Qualität bleibt auf der Strecke – Verband Kita-Fachkräfte Bayern zieht Bilanz nach Verabschiedung der BayKiBiG-Reform
Mit der Verabschiedung der Reform des Bayerischen Kinderbildungs- und -betreuungsgesetzes (BayKiBiG) ist das Gesetzgebungsverfahren abgeschlossen. Der Verband Kita-Fachkräfte Bayern e.V. hat den Reformprozess von Beginn an konstruktiv begleitet – im Rahmen der Verbändeanhörung, gemeinsam mit weiteren Fach- und Elternverbänden, mit einer Petition sowie in der Anhörung des Bayerischen Landtags am 11. Juni 2026. Dabei brachte der Verband zahlreiche fachliche Vorschläge aus der Praxis ein. Die zentralen Forderungen nach verbindlichen Qualitätsstandards fanden jedoch keine politische Mehrheit.
Besonders enttäuschend bewertet der Verband, dass die Änderungsanträge zur Verbesserung der strukturellen Rahmenbedingungen – darunter ein gesetzlich finanzierter Anstellungsschlüssel von 1:9 – im Bayerischen Landtag abgelehnt wurden.
Positiv sieht der Verband hingegen die zusätzlichen Investitionen in die Kindertagesbetreuung, die finanzielle Entlastung der Kommunen und Träger sowie den angekündigten Abbau von rund 10.000 bürokratischen Vorgängen. Jede Entlastung schafft mehr Zeit für die Arbeit mit Kindern. Gleichzeitig weist der Verband darauf hin, dass die angekündigten zusätzlichen Mittel überwiegend durch eine Umschichtung innerhalb der bestehenden Finanzierung – von der Familienförderung zur Betriebsförderung – bereitgestellt werden. Die grundlegenden strukturellen Herausforderungen in den Einrichtungen werden dadurch aus Sicht des Verbandes nicht gelöst.
Alltag in den Einrichtungen steht im Widerspruch zur öffentlichen Darstellung
Mit Sorge blickt der Verband auf die öffentliche Darstellung der Situation in Bayerns Kindertageseinrichtungen. Während die Staatsregierung von einem „Bildungsboom“ spricht und im Zusammenhang mit einem landesweiten Kreativwettbewerb eine positive Stimmung vermittelt, erleben viele Fachkräfte einen völlig anderen Arbeitsalltag.
Ein Kreativwettbewerb mit ausgezeichneten Einrichtungen ist ein wichtiges Signal und würdigt engagierte pädagogische Arbeit. Er ersetzt jedoch keine landesweite Bestandsaufnahme der tatsächlichen Arbeits- und Bildungsbedingungen in Bayerns Kitas. Die Rückmeldungen aus der Praxis, die Erfahrungen aus der Verbändeanhörung sowie mehr als 5.000 Unterschriften unter der Petition „Für mehr Kita-Qualität – BayKiBiG-Reform JETZT!“ zeichnen ein anderes Bild: Personalmangel, fehlende Zeit für pädagogische Arbeit und unzureichende Rahmenbedingungen prägen weiterhin den Alltag vieler Einrichtungen.
Bereits in der Anhörung des Bayerischen Landtags machte der Verband deutlich:
„Die zentrale Frage dieser Reform darf nicht nur lauten, was Eltern künftig zahlen. Sie muss aus unserer Sicht vor allem lauten, welche Qualität Kinder in bayerischen Kitas tatsächlich erhalten.“
Qualitätsfrage bleibt unbeantwortet
Nach Auffassung des Verbandes bleibt genau diese Frage auch nach der Verabschiedung des Gesetzes unbeantwortet. Verbindliche Fachkraft-Kind-Relationen, ausreichend Zeit für Bildung, Beobachtung, Dokumentation und die Zusammenarbeit mit Familien sowie eine nachhaltige gesetzliche Absicherung von Qualität fehlen weiterhin.
Bereits im April hatte der Verband gemeinsam mit KAB Bayern, KEG Bayern, ver.di Bayern, GEW Bayern und dem Landeselternbeirat darauf hingewiesen, dass sinkende Kinderzahlen eine historische Chance bieten, die Qualität der frühkindlichen Bildung nachhaltig zu stärken. Diese Chance wurde aus Sicht des Verbandes mit der Reform nicht genutzt.
Verantwortung für Qualität bleibt ungeklärt
Mit der Verabschiedung des Gesetzes bleibt eine entscheidende Frage offen: Wer übernimmt künftig Verantwortung für die Qualität in Bayerns Kitas?
Solange der Gesetzgeber keine verbindlichen Qualitätsstandards festlegt und Träger aufgrund der bestehenden Finanzierungsstrukturen auf fehlende Handlungsspielräume verweisen, bleiben die Rahmenbedingungen für Kinder, Familien und Fachkräfte unzureichend.
Der Verband Kita-Fachkräfte Bayern e.V. wird sich deshalb auch künftig mit Nachdruck für gesetzlich abgesicherte Qualitätsstandards einsetzen. Denn, wie der Verband seine Stellungnahme in der Anhörung des Bayerischen Landtags abschloss:
„Kinder brauchen mehr als Betreuung. Sie brauchen Zeit, Beziehung, Bildung und individuelle Begleitung. Investieren Sie in den Ausbau der dringend benötigten Qualität!“
Quelle: Verband Kita-Fachkräfte Bayern e.V.

