Weniger Kinderkrankentage: Verband Kita-Fachkräfte Bayern warnt vor Folgen
Das Gesundheitsministerium plant die bisherige Regelung von 15 Krankheitstagen pro Kind pro Elternteil zum Jahresende auslaufen zu lassen. Damit würde der Anspruch wieder auf 10 Tage pro Kind und Elternteil sinken.
„Wir fragen uns: Hat Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann die konkreten Auswirkungen dieser Entscheidung auf die Gesellschaft und Kindertageseinrichtungen ausreichend bedacht?“, so Sonja Seiler vom Verband Kita-Fachkräfte Bayern e.V.
Kranke Kinder, zusätzliche Ausfälle: Kitas geraten weiter unter Druck
Veronika Lindner vom Verband Kita-Fachkräfte Bayern e.V.: „Die Kürzung der Kinderkrankentage könnte das Infektionsgeschehen und Personalausfälle in Kitas verschärfen. In einem System, das ohnehin bereits die Belastungsgrenzen überschritten hat.“ Weniger Kinderkrankentage, die wohlgemerkt ohnehin bereits häufig nicht ausreichten und mit Gehaltseinbußen sowie Attestpflicht belegt sind, führen dazu, dass Eltern häufiger ihr noch nicht vollständig genesenes oder angeschlagenes Kind in die Kitas bringen werden. Nicht aus mangelnder Fürsorge, sondern weil sie beruflich und finanziell unter erheblichem Druck stehen. Mehr erkrankte Kinder in Kindertageseinrichtungen verstärken das Infektionsgeschehen. Kleinkinder können Hygieneregeln noch nicht zuverlässig einhalten, mit der Folge, dass sich Infekte schnell über die gesamte Gruppe ausbreiten. Nicht nur auf andere Kinder, sondern auch auf das Fachpersonal. Das verschlimmert den Personalmangel in Kitas, der ohnehin aufgrund schlechter gesetzlicher Vorgaben allgemein bekannt ist. „Die Folge ist für uns klar: Überlastung des noch vorhandenen Teams, Qualitätseinbußen, Kürzung von Öffnungszeiten, Notbetreuung und im schlimmsten Fall Schließungen“ äußert Lorna Stephen des Verbandes Kita-Fachkräfte Bayern.
Auch die Perspektive des kranken Kindes darf nicht vergessen werden
Ein krankes oder noch nicht vollständig genesenes Kind braucht Ruhe, Erholung und individuelle Zuwendung. In einer Kita erwartet es dagegen eine volle Gruppe, Geräuschpegel, einen strukturierten Tagesablauf und nur begrenzte Rückzugsmöglichkeiten. Auch engagierte pädagogische Fachkräfte können unter den Bedingungen des Kita-Alltags nicht die individuelle Betreuung leisten, die ein krankes Kind zu Hause durch seine Eltern erhalten kann.
Daten über die tatsächlichen Krankheitstage von Kindern fehlen
Gerne hätten wir unsere Forderung mit belastbaren Zahlen dazu untermauert, wie viele Krankheitstage Kita-Kinder tatsächlich pro Jahr haben. Nach unserem Kenntnisstand fehlt jedoch eine aktuelle, repräsentative Statistik für Deutschland. Die Erfahrung aus der täglichen Kita-Praxis zeigt: Die Kinderkrankentage pro Kind reichen bereits heute bei längeren und häufigen Erkrankungen nicht aus.
Unser Appell: Die Folgen für Kinder, Familien und Kitas mitdenken
Wir appellieren an das Bundesgesundheitsministerium, die geplante Rückkehr zu 10 Kinderkrankentagen noch einmal auf ihre tatsächlichen Auswirkungen zu überprüfen. Gesundheitspolitik darf nicht isoliert betrachtet werden. Wer Kinder schützen, Eltern die Berufstätigkeit ermöglichen und eine verlässliche Kindertagesbetreuung sicherstellen will, muss diese Zusammenhänge berücksichtigen. Der Verband Kita-Fachkräfte Bayern fordert deshalb eine politische Entscheidung, die sich an der Lebensrealität von Familien und Kitas orientiert und bei der das Wohl und die Gesundheit der Kinder nicht hinter finanziellen oder organisatorischen Erwägungen zurückstehen.
Quelle: Verband Kita-Fachkräfte Bayern e.V.

