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mehrere Kinder

Väter im Blickfeld

17.01.2014 Kommentare (0)

Mit dem ersten Kind kommt der ganz normale Alltagswahnsinn: vier Hände voll zu tun, zu wenig Zeit, Chaos pur in der Wohnung. Eine große Herausforderung für viele Väter, die heute Familie und Beruf unter einen Hut kriegen wollen. Aber worauf kommt es an, dass Männer gute Väter sind? Die Wissenschaft hat bis heute keine Antwort darauf.
Eine breit angelegte Vaterschaftsstudie in der Schweiz, Deutschland und Österreich will die Forschungslücke schließen und sucht Väter für eine anonyme Online-Befragung auf www.vaterumfrage.org.
Väter machen vieles anders als Mütter. Sie essen mit den Kindern vor dem Fernseher oder liefern sich Wettkämpfe auf der Spielkonsole. Unbestritten ist: Der Einfluss von Vätern oder Vaterfiguren spielt eine entscheidende Rolle für die Entwicklung der Kinder.
Die Wissenschaft hat bisher dieses Thema – im Gegensatz zur Mutter-Kind-Beziehung – vernachlässigt. Diese Forschungslücke will eine neue Studie der Universität Zürich schließen. Unter der Leitung von Psychologieprofessorin Ulrike Ehlert soll die Rolle der Väter in der Schweiz, Deutschland und Österreich erforscht werden.
„Was Väter leisten, ist beachtlich. Es fehlt in unserer Gesellschaft oft an Wertschätzung für diese Arbeit. Mit unserer Studie wollen wir einen Beitrag leisten, dass die Rolle der Väter besser verstanden wird“, sagt Professorin Ulrike Ehlert. „Mit der Auflösung der traditionellen Familienstruktur müssen Männer ihre Rolle als Väter neu erfinden. Auch für sie gibt es nicht den Fünfer und das Weggli.“
Eine anonyme Online-Umfrage richtet sich an alle Männer, die Vater sind oder eine Vaterrolle für ein Kind übernommen haben. Die Studie möchte ermitteln, welche Faktoren eine gelungene Vaterschaft begünstigen und zu einer gesunden Entwicklung des Kindes beitragen.
An der Studie teilnehmen könne alle Männer, welche Vater sind oder schon einmal für ein Kind die Vaterrolle übernommen haben, z. B. als Stiefvater, Adoptivvater, Pflegevater oder Lebenspartner einer Frau mit Kindern. Die Online-Studie fragt nach ihrer Lebenssituation, den Belastungen und auch den positiven Aspekten des Vaterseins.
Die Väterforschung hilft in der Praxis – etwa bei der Familienberatung oder bei Fragen der Familienpolitik – die Situation von Vätern zu verbessern und eine Teilnahme künftiger Väter an der Fürsorge für ihre Kinder zu erleichtern.
Weitere Informationen zur Studie unter www.vaterumfrage.org

Quelle: OTS: Psychologisches Institut der Universität Zürich vom 14.1.2014

Es gibt allerdings schon eine gerade erschienene Studie der Zeitschrift Eltern, die am 13. Januar im Rahmen einer Pressekonferenz in Berlin vorgestellt wurde und für die über 1.000 Väter und Stiefväter zwischen 20 und 55 Jahren in Deutschland befragt wurden.

