin einer Kita tätig. Ich war begeisterte Erzieherin bis sich die Rahmenbedingungen für diesen Beruf dramatisch verschlechterten. Wir bekommen im Jahr je nach Buchungen usw immer wieder neue Verträge - im Vergangenen Jahr bis zu 7 mal neue Arbeitsverträge - so etwas gibt es doch nicht in einem qualifizierten Beruf mit 5 Jahren Ausbildung. Obwohl ich einen gültigen Arbeitsvertrag seit dem Jahr 1982 als Leiterin habe - hat man es fertiggebracht mein Gehalt um 300 Euro Brutto ( bei 20 Std) von einem Monat auf den anderen zu kürzen - bei Ganztagsbeschäftigung wären das 600 Euro gewesen - mit der Begründung - es gäbe ja jetzt keine Gruppen mehr- usw. Wir dürfen dazu nicht streiken - weil wir in einer caritativen Einrichtung arbeiten. Es ist so schade, dass niemand dieses Kirchenrecht endlich mal zurechtrücken darf und sich hier mal traut, wirklich diese menschenverachtenden und frauendiskriminierenden Rahmenbedingung zu verbessern . Danke für Ihre Bemühungen.

    Antworten

  • Alicia:
    11.03.2015 um 07:52 Uhr

    Es ist mir völlig bewusst, dass es in der ersten Runde der Tarifverhandlungen um ein „Theaterspiel“ handelt, wobei die Verhandlungspartner ihre Standpunkte vorführen und Forderungen stellen. Deswegen ist es klar, dass die ersten Äußerungen der Verhandlungspartner nicht allzu ernst genommen werden sollen. Dennoch finde ich es entsetzlich, dass der nicht namentlich genannte Vertreter der Arbeitgeber solche stolze Äußerungen macht:

    „man habe aber in den letzten Jahren bereits genug für diese Berufsgruppe getan. Eine weitere Besserstellung sei nicht erforderlich. Auch sei es nicht notwendig, den Beruf unter den Vorzeichen eines Fachkräftemangels attraktiver zu machen. Bundesweit gäbe es ausreichend Nachwuchs.“

    Wie die Mehrheit von uns, arbeite ich als Erzieherin in Situationen, wo dank Fachkräftemangels FSJ-ler ohne jegliche Qualifikationen Kindergruppen stundenweise ALLEINE betreuen, wo vertraglich festgelegten Stellen jahrelang nicht besetzt werden können, wo jedes Jahr eine Kollegin wegen „Burn-out“ ausfällt, wo die dienstälteste Erzieherin der 3gruppigen Einrichtung erst seit 6 Monaten bei uns arbeitet, so schwindelerregend ist die Fluktuation.

    Die Aussage „ ..Auf regionale Besonderheiten würde man vor Ort flexibel reagieren. „ bedeutet bei uns konkret, dass wir gar keine Krankheitsvertretung haben und in Krankheitsfällen sich ständig wechselnde Mütter/Omis bei uns aushelfen. Die Situation scheint völlig geduldet, ja sogar gewollt zu sein.

    Außer der Tarifverhandlungen sehe ich gar keine Chance, dies zu verändern. Kinder haben keine Lobbies, und die von den Erzieherinnen waren bis jetzt leider nicht besonders stark. Hoffen wir, dass es diesmal anders wird!

    Antworten


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