Verband binationaler Familien kritisiert Familienbericht
Am 14. März hat das Bundeskabinett den Achten Familienbericht „Zeit für Familie“ sowie die Stellungnahme der Bundesregierung dazu verabschiedet und würdigte ihn „als wichtigen Meilenstein bei der Gestaltung einer wirkungsvollen Familienzeitpolitik“. Die Bundesgeschäftsführerin, Frau Hiltrud Stöcker-Zafari, des Verbandes binationaler Familien und Partnerschaften, iaf e.V., lobt den Vorstoß des Bundesfamilienministeriums, den zentralen Faktor Zeit für das Gelingen von Familie auszumachen. „Leider fehlen in diesem Bericht die Lebenslagen binationaler und eingewanderter Familien“, bedauert sie. „Es ist unverständlich, dass die Sachverständigen die interkulturelle Ausrichtung Deutschlands offensichtlich ignorieren. Dies sind laut Mikrozensus fast 20 Prozent der Haushalte in Deutschland! Zudem wächst jedes dritte in Deutschland geborene Kind in einer Familie mit Migrationshintergrund auf“, führt sie weiter aus.
Entsprechend sind etliche Empfehlungen für viele eingewanderte Familien nicht anwendbar, wie das Großelternzeitmodell. Es ist im Moment unvorstellbar, dass Großeltern vor allem aus den Ländern außerhalb Europas für die Betreuung ihrer Enkel einen Aufenthaltstitel erhalten. Bereits aktuell werden Besuchervisa oftmals so restriktiv erteilt, dass Großeltern noch nicht einmal an familiären Ereignissen wie Geburt, Taufe oder Hochzeit teilnehmen können. Ebenso fehlt jungen Paaren häufig die Möglichkeit, Zeit miteinander zu verbringen. Im Rahmen des Familiennachzugs sind sie oft über mehrere Monate, manchmal auch Jahre voneinander getrennt. Dabei sollen Familien ihr Familienleben nach eigenen Vorstellungen gestalten können (S. 187).Besonders spannend wird es bei der Empfehlung hinsichtlich des Wirkungskreises der Gesetze. Jedes Gesetz, so die Sachverständigen, hat nahe oder ferne Auswirkungen auf familiäres Gelingen zu beachten (S. 188). „Das sehen wir ganz genauso und fordern infolgedessen entsprechende Überprüfungen und Änderungen im Visum- und Aufenthaltsrecht“, folgert Frau Stöcker-Zafari.
Quelle: Pressemitteilung des Verbandes binationaler Familien und Partnerschaften, iaf e.V. vom 15.3.2012

