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Weiterbildung als ElternbegleiterIn: Auch Eltern müssen ankommen ...

Petra Bartoli y Eckert, Brigitte Kappel

10.07.2015 Kommentare (0)

Elternbegleiter sind seit drei Jahren in den verschiedensten Einrichtungen der Familienbildung aktiv: Sie stehen Eltern und Kindern als Vertrauenspersonen – als eine Art Bildungspaten – zur Seite, wenn es um Fragen der Bildung geht. Und sie begleiten Eltern in den sensiblen Phasen des Übergangs. Denn: Auch Eltern müssen Übergänge bewältigen und müssen "ankommen" – im Kindergarten, in der Grundschule, in der weiterführenden Schule. Auch sie müssen sich in der jeweiligen Einrichtung wohlfühlen, damit sie ihr Kind angemessen unterstützen können. Eine Dozentin der Weiterqualifizierung von Fachkräften zu Elternbegleitern sowie eine Elternbegleiterin berichten im Interview von ihren Erfahrungen.

Frau Bartoli, Sie sind von Anfang an Dozentin in der Weiterqualifizierung von Fachkräften zu Elternbegleitern. Das Thema Übergang ist ja "das tägliche Brot" einer jeden Erzieherin. Was kann man bei Ihnen zu diesem Thema lernen?

Gerade bei Übergängen im Kindesalter brauchen Kinder starke Eltern an ihrer Seite, die sie unterstützen und als sicherer Hafen fungieren, wenn alles neu und ungewohnt ist. Doch nicht allen Eltern gelingt es in gleichem Maße, ihre Kinder achtsam zu begleiten. Dann ist es gut, wenn sie eine einfühlsame und respektvolle Begleitung bekommen. So gestärkt fällt es Eltern häufig leichter, für ihre Kinder da zu sein. Gerade hier kann die Weiterqualifizierung zu Elternbegleitern Fachkräfte unterstützen. Grundlage der Weiterbildung ist die Dialogische Haltung. Damit rücken Sätze wie "Die Eltern, die es am nötigsten hätten, kommen einfach nicht zum Elternabend" in den Hintergrund. Dafür gewinnt das "Querdenken" mehr Raum. Also: "Was brauchen welche Eltern, damit es ihnen leichter fällt, mein Angebot in der Kita anzunehmen?"

Was bedeutet es, Eltern in einer "Dialogischen Haltung" zu begegnen?

Bei der Dialogischen Haltung geht es um weit mehr als um Handwerkszeug zur Gesprächsführung. Natürlich ist es im Dialog wichtig, empathisch zu sein, Gehörtes nochmal zu verbalisieren und so weiter. Dazu kommt mit der entsprechenden Haltung zum Beispiel noch die Bereitschaft, nicht seinen eigenen Gedanken nachzuhängen und im Kopf schon eine Antwort zu formulieren, während mein Gegenüber gerade spricht. Das wird in der Dialogischen Haltung bezeichnet als "die eigenen Annahmen in der Schwebe halten". Das ist anfangs ungewohnt und braucht etwas Übung. Denn das Motto "eines nach dem anderen" sorgt für Verlangsamung – und die muss man aushalten können. Aber die Dialogische Haltung bringt schließlich eine große Entlastung – nicht nur für Eltern, die verstanden und nicht verurteilt werden, sondern auch für die Fachkräfte. Denn sie müssen nicht für alles sofort eine Lösung haben.

Bedeutet das, dass die Weiterbildung selbst auch dialogisch gestaltet ist?

Bei der Weiterbildung lassen sich die Teilnehmer auf einen Prozess ein. Das heißt, anders als bei Fortbildungen, wo es in der Regel zu einem bestimmten Thema einen Input gibt, machen die Fachkräfte bei der Weiterqualifizierung darüber hinaus viele Selbsterfahrungsübungen, stellen ihre bisherigen Denkmuster auf den Prüfstand und finden so ganz neue Zugänge zum Thema Eltern. Die Dialogische Haltung ist meiner Meinung nach ein wunderbarer Weg, um auch auf Eltern, mit denen es zum Beispiel im Alltag häufig Schwierigkeiten gibt, zuzugehen.

Wie wird das Thema Übergänge in der Weiterbildung aufgegriffen?

In der Weiterbildung zu Elternbegleitern sind Übergänge ein wichtiger Inhalt. Das Thema wird nicht nur theoretisch beleuchtet. Die Fachkräfte bringen ihre eigenen Kenntnisse und Erfahrungen ein. Ein wichtiger Prozess ist hier auch die Selbstreflexion: Wie habe ich in meinem Leben Übergänge erlebt? Was hat mir geholfen, diese zu bewältigen? Die eigene Bildungsbiografie wird durch Übungen und Kleingruppenarbeiten beleuchtet. Beispielsweise bringen die Teilnehmer Gegenstände mit, die für ihren Bildungsweg von Bedeutung waren. Oder sie arbeiten kreativ mit dem Thema und setzen sich im Rollenspiel mit Erwartungen und Ängsten von Kindern und Eltern bei Übergängen auseinander. So bekommen die Fachkräfte einen ganz neuen Zugang zu diesem wichtigen Thema.

Frau Kappel, Sie arbeiten seit drei Jahren als Elternbegleiterin in einer Kita. Was brauchen Eltern in den Übergangsphasen und was können Sie ihnen als Elternbegleiterin anbieten?

