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mehrere Kinder

Versagt die Schule?

Hilde von Balluseck

22.02.2010 Kommentare (0)

Ca. 1,1 Millionen Schüler und Schülerinnen erhalten - bezahlt durch die Eltern - Nachhilfeunterricht. Die Eltern geben dafür insgesamt 1,5 Milliarden Euro aus. Schon in der Grundschule wird Nachhilfeunterricht gegeben, damit die Kinder eine bessere Empfehlung für die weiterführende Schule erhalten. So erhalten fast 15 Prozent der Viertklässler Nachhilfe im Fach Deutsch, wobei die Unterschiede zwischen den Ländern erheblich sind: In Baden-Württemberg sind es 18,5 Prozent, in Mecklenburg-Vorpommern nur 8,8 Prozent. International ist dies nicht die Regel: In Finnland, Kanada und den Niederlanden kommen die SchülerInnen weitgehend ohne Nachhilfe aus. Der Vorstand der Bertelsmann Stiftung, die die Studie in Auftrag gegeben hat, sagt dazu:  "Individuelle Förderung darf nicht einem privat organisierten Nachhilfe-System überlassen bleiben, individuelle Förderung muss die Basis jedes Schulunterrichts werden." http://www.bertelsmann-stiftung.de/cps/rde/xchg/SID-8849095C-A4C60D56/bst/hs.xsl/nachrichten_99657.htm Das ist noch milde ausgedrückt angesichts eines Bildungssytems, das die sozialen Unterschiede durch die Schule nicht ausgleicht, sondern weiter verfestigt. Denn das Nachhilfe-System ist ja nicht nur privat organisiert, es wird auch durch die Eltern finanziert. Kinder, deren Eltern sich  Nachhilfe nicht leisten können, werden weniger gut gefördert und haben somit die schlechteren Chancen im Bildungssystem.

Zu dieser bezahlten Förderung, die sich einige leisten können und andere nicht, kommt die Förderung durch die Eltern. Diese Förderung bei den Hausaufgaben und bei der Motivation, überhaupt in die Schule zu gehen,  wird von der Schule als selbstverständlich vorausgesetzt. Eltern, die selbst Misserfolgserlebnisse in der Schule hatten und die diese Instanz eher als feindselig denn als fördernd erlebt haben, können ihre Kinder nicht unterstützen. Und wenn dann kein exzellenter Nachhilfeunterricht zur Verfügung steht - denn auf diesem intransparenten Markt gibt es natürlich auch enorme Qualitätsunterschiede, die keiner erforscht - dann haben die Kinder eben, um es zynisch auszudrücken, "Pech gehabt". Die Schule ist offenbar nicht in der Lage, die sozialen Unterschiede abzumildern oder auszugleichen.

 

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