zwei U3 Kinder

Überforderung und übersteigertes Leistungsdenken in der frühen Kindheit

Dr. Adalbert Metzinger

13.06.2016 Kommentare (1)

Lern-, Leistungs- und Erwartungsdruck in der Familie und in der Kita. Die ehrgeizige Haltung vieler Eltern wird getragen von der Sorge um einen qualifizierten Schulabschluss, dem Bestreben, ihren Kindern Vorteile zu verschaffen, die sie intelligenter und wettbewerbsfähiger machen als andere und dem Erhalt des sozialen Status der Familie. 

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Beitrag: Überforderung und übersteigertes Leistungsdenken in der frühen Kindheit (PDF, 443KB)

Quelle: Wir übernehmen den Beitrag mit freundlicher Genehmigung der Redaktion aus KiTa aktuell Baden-Württemberg, Ausgabe 06.2016, S. 142-144.

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Kommentare (1)

Hilde Schultze-Sauer 02 Juli 2016, 23:03

Herr Dr. Metzinger spricht mir aus der Seele.

Haben wir zukünftig intellektuell genormte Kinder, Erwachsene, eine genormte Gesellschaft?

Wie gehen wir mit denen um, die dieser Norm nicht entsprechen? Beginnt doch schon im Kindergarten, dass diejenigen, die nicht dem Level der Gruppe entsprechen, als "auffällig" gelten und einen besonderen Förderungsbedarf haben.

Wer bestimmt eigentlich diese Norm und wozu?

Werden diejenigen, die diese Förderung nicht bekommen, gesellschaftlich versagen?

Gibt es darüber Statistiken?

Welche Fähigkeiten machen uns denn als Erwachsene wirklich kompetent?

Erinnere mich an den Beginn der sogenannten "Vorschule", in den 70ger Jahren. Arbeitsblätter mussten mit den Kindern ausgefüllt werden. Dokumente für die konstruktive Arbeit im Kindergarten, die die Eltern regelmäßig einforderten.

Statt Spiel, schon schulischer Stress. Eben Vor-Schule.

Altersspezifische Gruppen, Wettbewerb, Leistungsvergleich.

Wer sich ohne angeleitete Beschäftigung im Kindergarten langweilte, galt schnell als "hochbegabt", und somit unterfordert.

Den Stress haben nicht nur die Kinder, sondern auch die Erziehenden. Förderprojekte, Fördermaterialien, werden ohne Ende angeboten, eingesetzt und für notwendig erachtet.

Der Kontrast wiederum: Zurück zur Natur, Rousseau lässt grüßen..., Spielzeugfreie Tage, Waldkindergärten, Altersmischung, als Entwicklung der sozialen Kompetenz...

Daneben und dazwischen die Kinder von Migrantenfamilien, die sich weder diese exklusive Förderung leisten können, noch diese Form der Förderung benötigen.

Wie sollen diese Kinder genormt werden? Kindertagesstätten in Brennpunkten, mit 80 % Migrantenkindern, müssen sich wohl eine andere Konzeption zulegen. Das Ergebnis?

Schauen wir doch auf die Gesellschaft, auf uns Erwachsene. Haben alle, die diese elitäre Form der Förderung nicht erhalten haben, versagt?

Wer verspricht den Kindern, dass sie es dadurch besser haben werden, wenn sie die Zeit ihrer Kindheit nur mit Stress erinnern können?



Ich denke da an das Gedicht von Hans-Herbert Dreiske



Man sollte Kinder lehren ohne Netz auf einem Seil zu tanzen,

bei Nacht allein unter freiem Himmel zu schlafen,

in einem Kahn auf das offene Meer hinaus zu rudern.

Man sollte sie lehren sich Luftschlösser statt Eigenheime zu erträumen,

nirgendwo sonst als nur im Leben zu Hause zu sein

und in sich selbst Geborgenheit zu finden.





H.Schultze-Sauer



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