Eltern brauchen in dieser Zeit Menschen, die sie empathisch und kompetent begleiten und die Zeit für sie haben – also gute Elternbegleiter. Egal, ob es sich um den Übergang aus der Familie in die Kita oder von der Kita in die Schule handelt – immer ist diese Zeit verbunden mit Neugierde und Freude, aber auch mit Angst, Unsicherheit und Ungewissheit.

Besonders der Übergang von der Familie in die Einrichtung ist ganz sensibel zu betrachten. Oft ist dies der erste Übergang, den Eltern und Kinder bewältigen müssen. Die Eltern stellen sich Fragen wie "Schafft es mein Kind, sich von mir abzunabeln?", "Hat mein Kind die Erzieherin irgendwann mehr lieb als mich?", "Nimmt die Erzieherin meine Wünsche ernst und versteht sie meine Ängste?". Im Erstgespräch frage ich die Eltern immer nach ihren Wünschen und Erwartungen, aber auch nach ihren Ängsten und Sorgen. Durch aktives Zuhören und die Dialogische Haltung signalisiere ich ihnen, dass sie sich vertrauensvoll in diese Situation begeben können: Wir werden den Weg gemeinsam gehen. Wir werden Absprachen treffen. Gefühle werden berücksichtigt und auch angesprochen. Absoluter Respekt – ein Kennzeichen der Dialogischen Haltung – bestimmt die neu wachsende Beziehung.

Beim Übergang von der Kita in die Schule kommt noch die wichtige Aufgabe des Informierens dazu. Ein Teil der Eltern braucht genaue Informationen über die unterschiedlichen Schulsysteme, Hilfe beim Ausfüllen einzelner Formulare und manchmal auch das gemeinsame Gespräch mit den Lehrkräften. Allein das Gefühl, "es geht jemand mit mir zu diesem Termin", dämmt Ängste ein, lässt die Freude auf die neue Zeit wachsen und gibt Eltern und Kindern Sicherheit.

Eine weitere Aufgabe als Elternbegleiterin sehe ich darin, Kontakte zwischen den Familien zu initiieren. Daraus wachsen Netzwerke, die von gegenseitigem Nehmen und Geben geprägt sind.

Konkret: Wie begleiten Sie Eltern in Ihrer Einrichtung in einer Übergangsphase?

Beim ersten Elternabend erkläre ich den Eltern genau, wie wir die Eingewöhnungsphase in unserer Einrichtung gestalten. Im Gespräch können erste Fragen geklärt werden. Nun bekommt jede Mutter und jeder Vater ein Bild mit einem Luftballon. Darauf schreiben sie ihre Gedanken, Wünsche, Befürchtungen ... Ganz allein für sich, ohne es jemandem erzählen zu müssen. "Stellen Sie sich vor, Sie schicken Ihre Gedanken mit dem Luftballon in den Himmel", so kann die begleitende Aussage lauten. Dieses Blatt nehmen die Eltern mit nach Hause. Wenn das Kind circa sechs Wochen in unserer Kita ist – die Eingewöhnung ist dann in der Regel abgeschlossen –, laden wir die Eltern zu einem Gespräch ein, um miteinander die Zeit der Eingewöhnung zu reflektieren. Zu diesem Treffen bringen die Eltern ihren Luftballon mit. Die Eltern entscheiden, ob sie die Gedanken mit der Pädagogin gemeinsam oder allein reflektieren möchten. Bis jetzt haben sich alle Eltern spontan für die gemeinsame Reflexion entschieden. Also überlegen wir zusammen, ob die Erwartungen erfüllt wurden, die Ängste aufgelöst sind oder Befürchtungen eingetroffen sind, und werfen einen Blick in die Zukunft.

Was machen Sie als Elternbegleiterin in Übergangsphasen anders als vor Ihrer Weiterbildung?

Jetzt reflektiere ich mein Verhalten und Handeln in Bezug auf Eltern noch intensiver. Ich blicke nun viel mehr auf die Kompetenzen und Ressourcen sowie die Wünsche der Eltern. Ich kann sie noch besser als die Experten ihrer Kinder akzeptieren. Früher hielt ich meine Meinung oft für die einzig richtige, und von dieser versuchte ich die Eltern zu überzeugen. Das kostete sehr viel Energie, bereitete Enttäuschungen und auch oft Unzufriedenheit aufseiten der Eltern. Von diesem "Überzeugenwollen" habe ich mich verabschiedet! Ich merke jetzt, dass ich viel mehr Energie für das gemeinsame Gestalten zur Verfügung habe und Eltern auch mehr Bereitschaft entwickeln, Verantwortung für ihre Entscheidungen zu übernehmen. Nicht zu unterschätzen ist der Gewinn der kollegialen Beratung – also das Netzwerk der Elternbegleiter untereinander: Der Austausch auf Augenhöhe und gegenseitiges vertrauensvolles Unterstützen haben enorme Synergieeffekte.

Petra Bartoli y Eckert
Sozialpädagogin, Kess-erziehen-Trainerin, reteaming®-Coach, freiberufliche Referentin, Fachbuchautorin und Dozentin für die Weiterbildung "Elternchance ist Kinderchance".

Brigitte Kappel
Erzieherin mit Zusatzausbildung zur qualifizierten Leiterin, Kleinkindpädagogin, Leiterin des Kinderhauses Regenbogen in Untersiemau, Kess-erziehen-Trainerin, Referentin und Elternbegleiterin.

Wir übernehmen den Beitrag aus der aktuellen "Welt des Kindes" mit freundlicher Genehmigung der Redaktion. Zusätzliche Informationen über die Weiterbildung finden sich bei der AKF - Arbeitsgemeinschaft für katholische Familienbildung e.V. Bonn oder unter www.elternchance.de.

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