Die Ergebnisse der Studie offenbaren eine große Widersprüchlichkeit, in der sich die Väter von heute bewegen. Sie schwanken zwischen dem traditionellen Rollenbild als Ernährer der Familie und dem Idealbild des perfekten Vaters. Auf die Frage: Was macht einen guten Vater aus? antworten 81 Prozent: „Er verbringt so viel Zeit wie möglich mit den Kindern.“ Aber gleichzeitig kreuzen 61 Prozent an: „Er sorgt mit seinem Einkommen dafür, dass es der Familie gut geht.“ Letzteres tut er, indem er nach wie vor meist in Vollzeit tätig ist. Zwar hätten 43 Prozent der berufstätigen Väter gern mehr Zeit für die Familie, gleichzeitig ist die Mehrheit von ihnen aber nicht bereit, in Teilzeit zu arbeiten. 89 Prozent der Väter sind in Vollzeit tätig und zwei Drittel der abhängig beschäftigten wollen das auch so. Nur vier Prozent der Befragten arbeiten in Teilzeit und nur ein Drittel würde gern in Te ilzeit arbeiten. Was die Arbeitszeit angeht, neigen moderne Väter demnach nicht zum Experimentieren.
Auch beim Thema Elternzeit sind die Väter nicht sehr experimentierfreudig: Zwar nehmen immer mehr Väter Elternzeit – bei den Vätern mit Kindern bis sechs Jahren sind das sogar 38 Prozent – doch die große Mehrheit von ihnen (80 Prozent) nimmt nur bis zu zwei Monate Zeit zu Hause, lediglich 11 Prozent kümmern sich länger als sechs Monate um das Kind. Der Grund könnte bei vielen die Angst um den Job sein: 41 Prozent der abhängig beschäftigten Väter vermuten, dass die Elternzeit sich sehr oder eher negativ auf die Karriere auswirken könnte.
Nach außen hin bleibt der Vater von heute also dem traditionellen Männerbild verbunden. Trotzdem engagieren sich die Männer mehrheitlich bei Kinderbetreuung. Auf die Frage, welche Aspekte sie an sich als Vater gut finden, antworten 71 Prozent der Väter, sie hätten sich von Anfang an um die Babypflege gekümmert, 58 Prozent geben an, sie seien bei Babygeschrei nachts aufgestanden, 54 Prozent der Männer toben nach eigener Aussage viel mit dem Kind herum und jeder zweite schmust gern und viel mit dem Nachwuchs. Zudem beteiligen sich neun von zehn Männern an der Hausarbeit. Allerdings übernehmen nach eigenen Angaben nur 38 Prozent die Hausarbeit zur Hälfte oder mehr.
Wieviel sich die Väter in die Erziehung ihrer Kinder einbringen, hängt auch vom Alter der Kinder ab. Am Anfang sind die Väter voll da: 82 Prozent der befragten Väter haben die Geburt ihres Kindes miterlebt, von denen, die in den letzten drei Jahren Vater geworden sind, sogar fast jeder (97 Prozent). Für 71 Prozent war die Geburt „ein sehr schönes Erlebnis“, obwohl viele von ihnen während der Entbindung nicht nur positive Gefühle hatten. Je älter die Kinder werden, desto mehr nimmt die Vater-Kind-Zeit ab. Die Mehrheit ist sich aber in einem Punkt einig: Grundsätzlich finden 58 Prozent der Väter, dass ihr Leben dank der Geburt ihres Kindes „glücklicher und erfüllter“ geworden ist.
Der moderne Vater bringt sich sehr viel stärker ein als in der Generation davor, arbeitet aber meist Vollzeit und wünscht sich viel Zeit für die Familie, er will weder im Beruf noch in der Familie zurückstecken. Dadurch gerät so mancher Vater unter Druck, da er seinen eigenen Vorstellungen vom perfekten Vater nicht gerecht wird.
So hat die Mehrheit aller befragten Väter das Gefühl, nicht ausreichend für ihr Kind da zu sein und deswegen ein schlechtes Gewissen.
Marie-Luise Lewicki, Chefredakteurin von ELTERN und ELTERN Family: „Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass sich die modernen Väter zu Generalisten entwickelt haben – und wie ambivalent die Rolle der Väter immer noch ist. Die Väter als Ernährer stehen zwar nach wie vor im Vordergrund, gleichzeitig wollen die Männer aber auch „gute“ Väter sein und das bedeutet für die meisten, dass sie mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen möchten. Dass die Mehrheit der Väter ihr Leben Dank Kindern trotz der Widersprüchlichkeiten und weniger Zeit für sich selbst glücklicher und erfüllter empfinden, ist dabei ein sehr positives Signal.“

Quelle: OTS: Gruner+Jahr, ELTERN vom 13.1.2014

Zu den Ergebnissen dieser Studie erklärt Christiane Reckmann, Vorsitzende des Zukunftsforum Familie e.V.: „Das Rollenverständnis der meisten Väter ist heute von einer gewissen Widersprüchlichkeit geprägt: Väter wollen weiter Haupternährer der Familie und gleichzeitig vollwertige Bezugs- und Erziehungspersonen für ihre Kinder sein. Dieser Anspruch setzt auch Väter zunehmend unter Druck. Das Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf hat die ‚Frauenecke‘ längst verlassen.
Die Familienpolitik muss Maßnahmen bereitstellen, die Väter darin unterstützen, mehr direkte, persönliche Sorgeverantwortung zu übernehmen. Gute Beispiele dafür sind das Elterngeld, das nun endlich mit einem ElterngeldPlus für parallel teilzeitarbeitende Eltern flexibilisiert werden soll, sowie das kürzlich von Bundesfamilienministerin Schwesig in die Diskussion gebrachte Modell einer kurzen Vollzeit für Eltern kleiner Kinder. Damit wird es Vätern und Müttern gleichermaßen erleichtert, Fürsorge zu leisten, ohne berufliche und finanzielle Nachteile befürchten zu müssen. Auch die Koppelung der zehntägigen Pflegeauszeit mit einer Lohnersatzleistung weist in die richtige Richtung.“

Quelle: Pressemitteilung des Zukunftsforum Familie e.V. vom 14.1.2014

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