mehrere Kinder

Zukunftsorientierte Klimapolitik sollte Familien an Bord holen

11.04.2022 Kommentare (0)

Familien wird in Debatten über die Klimakrise bisher wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Dabei sind sie es, die oft besonders darunter leiden, sich an den Klimawandel und seine Folgen anzupassen und politische Maßnahmen zu kompensieren. Gleichzeitig findet in Familien ein Großteil des intergenerationellen Austausches statt – auch und insbesondere in Bezug auf das Thema Umweltschutz. Die neue Studie „Green Family – Generationengerechtigkeit im Klimawandel“ beleuchtet die spezifische Vulnerabilität der Familien gegenüber dem Klimawandel, aber auch ihre wichtige Rolle bei der Anpassung. 

Erstellt wurde die Studie „Green Family – Generationengerechtigkeit im Klimawandel“  von Wissenschaftler/-innen des Wittgenstein Centre for Demography and Global Human Capital (IIASA, ÖAW, Universität Wien), einem der weltweit führenden Forschungszentren wenn es um den Zusammenhang von Umwelt- und Bevölkerungsentwicklung geht, unter Mitarbeit von Population Europe, und gefördert vom deutschen Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

„Wenn man davon ausgeht, dass Eltern sich nicht nur um ihre eigenen Lebensumstände, sondern auch noch die ihrer Kinder in einer fernen Zukunft sorgen, sollte zukunftsorientierte Klimapolitik die Eltern an Bord holen!“, sagt Erich Striessnig, Hauptautor der Studie. „Kaum eine andere gesellschaftliche Gruppe hat so ein so großes persönliches Interesse, etwas gegen den Klimawandel zu unternehmen. Verzichtet man darauf, Eltern und Familien in der Klimapolitik einzubeziehen, lässt man damit eine wertvolle Gelegenheit aus.“

Differenzierung statt „One Size Fits All“

Der Einfluss verschiedener Bevölkerungsgruppen auf die Umwelt und das Klima, wie auch ihre Vulnerabilität unterscheiden sich, beispielsweise nach Alter, Einkommen, Wohnort und Bildungsstand. Politische Maßnahmen müssen diese Unterschiede berücksichtigen. One-Size-Fits-All-Lösungen werden diesem Umstand nicht gerecht und widersprechen dem Verursacherprinzip.

Familien sind privat mobiler als andere Bevölkerungsgruppen (z. B. um Kinder zur Schule oder die Großeltern zum Arzt zu bringen). Der ÖPNV ist aber – gerade auf dem Land – nicht an diese Mobilitätsbedürfnisse angepasst, weshalb viele junge Menschen sich ein Auto zulegen, sobald das erste Kind da ist. Auch der Energiebedarf von Familien ist insgesamt höher als der anderer Gruppen (z.B. Single-Haushalte). Daher belastet es sie umso mehr, wenn Preise steigen, weil Umweltkosten in die Kosten von Konsumgütern und Energie eingepreist werden.

Familien als „Change Agents“

Dies gilt insbesondere für Familien mit geringem Einkommen. Diese haben einen vergleichsweise kleinen ökologischen Fußabdruck, da sie beispielsweise in kleineren Wohnungen leben und keine weiten Urlaubsreisen unternehmen. Von politischen Maßnahmen, die sich auf das verfügbare Einkommen auswirken, sind sie aber überproportional betroffen, weil finanzielle Mittel fehlen. Gleichzeitig leiden sie besonders unter den Folgen des Klimawandels, weil sie zum Beispiel in dicht besiedelten Städten wohnen, wo die Belastung durch Hitze und Schadstoffe hoch ist und Grünflächen nicht in ausreichendem Maß vorhanden sind.

Dabei könnten gerade Familien als wichtige „Change Agents“ bei der Bewältigung der Klimakrise fungieren. „Werte und Lebensstile werden zum größten Teil in den Familien geprägt“, sagt Andreas Edel, Exekutivsekretär von Population Europe. „Deshalb ist es so wichtig, ihre soziodemografischen Merkmale besser zu verstehen und zu wissen, wie sie sich im Laufe der Zeit verändern (z. B. im Hinblick auf die Bevölkerungsalterung). Solide Erkenntnisse über die Bevölkerungsvielfalt sind für Entscheidungsträger wichtig, wenn sie Familien zu umweltfreundlichem Verhalten ermutigen wollen, ohne dabei die am stärksten gefährdeten Familien zurückzulassen.“

Weitere Informationen und Publikationen

Das Diskussions-Papier kann als PDF heruntergeladen werden. Ein begleitender Policy Brief mit Empfehlungen für politische Entscheider/-innen kann ebenfalls als PDF heruntergeladen werden.

Quelle: Population Europe vom 15.03.2022

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