Therapie gegen Übergewicht oft wirkungslos
Maßnahmen zur Gewichtsreduktion übergewichtiger Kinder und
Jugendlicher zeigen bislang nur begrenzt Wirkung. Dies zeigt eine
Langzeitstudie im Auftrag der Bundeszentrale für gesundheitliche
Aufklärung (BZgA), deren Ergebnisse heute veröffentlicht wurden. So geht
aus der Untersuchung hervor, dass kurzfristige Erfolge in der
Gewichtsreduktion zwar möglich, eine nachhaltige Gewichtsstabilisierung
sowie Verbesserungen des Gesundheitsverhaltens jedoch nur schwer
umzusetzen sind. Für die Studie wurden Daten von 1.916 übergewichtigen
Kindern und Jugendlichen zwischen acht und 16 Jahren erfasst, die
entweder ambulant (ca. ein Jahr lang) oder stationär (ca. sechs Wochen
lang) behandelt wurden. Insgesamt beteiligten sich 48 Einrichtungen aus
dem gesamten Bundesgebiet an der Untersuchung.
Den Daten zufolge konnten während der Maßnahmen rund 56 Prozent der
Kinder und Jugendlichen ihr Übergewicht reduzieren. Ein bzw. zwei Jahre
nach dem Ende der Programme zeigte sich eine Gewichtsabnahme jedoch nur
noch bei etwa 14 Prozent der Heranwachsenden. Auch weitere Ziele wie
mehr Bewegung im Alltag, gesündere Ernährung, weniger Zeit vor dem
Fernsehen oder PC sowie bessere Lebensqualität wurden langfristig nur
bei 10 bis 18 Prozent der Kinder und Jugendlichen erreicht.
Darüber hinaus wurde im Rahmen der Untersuchung deutlich, dass die
Versorgungssituation im Bereich der Übergewichtsreduktion sehr instabil
ist. Sowohl kleine Beratungspraxen als auch große Kliniken und
Kureinrichtungen weisen eine hohe Personal-Fluktuation auf. Einzelne
wurden im Erhebungszeitraum geschlossen.
„Die Defizite in der Versorgung übergewichtiger Kinder und Jugendlicher
in Deutschland zeigen, dass es bislang nicht gelungen ist, für diese
jungen Patienten effektive und konstante Programme und Beratungsangebote
zu schaffen“, sagt BZgA-Direktorin Prof. Dr. Elisabeth Pott. „Umso
wichtiger ist es, Maßnahmen der Gesundheitsförderung und Prävention zu
stärken, so dass Übergewicht im Kindesalter gar nicht erst entsteht.
Dies muss insbesondere auf kommunaler Ebene geschehen, um zum Beispiel
Eltern direkt vor Ort für eine gesunde Ernährung und gesundes
Bewegungsverhalten ihrer Kinder zu sensibilisieren.“
Die wichtigsten Schlussfolgerungen der Studie auf einen Blick:
1. Für alle Angebote besteht Optimierungsbedarf. Vor allem ist es
notwendig, eine Verzahnung zwischen stationären und ambulanten Angeboten
herzustellen, um Nachhaltigkeit zu erreichen. Die von der BZgA
gemeinsam mit dem Bundesministerium für Gesundheit erarbeiteten und
veröffentlichten Qualitätskriterien müssen angewendet werden.
2. Die Studie zeigt darüber hinaus, wie wichtig eine systematische
Erfassung und Dokumentation der Angebote ist, um zukünftig
Erfolgsfaktoren für effektive Programme besser identifizieren zu können.
3. Neben Maßnahmen zur Übergewichtsreduktion sind solche zur
Gesundheitsförderung erforderlich, die Kompetenzen im Umgang mit
Ernährung, Bewegung und Stress vermitteln. Diese Maßnahmen sollten auf
kommunaler Ebene angeboten und dort dauerhaft verankert werden.
Die Ergebnisse der Langzeitstudie und deren Schlussfolgerungen stellte
die BZgA am 4. Oktober 2012 auf einem Symposium im Rahmen des Kongresses
der Deutschen Adipositas-Gesellschaft in Stuttgart vor.
Quelle: Pressemitteilung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) vom 4.10.2012

