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zwei U3 Kinder

Worauf es wirklich ankommt: Entwicklungsangemessene Bildung

Albert Horbach, Nicole Tauscher

23.01.2012 Kommentare (0)

Während eines Elternkurses in einem Familienzentrum, an dem Mütter und Erzieher/-innen einer Kita teilnehmen, bekommt man als Referent mit, unter welchem Konkurrenzdruck die Einrichtung steht, wenn Eltern auf besondere Bildungsangebote fixiert sind, mit Äußerungen wie : „Eure Pädagogik ist gut, aber die Nachbareinrichtung bietet Englisch an.“ Ist dies ein vereinzelter Eindruck oder eine typische Situation an der „Bildungsfront“ Eltern – Erzieher/-innen?

Die Eltern

Viele Eltern wissen wenig über fundierte Erkenntnisse der Entwicklungspsychologie. Andere haben sich durch eine Vielzahl von Elternratgebern gelesen; als „Bescheidwisser“, die aus ihrem Kind ein „Projekt“ machen wollen, sind sie dem Frühförderwahn verfallen und glauben an Lernprogramme, die z.B. versprechen, ein Leben lang für Vorsprung zu sorgen. Abrakadabra!?

Neurowissenschaftler sprechen von Scharlatanerie, andere Fachleute kritisieren elterlichen Überehrgeiz und fürchten das Verschwinden der Kindheit. Erfahrenen Kinderärzten, Erzieher/-innen, Psychologen, Kindertherapeuten, die zur Geduld mahnen, wird aber in vielen Fällen nicht mehr geglaubt.

In der Sorge, die angeblich wichtigste Zeit – die Vorschulzeit – in der Gehirnentwicklung ihres Kindes „ungenutzt“ verstreichen zu lassen, scheint der Trend zu früher kindlicher „Verbildung“ ungebrochen, obwohl diese Annahmen sich bisher mit keiner wissenschaftlichen Studie erhärten ließen und niemand sicher weiß, ob es etwas bringt. Viele Eltern berufen sich auf neurobiologische Erkenntnisse, aus denen sie ableiten: Je mehr Stimulation und Förderung, desto mehr Synapsen im Gehirn, desto bessere Schul- und Berufskarrieren.

Andere tun zu wenig: Ein Drittel aller Kinder in Deutschland aus niedrigen Einkommensschichten besuchen keinen Kindergarten, weil ihren Eltern die kindliche Bildung offenbar nicht wichtig ist und erhalten so weder genug sprachliches noch soziales Training. Damit laufen sie Gefahr, zu den Bildungsverlierern zu zählen.

Und es gibt Eltern, die glauben, ihre Bildungsverantwortung komplett an die Kitas delegieren zu können: Bitte ein schulfertiges Kind, das nicht „nur spielt“. Das sind Eltern, die sich als persönliche Auftraggeber der Kitas verstehen, sehr fordernd und kritisch auftreten, dabei aber völlig vergessen, dass sie die wichtigsten Bezugspersonen und damit auch die wichtigsten „Lehrer“ sind. Kindliche Bildung geht schließlich nur über persönliche Bindung.

Die ExpertInnen

In der Fachwelt der Hirnforscher, Psychologen und Pädagogen ist zunehmend Versachlichung und Besinnung festzustellen. WissenschaftlerInnen betonen inzwischen, die menschliche Entwicklung sei viel komplizierter als aufgeregte Eltern glaubten: Deren gestiegene Bildungsorientierung ist durchaus positiv – sollte sich aber bitte auch orientieen an den entwicklungsangemessenen Möglichkeiten der Kinder!

Die Kitas

Viele Erzieher/-innen und Einrichtungen sind nach wie vor verunsichert in dem Dilemma zwischen „Kundengewinnung“, „Kundenzufriedenheit“ und pädagogisch vertretbarer, weil „entwicklungsangemessener Bildung“. Ganz klar, ein Zurück in die „alten Zeiten“ gibt es nicht. Bildung war und ist Auftrag aller Kitas, das liegt bereits in der natürlichen Tendenz der Kinder, zu wachsen und zu entdecken. Experten sind sich einig: Kinder in der Entwicklung ihrer Talente zu fördern, ist eigentlich ganz leicht. „Kinder haben von Natur aus Freude daran, über sich hinauszuwachsen“ (Prof. Hüther).

Die zentrale Aufgabe und Herausforderung der Kitas liegt darin, mittels eines fundierten Bildungskonzeptes Eltern zu informieren, wie die Frühpädagogik sich dieser Aufgabe stellt und die Eltern nach Möglichkeit zu überzeugen. Allerdings auch sich abzugrenzen gegenüber Vorstellungen, die aus entwicklungspsychologischer Sicht nicht kindgerecht sind.

Die Fachzeitschrift „kinderleicht!?“

Cover der Zeitschrift kinderleichtDie Fachzeitschrift „kinderleicht!?“ aus dem Bergmoser + Höller Verlag aus Aachen möchte diese Aufgabe inhaltlich unterstützen und hat im November 2011 zu diesem Thema ein Heft und eine CD produziert. Renommierte und engagierte Menschen wie z.B. Jesper Juul, Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer, Dr. Armin Krenz und Maria Aarts haben Beiträge verfasst, die Sie informieren wollen, aber auch in der praktischen Arbeit, z.B. Elternabenden, Teambesprechungen, Konzeptentwicklung, Öffentlichkeitsarbeit Verwendung finden können. Die Zeitschrift möchte damit einen Beitrag für eine kindgerechte Bildung leisten.

Facebook IconMehr Informationen über „kinderleicht!?“ finden Sie auf www.buhv.de/kinderleicht oder auf der facebook-Seite www.facebook.com/kinderleicht.

Den Artikel "Führen und Leiten - mit Intuition" aus Heft 1/2012  finden Sie auf diesem Portal.

Quelle: Redaktion „kinderleicht!?“,  Bergmoser + Höller Verlag, Aachen

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